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Frank Gröger, Chef der Bäckerei Gröger in Pirna, kämpft mit steigenden Gaspreisen, Lebensmittelpreisen und Personalkosten. Bildrechte: MDR/Christof Stumptner

Inflation und GaskriseKostensteigerung: Wie ein Bäcker in Pirna um seine Existenz kämpft

von Christof Stumptner, MDR SACHSEN

Stand: 14. September 2022, 18:00 Uhr

Das Handwerk ächzt und stöhnt. Es mangelt an Personal, alles wird teurer und gleichzeitig gehen die Umsätze in vielen Branchen zurück. Stark betroffen sind dabei auch die Bäcker. MDR SACHSEN-Reporter Christof Stumptner hat sich in Pirna die Existenzängste angehört.

Die Bäckerei Gröger in Pirna auf der Lohmener Straße ist ein kleiner beschaulicher Eckladen. Platz finden dort ein bis zwei Kunden, reichlich Backwaren und Sandra Nicolei, die als Verkäuferin hinter dem Tresen steht. "Die Stimmung ist schlecht und wir kriegen das hier auch zu spüren", erzählt sie. Es sei weniger zu tun, da weniger Kundschaft kommt. Und die Kunden, die kommen, würden über die Preise schimpfen. "Sie sagen zwar, dass sie wissen, dass wir nichts dafür können. Aber sie können sich dann auch weniger leisten", sagt Nicolei. "Ein Stück Kuchen ist mittlerweile einfach ein Luxusartikel geworden."

Bäcker kämpfen mit steigenden Personalkosten, Gaspreis und Lebensmittelpreisen

Hinten an den Laden schließt sich die Backstube von Frank Gröger an. Seinen Betrieb mit drei Außenstellen und 28 Mitarbeitern trifft die wirtschaftlich angespannte Situation mit voller Breitseite. Der Mindestlohn hebt ab Oktober die Personalkosten an. Der Gaspreis hat sich für seinen Betrieb bereits verdoppelt. Tendenz steigend. Doch damit nicht genug. "Ein Kilo Mehl hat vor einem Jahr die Hälfte von dem gekostet, was es jetzt kostet", sagt Gröger. "Beispiel Butter: Auch das doppelte. Es merkt ja jeder im Discounter oder wo auch immer er seine Butter kauft."

Ein Stück Kuchen ist mittlerweile einfach ein Luxusartikel geworden.

Sandra Nicolei | Backwarenverkäuferin in Pirna

Preise für Backwaren müssen erhöht werden

Folglich musste Frank Gröger auch die Preise für seine Backwaren anheben. "Man kann moderat die Preise anpassen. Dann ist das überhaupt kein Problem", sagt er. "Der Kunde kann auch damit umgehen. Aber alleine das Verständnis, das reicht dann irgendwann auch nicht mehr aus." Wenn der Kunde bei sich zu Hause auch den hohen Gaspreis zahlen müsse, bliebe er auch bei allem Verständnis irgendwann weg.

Wenn es den Menschen nicht mehr gut geht, fragt niemand mehr, wo was herkommt und was dort eingeschweißt ist, ob das mit 100.000 Tonnen Schwerölverbrauch von China nach Deutschland geschippert worden ist.

Frank Gröger | Bäckermeister aus Pirna

Die Preise für die Backwaren in seiner Bäckerei in Pirna musste Frank Gröger aufgrund der gestiegenen Kosten erhöhen. Bildrechte: MDR/Christof Stumptner

"Das Ganze Gedöhns mit Regionalität und Qualität ist nur Ausdruck unseres Wohlstandes", so Gröger. "Wenn es den Menschen nicht mehr gut geht, fragt niemand mehr, wo was herkommt und was dort eingeschweißt ist, ob das mit 100.000 Tonnen Schwerölverbrauch von China nach Deutschland geschippert worden ist." Er habe in seinem Betrieb genug Produktionskapazität, solange Gas kommt.

Kreishandwerkerschaft sieht Politik in der Pflicht

Das Frank Gröger mit diesen Sorgen und Problemen nicht alleine dasteht, weiß Antje Reichel, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Südsachsen. Sie sieht die Politik in der Pflicht, den Bäckern diese Existentzängste zu nehmen.

"Wir haben eine Mitgliederbefragung gemacht, nicht nur beim Bäckerhandwerk, aber die Beteiligung der Bäcker war auch groß", sagt sie. "Der erste Lösungsansatz ist die Beendigung des Ukraine-Konfliktes. Dass man in Verhandlungen eintritt, einfach, um eine gewisse Sicherheit wieder zu bekommen, was die Gaslieferung angeht und das nächste ist natürlich, dass unsere Politik gefragt ist mit entsprechenden Entlastungsmaßnahmen."

Ohne Hilfen, befürchtet sie, werden die Bäcker in der Region nach und nach verschwinden. "Das ist einfach auch das Gesetz des Marktes: Wenn die Preise dann so hoch sind und die Nachfrage sinkt, der Umsatz nicht mehr kommt und ein Unternehmen rote Zahlen schreibt, dann bleibt nur die Schließung und Entlassung der Mitarbeiter", sagt Reichel. "Da ist es auch keine Lösung in Kurzarbeit zu gehen, denn wenn ich meine Produkte am Markt nicht mehr loswerde, dann werde ich auf dem Markt nicht mehr da sein."

MDR (ali)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Dresden | 14. September 2022 | 16:30 Uhr