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Nach heftigen Regenfällen 2016 in Oberbobritzsch beseitigen Einsatzkräfte Wasser und Schlamm. Bildrechte: dpa

Hörer machen ProgrammWarum gibt es keinen Hochwasserschutz an der Bobritzsch?

von Annegret Faber, MDR AKTUELL

Stand: 06. Dezember 2022, 12:17 Uhr

Der Fluss Bobritzsch, südwestlich von Dresden, führte in den vergangenen 20 Jahren zweimal Hochwasser. Um die Anwohnenden zu schützen, möchte die sächsische Landestalsperrenverwaltung ein Rückhaltebecken bauen, aber Naturschutzverbände klagen dagegen. Das sächsische Oberverwaltungsgericht muss eine Entscheidung treffen, tut es aber nicht. MDR AKTUELL-Hörer und Anwohner Peter Hebert fragt sich, warum das so lange dauert und was das Gericht mit der Klage macht.

Schon seit mehr als 800 Jahren wohnen die Menschen nur wenige Meter neben der Bobritzsch. Der kleine Fluss hat lange die Füße stillgehalten. Durch zunehmende Flächenversiegelung und statistisch häufigere Extremniederschläge trat er nun aber ziemlich häufiger über die Ufer, bis zu zwei Meter und mehr.

Es müsse also etwas getan werden, sagt Bürgermeister René Straßberger: "Das letzte Hochwasser ist 2013 in unserer Gemeinde gewesen, davor in 2002 das Jahrhunderthochwasser. Das liegt nun 20 Jahre zurück und es ist auch für mich als Bürgermeister unverständlich, dass nach den 20 Jahren hier noch nichts passiert ist."

Baupläne liegen seit 2014 vor

Gut 1.000 Menschen in den Orten Oberbobritzsch, Niederbobritzsch und Naundorf müssen geschützt werden. Dafür möchte die sächsische Landestalsperrenverwaltung (LTV) ein Rückhaltebecken bauen. Pläne und Genehmigung der Behörden liegen seit 2014 vor, aber es geht nichts vorwärts.

"Von hier aus beginnend in Richtung Norden, wollen wir diesen circa 544 Meter langen und an der Talsohle 17 Meter hohen Rückhaltedamm bauen für das Hochwasserrückhaltebecken", erklärt der Verantwortliche für das Projekt bei der LTV, Brian Schütz. Er steht auf einer breiten Asphaltstraße, die mitten auf einem Feld endet. Auf der sollten schon längst Baufahrzeuge fahren, aber nichts tut sich: "Hinter dem Wald, den wir hier vor uns sehen, erstreckt sich sozusagen die Tallage von der Bobritzsch", sagt Schütz.

94 Hektar würden bei Hochwasser überschwemmt, um die Orte zu schützen. Dafür müsste der Wald teilweise gerodet werden. Felder, Wiesen, Gewässer liegen im geplanten Überschwemmungsgebiet, in denen geschützte Arten leben.

Ergänzung der Umweltplanung für das Rückhhaltebecken

Die Grüne Liga Sachsen und der Naturschutzverband Sachsen e.V. stellen sich gegen das Vorhaben und möchten das Wasser in der Fläche zurückhalten und nicht durch ein technisches Bauwerk. Deshalb klagen sie gegen die Landesdirektion Sachsen. Erst beim Verwaltungsgericht Chemnitz und jetzt in zweiter Instanz beim sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen. Ein Interview lehnen sie ab, ebenso wie die Landesdirektion Sachsen mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren.

Zwischenzeitlich hat die LTV die Umweltplanung für das Rückhaltebecken ergänzt: "Wir haben zum Beispiel noch zusätzliche Kompensationsmaßnahmen für den sogenannten Kammmolch geplant oder es sind dann für die Zeit während des Baus sogenannter Feldlerchenfenster geplant", erklärt Brian Schütz.

Auch Ausgleichsflächen sind bereits angelegt, neuer Wald wurde gepflanzt, Betonflächen im Ort wurden entsiegelt, und zwischen Kläger und Beklagten wurde viel Korrespondenz in den letzten Jahren hin und her geschickt.

Gerichtstermin für nächstes Jahr geplant

Das Oberverwaltungsgericht schreibt MDR AKTUELL in einer Mail: "Der Naturschutzverband Sachsen e.V. hat im März 2022 erklärt, den Planänderungsbeschluss in das gerichtliche Verfahren einzubeziehen. Zu diesem Antrag und seiner Begründung hatte die Landesdirektion wiederum Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten."

Auch das sei im Laufe dieses Jahres geschehen, schreibt das Oberverwaltungsgericht. Nun kann also endlich kommen, worauf alle warten: ein Gerichtstermin, um zu entscheiden, wie es weitergeht. Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen schreibt dazu: "Ein konkretes Entscheidungsdatum ist noch nicht absehbar. Aber eine Entscheidung ist für nächstes Jahr geplant."

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 06. Dezember 2022 | 06:00 Uhr