Naturschutz Zeitweiliges "Boofen"-Übernachtungsverbot in der Sächsischen Schweiz

Das Übernachten unter freiem Himmel im Nationalpark Sächsische Schweiz ist bei Kletterern seit langem beliebt. Doch die sogenannten Boofen werden auch zunehmend von Nichtkletterern genutzt, was zu mehr Ruhestörungen und Umweltverschmutzung führt. Nationalparkverwaltung, Naturschutz- und Tourismusverbände haben sich deshalb auf neue Regeln verständigt.

Boofen in der Sächsischen Schweiz
Die Sächsische Schweiz ist laut Verwaltung der einzige Nationalpark in Deutschland, in dem eine eingeschränkte Form der Freiübernachtung erlaubt ist. Damit wird eine Tradition der Bergsteiger berücksichtigt. Bildrechte: MDR/Benjamin Jakob

Zum Schutz der Natur schränkt die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz das beliebte Übernachten zwischen den Sandsteinfelsen im Freien ein. Wie die Nationalparkverwaltung in Bad Schandau mitteilte, gilt zwischen dem 20. Mai und dem 15. Juni für die sogenannten Boofen im Nationalpark ein komplettes Übernachtungsverbot.

Schutz von Vogel- und Tierarten

Damit will die Nationalparkverwaltung nach eigenen Angaben ein weiteres Absinken der Brutvogelzahlen vor allem bei Wanderfalken aufhalten. Auch für weitere Tierarten im Nationalpark soll eine störungsarme Aufzucht ihrer Jungtiere ermöglicht werden. Grundsätzliches Ziel sei eine Beruhigung der sensiblen Natur in der Sächsischen Schweiz, hieß es in der Mitteilung. Zuletzt sei das Übernachten auch bei Nichtkletterern attraktiv geworden. Neben dem Fäkalien- und Erosionsproblem wachse auch die Zahl derer, die Feuer machen, mit Musikboxen die nächtliche Ruhezeit in der Natur stören und Müll hinterlassen.

Im Jahr 2019 seien rund 31.000 Übernachtungen im Nationalpark gezählt worden, sagte Sprecher Hanspeter Mayr MDR SACHSEN. Davon hätten etwa die Hälfte außerhalb der erlaubten 58 gekennzeichnetten Stellen, den sogenannten Boofen, ihr Lager aufgeschlagen.

Übernachtungsverbot-Regeln zunächst bis 2025

Die Regelung ist zunächst bis 2025 befristet. Bis dahin sollen jährlich jeweils Karenzzeiten vom 1. Februar bis 15. Juni eingehalten werden. Die Nationalparkwacht soll die Einhaltung des Übernachtungsverbots intensiv kontrollieren. Dafür wurde ihr Personal deutlich aufgestockt. Das Übernachten in der Natur ist im Nationalpark auch bisher schon grundsätzlich ganzjährig untersagt. Ausnahme ist das Freiübernachten an den gekennzeichneten Stellen, soweit dies im Zusammenhang mit dem Klettern geschieht.

Boofen Der umgangssprachliche Begriff "Boofen" ist vom sächsischen "Pofen" - tiefer und fester Schlaf - abgeleitet. Es handelt sich dabei meist um Höhlen und Felsvorsprünge.

Nachtquartier unterm steinernen Überhang – Boofen hat in der Sächsischen Schweiz eine lange Tradition
In der Sächsischen Schweiz ist Übernachten in den Boofen für Kletterer erlaubt, jetzt auch für sie mit Einschränkungen. Bildrechte: MDR/Holger Lieberenz

Verbot ist Kompromiss zwischen Naturschutz und Tourismus

Das Verbot sei in intensiven Gesprächen mit den beteiligten Verbänden und den Kommunen der Nationalparkregion erarbeitet worden, hieß es. "Derartige Lösungen sind nicht einfach und stehen für einen Kompromiss, der nicht immer alle Beteiligten zu 100 Prozent zufrieden stellen kann," sagte Nationalparkleiter Ulf Zimmermann. Aber es zeige doch deutlich, dass allen der Schutz unserer einzigartigen Natur ein wichtiges Anliegen sei.

Derartige Lösungen sind nicht einfach und stehen für einen Kompromiss, der nicht immer alle Beteiligten zu 100 Prozent zufrieden stellen kann.

Ulf Zimmermann Nationalparkleiter

Der BUND Sachsen hatte sogar eine Ausweitung des Verbotes bis zum 15. Juli und die Sperrung einiger "Boofen" gefordert. "Am Ende muss man sich fragen, was einem der einzige Nationalpark Sachsens mit seinen gefährdeten Arten wie Schwarzstorch, Wanderfalke und Co. wert ist," sagte Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. Man sei sehr gespannt, wie sich die Lage in den nächsten drei Jahren entwickle und werde den Prozess eng begleiten.

MDR (kb)/dpa/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 10. Mai 2022 | 21:00 Uhr

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