Tourismus und Naturschutz Nationalpark Sächsische Schweiz: Vorfahrt für die Natur

Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist durch die Dürre der vergangenen Jahre und den Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen worden. Wegen umgestürzter Bäume mussten auch Wanderwege gesperrt werden. Touristikern und Kommunen ging die Beräumung nicht schnell genug. Naturschützer fordern dagegen generell weniger Wanderwege und Trubel in der Region. Der Umweltminister hat jetzt den Nationalpark besucht.

In der Sächsischen Schweiz werden Wanderwege beräumt.
Nach und nach werden die Wanderwege beräumt. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Sachsens Umweltminister Wolfram Günther hat sich in der Sächsischen Schweiz über den Stand der Beräumung von Rettungs- und Wanderwegen informiert. Günther betonte, der Nationalpark stehe für einen Einklang von Schutz und nachhaltigem Naturerlebnis. Wie sein Ministerium mitteilte, sind in dem Schutzgebiet seit Mitte April 24 Wege mit einer Länge von über 16 Kilometern wieder offen und begehbar.

In der Sächsischen Schweiz werden Wanderwege beräumt.
Wolfram Günther beim Vor-Ort-Termin Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein Schutzgebiet von nationaler Bedeutung. Hier hat die Natur mit ihren Prozessen das Primat.

Wolfram Günther Umweltminister in Sachsen

Seit dem 16. August würden weitere Rettungswege beräumt, acht Wanderwege sollen auf einer Länge von vier Kilometern freigeschnitten werden, die Landesdirektion habe dafür die Genehmigung erteilt. Das sind laut Ministerium:

  • Alte Kuhstallstraße
  • Hohlfelds Graben
  • Quenenweg
  • Roßsteig
  • Heringsgrund
  • Lehne
  • Schießgrund
  • Schrammsteinweg

Noch 26 Kilometer Wanderwege zu beräumen

Nationalpark-Chef Ulf Zimmermann erklärte, an den ersten Wegeabschnitten wie an der Höllstraße oder der Kirnitzschtalstraße hätten die notwendigen Arbeiten begonnen. "Wir haben die Zwischenzeit genutzt und den Zustand aller markierten Wege im Nationalpark geprüft." Für einzelne weitere kritische Bereiche würden Anträge vorbereitet. Insgesamt verfügt der Nationalpark Sächsische Schweiz laut Umweltministerium über ein Wegenetz von insgesamt 400 Kilometern markierter Wanderwege. 35 Wanderwege und Bergpfade waren demnach Ende März in Folge von umgebrochenen Bäumen nicht mehr passierbar, fünf weitere sind zwischenzeitlich dazugekommen. Insgesamt seien bis zu 44 Kilometer Wege betroffen gewesen, derzeit seien es noch etwa 26 Kilometer.

In der Sächsischen Schweiz werden Wanderwege beräumt.
Im Nationalpark Sächsische Schweiz werden weitere Wanderwege von umgefallenen Bäumen befreit. Dafür wurde teilweise auch neue Technik angeschafft, um in unwegsamen Bereichen arbeiten zu können. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Peter Rölke vom Sächsischen Bersteigerbund begrüßte den Fortschritt bei der Beräumung. Die Nationalparkverwaltung sei auf dem richtigen Weg, die Wanderwege freizumachen. "Das was möglich ist bei der Riesenkatastrophe, wird möglich gemacht, dass das Wandern erhalten bleibt," sagte Rölke MDR SACHSEN.

Tausende Bäume abgestorben

Wegen der Dürre und des Borkenkäferbefalls in den vergangenen Jahren sind im Nationalpark Sächsische Schweiz tausende Bäume abgestorben, viele sind umgestürzt. Deswegen mussten in der beliebten Touristenregion auch Wanderwege gesperrt werden. Im Frühjahr hatte der Bergsteigerbund mit dem Landrat, sieben Bürgemeistern der Region und dem Tourismusverband in einem gemeinsamen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer die Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung beklagt. Dort fehle es an "strategischen Überlegungen", wie die Erholungsfunktion im Nationalpark und der Naturschutz gleichzeitig gewährleistet werden könnten.

Der Ministerpräsident besuchte daraufhin im Juni den Nationalpark und versprach, dass im August mit den Aufräum-und Fällarbeiten begonnen werden sollte. Umweltminister Günther sprach bei dem Vor-Ort-Termin von einer Naturkatastrophe. Große Flächen seien dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen.

In der Sächsischen Schweiz werden Wanderwege beräumt.
Die Schäden sind inzwischen großflächig. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

BUND für mehr Naturschutz im Nationalpark

Naturschützer wollen den Tourismus in der Region noch stärker begrenzen. Der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen, Felix Ekardt, forderte generell weniger Wanderwege in der Sächsischen Schweiz.

Felix Ekardt bei MDR KULTUR trifft mit Moderator Vladimir Balzer
Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Es muss allen Beteiligten wieder klargemacht werden: Der Nationalpark hat primär einen Naturschutzzweck, Tourismus kommt an zweiter Stelle.

Felix Eckardt BUND Sachsen

Dafür würden größere, unzerschnittene Räume gebraucht, damit beispielsweise Vogelarten weniger gestört werden. Man müsse wegkommen von den illegalen Boofen und es brauche weniger Müll, sagte Ekardt MDR SACHSEN. Dazu seien mehr Kontrollen notwendig.

Besucher stören Tierwelt - junge Schwarzstörche verhungern im Nest

Auch Nationalpark-Chef Ulf Zimmermann sieht ein Ungleichgewicht zwischen Tourismus und Naturschutz, das sich in den vergangenen Jahren entwickelt habe.

In der Sächsischen Schweiz werden Wanderwege beräumt.
Ulf Zimmermann Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Gegenüber früher, wo der Gast eher am späteren Vormittag, so gegen 9 oder 10 Uhr ins Gebiet gegangen ist zum Wandern und am Nachmittag 17 oder 18 Uhr wieder raus ist, ist es eben heute so, dass die Leute schon in der Früh, beim Sonnenaufgang da sind und bis tief in die Nacht bleiben. Das heißt also, rund um die Uhr Beunruhigung. Und damit werden die Tierarten, die ja auch ihre Räume brauchen, immer wieder gestört.

Ulf Zimmermann Nationalpark-Chef

Weil die Tiere dem Stress ausgesetzt sind und ihre Jungen nicht mehr füttern könnten, sei der Bestand einiger Arten rückläufig, so Zimmermann. "Wir haben den Effekt, dass junge Schwarzstörche im Nest sterben, weil sie nicht genügend Futter kriegen. Der Besucher ist dabei ein ganz entscheidender Faktor."

Man müsse nun schauen, ob die vorhandenen Regeln ausreichen, sagte Zimmermann MDR SACHSEN, oder ob man nachsteuern muss. Wichtig sei, den wichtigen Arten genug Schutz zu bieten, damit sie überleben können.

Quelle: MDR/kb/mk/dk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 24. August 2021 | 14:30 Uhr

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