Sächsische Ehrung "Geschmäckle": Sächsischer Verdienstorden für Müllermilch-Chef provoziert Ärger

Soll Unternehmer Theo Müller einen Preis bekommen, weil er in Sachsen Jobs geschaffen hat, erhält und Vereine fördert? Ja, sagt Sachsens Staatskanzlei. Andere zeigen auf die Steuerflucht, Lohndumping und Preisdrückerei des Molkerei-Lenkers. Auch Preisträger des Verdienstordens zeigten sich erstaunt und verärgert zugleich.

Theo Müller lächelt in die Kamera
Theo Müller gilt als erfolgreicher, aber auch umstrittener Unternehmenschef. Vor 18 Jahren zog er aus Steuergründen in die Schweiz um. Bildrechte: dpa

Die geplante Auszeichnung des Molkereiunternehmers Theo Müller mit dem Sächsischen Verdienstorden hat Kritik provoziert - auch aus den Reihen der Ordensträgerinnen und -träger. Die frühere DGB-Chefin in Sachsen, Iris Kloppich, zeigte sich "erstaunt" und "zugleich verärgert". Sie sagte MDR SACHSEN: "Müller hat zwar tausende Arbeitsplätze in Sachsen geschaffen, verdient dabei aber auch nicht schlecht." Zudem entlohne er seine Beschäftigten unterhalb des ostdeutschen Flächen-Tarifvertrags.

Iris Kloppich
Bildrechte: DGB Sachsen/Marcus Karsten

Die Krone ist aber, dass er das, was er verdient, an Erbschaftssteuern einsparen will und in die Schweiz bringt.

Iris Kloppich Historikerin, ex-Vorsitzende des DGB in Sachsen

Bauern haben von Marke nicht profitiert

Mehrere Milchproduzenten in Sachsen nannten den Auszeichnungsvorschlag "anrüchig". Für den Argaringenieur und früheren Präsidenten des Landesbauernverbandes, Wolfgang Vogel, hat die geplante Auszeichnung Müllers ein "Geschmäckle". Vogel sagte MDR SACHSEN:

Wolfgang Vogel, Präsident des sächsischen Bauernverbandes
Bildrechte: MDR/Maren Beddies

Müller hat stets gesagt, er zahlt den Bauern nur das, was er muss, nicht, was er kann. Von der Marke Müllermilch haben die Bauern in Sachsen nicht partizipiert.

Wolfgang Vogel früherer Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen

Vorschlag kam von Kretschmer

Kloppich und Vogel gehören zu den 363 Frauen und Männern, die mit dem Orden ausgezeichnet worden sind. Theo Müller wurde von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) für den Orden vorgeschlagen, unter anderem wegen seiner Verdienste für den Wirtschaftsstandort Sachsen.

Deutliche Worte von der Linken

 Die Grossmolkerei der Müllermilch Unternehmensgruppe Theo Müller GmbH & Co. KG in Leppersdorf bei Dresden
Die Großmolkerei der Müllermilch Unternehmensgruppe in Leppersdorf. Bildrechte: imago/Robert Michael

Der Vorsitzende der Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag, Rico Gebhardt, bezog sich in einer Reaktion auch auf die Wohnsitzverlagerung Müllers, der 2003 in die Schweiz zog, um bei Firmenübergang an seine Kinder 200 Millionen Euro Schenkungs- und Erbschaftssteuer zu sparen: "Sein Unternehmen hat jahrelang Millionen von Steuergeldern als Subventionen kassiert, allein 70 Millionen Euro Fördermittel 2009 für die Molkerei in Leppersdorf." Um die Richtlinien zur Förderung kleiner Unternehmen einzuhalten, habe Müller dazu neun eigenständige kleine Firmen gebildet, die als Firmensitz alle dieselbe Adresse hatten.

"Wer förderpolitisch so 'kreativ' war und dann auch noch mit Ansage Steuerflucht betrieben hat, bekommt jetzt vom Ministerpräsidenten persönlich an seinem Steuerzufluchtsort Zürich den Sächsischen Verdienstorden überreicht."

Was für ein Hohn für alle ehrlichen Steuerzahler/-innen in Sachsen!

Rico Gebhardt Fraktionsvorsitzender der Linken

Staatskanzlei lobt Einsatz für Jobs und Blasmusik

Zur Preisverleihung schreibt dagegen die Staatskanzlei: "Theo Müller erhält den sächsischen Verdienstorden für seine herausragenden Verdienste um den sächsischen Wirtschaftsstandort und die Schaffung von Tausenden von Arbeitsplätzen im Landkreis Bautzen. Zudem wird er geehrt für seine sozialen und kulturellen Projekte, beispielsweise sein Engagement für die sächsische Blasmusik."

Quelle: MDR/kk/bd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 26. August 2021 | 06:00 Uhr

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