Tarifstreit Protestaktion von Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Dresden

Ein Arbeiter verlädt Stahlrrohe in einem Logistikcenter. (Symbolbild)
Viele Mitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie fürchten aufgrund der Corona-Krise ihre Stelle zu verlieren, so die IG Metall. Bildrechte: imago/Tillmann Pressephotos

Mit einer Aktion unter dem Motto "Schluss mit lustig!" haben am Dienstag in Dresden mehr als 100 Beschäftigte der sächsischen Metall- und Elektroindustrie auf ihre Situation im Tarifstreit aufmerksam gemacht. Die Teilnehmer seien dafür mit ihren Autos vor eine an der Messe aufgebaute Bühne gefahren, teilte die IG Metall mit. Aufgrund der Corona-Bestimmungen seien nur kleine Delegationen aus insgesamt zwölf Betrieben – darunter Pierburg, Thyssenkrupp und die Karosseriewerke Dresden – vor Ort gewesen.

Stellenabbau befürchtet

Hintergrund ist nach Angaben der Gewerkschaft nicht nur die aktuelle Tarifrunde, sondern auch die Ankündigungen vieler Betriebe, aufgrund der Corona-Krise Stellen abzubauen. Es gebe viele tarifliche Regelungen, um einen übereilten Beschäftigungsabbau zu vermeiden.

Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber bei der Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ostdeutschland sorgt für Wut und Empörung in den Betrieben. Unsere Mitglieder machen sehr deutlich, dass sie in dieser Tarifrunde Bewegung hin zur Angleichung erwarten.

Birgit Dietze IG Metall Bezirksleiterin Berlin-Brandenburg-Sachsen

Kritik vom Verband

Der Verband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME) kritisierte die Aktion bereits im Vorfeld. Die Tarifparteien hätten sich in Nordrhein-Westfalen bereits auf einen Pilotabschluss geeinigt. Damit verbunden seien sowohl finanzielle Leistungen, wie ein Corona-Bonus im Juni, sowie neue Optionen zur Beschäftigungssicherung. Der VSME sei bereit, dies alles auch für Sachsen zu vereinbaren, heißt es in einer Erklärung des Verbands.

In einer Situation, die nach Einschätzung der Bundeskanzlerin die schwerste Krise seit dem zweiten Weltkrieg sei, ist das Verhalten der IG Metall inakzeptabel.

Verband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie

Tarifverhandlungen werden fortgesetzt

Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall für Dresden und Riesa, Stefan Ehly, sagte MDR SACHSEN, der sächsische Arbeitgeberverband sei bereit, den Pilotabschluss aus Nordrhein-Westfalen zu übernehmen. Bei der Angleichung der Arbeitsbedingungen an das Westniveau gebe es jedoch keine Annäherung, so Ehly. Der Arbeitgeberverband weigere sich, auf die 35-Stunden-Woche zu gehen. Die IG Metall fordere daher ein Ausgleichgeld, um die ausstehende Arbeitszeitverkürzung zu kompensieren.

Wir wollen die Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ost und West.

Stefan Ehly IG Metall Dresden und Riesa

Die IG Metall fordert in dem Tarifkonflikt unter anderem vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate, das optional zur Sicherung von Arbeitsplätzen eingesetzt werden soll. Am 19. April sollen die Tarifverhandlungen fortgesetzt werden.

Quelle: MDR/dpa/lt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 13. April 2021 | 07:30 Uhr

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