Justiz Drogenhandel über Kryptohandys: Dutzende Verfahren in Sachsen

Nach der Entschlüsselung von Kryptohandys des Anbieters "EncroChat" hat die Staatsanwaltschaft Dresden erneut Anklage erhoben. Ein 28-Jährigen soll Drogen im Wert von über 1,3 Millionen Euro gehandelt haben. Auch in Leipzig, Chemnitz und Limbach-Oberfrohna laufen Verfahren, die im Zusammenhang mit der Entschlüsselung von "EncroChat" stehen.

Crystal Meth
51 Kilogramm Crystal soll der Beschuldigte insgesamt gekauft und weiterverkauft haben. Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat gegen einen 28-jährigen Mann Anklage wegen Drogenhandels erhoben. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, soll der Beschuldigte von April 2017 bis April 2020 Crystal und Marihuana im Wert von über 1,3 Million Euro gekauft und anschließend gewinnbringend weiterverkauft haben. Der Beschuldigte sitzt laut Staatsanwaltschaft seit Januar 2021 in Untersuchungshaft, ist nicht einschlägig vorbestraft und hat sich zu den Tatvorwürfen nicht geäußert.

Der mutmaßliche Drogenhändler kommunizierte den Angaben zufolge über verschlüsselte Mobiltelefone des Anbieters "EncroChat". Französischen Ermittlungsbehörden war es 2020 gelungen, den Datenbestand dieses Anbieters für einen gewissen Zeitraum zu entschlüsseln. Die Erkenntnisse wurden der Staatsanwaltschaft Dresden zur Verfügung gestellt und haben erhebliche Bedeutung für die Verfahren.

Ein Handy mit dem Text Anom auf einem Laptop 49 min
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Die AN0M-App war ein Trick der US-Polizei FBI: Mehr als 12.000 angeblich verschlüsselte Handys wurden in die Kriminellen-Szene eingeschleust. Auch in Sachsen sind mutmaßliche Drogenhändler aufgeflogen.

MDR AKTUELL Fr 18.06.2021 06:00Uhr 48:54 min

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"EncroChat" geknackt: Zahlreiche Festnahmen in ganz Sachsen

Der Fall ist nicht der einzige in Sachsen, der in Zusammenhang mit der Entschlüsselung des Anbieters "EncroChat" steht. Bereits im Januar 2021 konnten in Zusammenarbeit mit der Staatsanwalt Leipzig und dem Landeskriminalamt elf Beschuldigte festgenommen werden - fünf in Dresden, fünf in Leipzig und einer in Berlin. Dabei handelt es sich laut Staatsanwaltschaft Dresden um Männer im Alter von 25 bis 41 Jahren. Alle Beschuldigten müssen sich nun wegen des Verdachts des bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verantworten.

Was ist "EncroChat"? "EncroChat" war ein Dienstleister, der sogenannte Kryptohandys und einen Nachrichtendienst angeboten hatte, die beide abhörsicher sein sollten. Genutzt wurden die Geräte vor allem von der organisierten Kriminalität. Mit den Telefonen konnten beispielsweise keine Mails versendet werden und sie verfügten über kein GPS, um nicht geortet werden zu können. Durch die Infiltration von Schadsoftware konnten französische Ermittlungsbehören 2020 die Geräte hacken und so die Kommunikation mitverfolgen.

Auch in Breunsdorf bei Limbach-Oberfrohna konnten im Juni fünf Tatverdächtige festgenommen werden. Wie die Staatsanwaltschaft Zwickau dem MDR mitteilte, wurden auf einem Bauernhof ein Kilogramm Crystal, fünf Kilogramm Marihuana und 20.000 Euro Bargeld sichergestellt. Auch bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz sind eigenen Angaben zufolge zwei Ermittlungsverfahren wegen Drogenhandels im Zusammenhang mit überwachten Kryptohandys anhängig. Deutschlandweit klickten laut Bundeskriminalamt bei 70 Tatverdächtige durch die Entschlüsselung von "EncroChat" die Handschellen. Europaweit soll es über 800 Festnahmen gegeben haben.

14 "EncroChat"-Verfahren in Leipzig

Die Fachabteilung der Staatsanwaltschaft Leipzig schätzt, dass es gegenwärtig zirka 50 Verfahren im Zusammenhang mit "EncroChat" geben könnte. Genaue Zahlen könnten nicht ermittelt werden, weil dazu keine Statistik geführt werde, erklärte Pressesprecher Ricardo Schulz auf Anfrage von MDR SACHSEN. Die "EncroChat"-Verfahren der Staatsanwaltschaft Leipzig hätten mit einer Ausnahme (Waffenhandel) Verbrechen des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zum Gegenstand. In 14 Fällen wurde bisher Anklage erhoben, so Schulz.

Quelle: MDR/mar

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1 Kommentar

Sachsin vor 15 Wochen

wow - sehr gute Arbeit

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