Justiz Einbruch in Grünes Gewölbe: Landgericht hebt einen Haftbefehl auf

Bisher gab es gegen alle sechs Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden einen Haftbefehl. Seit Donnerstag ist das anders. Das Dresdner Landgericht hob den Haftbefehl gegen einen Verdächtigen auf. Die Staatsanwaltschaft könnte Beschwerde dagegen einlegen.

Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe.
Sechs Beschuldigte müssen sich nach dem Einbruch in das historische Grüne Gewölbe demnächst vor Gericht verantworten. Bildrechte: dpa

Das Landgericht Dresden hat den Haftbefehl gegen einen mutmaßlichen Juwelendieb aus dem Grünen Gewölbe Dresden aufgehoben. Das teilte die Staatsanwaltschaft Dresden am Donnerstag mit. Anders als das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft sieht das Landgericht derzeit keinen dringenden Tatverdacht gegen den 23 Jahre alten Mann. Auf freien Fuß kommt der allerdings nicht: Der 23-Jährige ist momentan wegen einer Beteiligung am Diebstahl der Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum in Jugendstrafhaft, informierte die Behörde. Er wurde dafür den Angaben zufolge rechtskräftig verurteilt.

Keine Entscheidung über Hauptverfahren

Eine Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens sei mit der Aufhebung des Haftbefehls aber nicht verbunden, weil hierfür kein dringender, sondern nur ein hinreichender Tatverdacht erforderlich sei. Der 23-Jährige bleibe daher auch im Zusammenhang mit dem Coup in Dresden tatverdächtig, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft Dresden will nun prüfen, ob sie Beschwerde gegen den Beschluss einlegt. So eine Beschwerde ist an keine Frist gebunden. Allerdings räumte die Behörde ein, dass die Beweissituation mit Blick auf den 23-Jährigen komplexer als bei den anderen fünf Beschuldigten sei.

Was ist mit den anderen fünf Tatbeschuldigten?

Die Fortdauer der Untersuchungshaft für drei der sechs Angeschuldigten ist vom Oberlandesgericht Dresden angeordnet worden. Ein vierter Beschuldigter hatte Haftbeschwerde eingelegt - die wurde aber als unbegründet verworfen. Ein fünfter 24 Jahre alter Beschuldigter sitzt ebenfalls in Jugendstrafhaft wegen des Diebstahls der Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die sechs jungen Männer aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie direkt am Einbruch in das sächsische Schatzkammermuseum am 25. November 2019 beteiligt waren. Ihnen werden schwerer Bandendiebstahl, Brandstiftung und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.

21 Schmuckstücke mit 4.300 Diamanten gestohlen

Die 23- bis 28-Jährigen sollen bewaffnet ins Residenzschloss eingebrochen sein. Ihre Beute: 21 Schmuckstücke mit 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtversicherungswert von mindestens 113,8 Millionen Euro. Zudem sollen sie Sachschäden in Höhe von über einer Million Euro hinterlassen haben. Die Ermittlungen zu weiteren Beteiligten und zum Verbleib der Kunstschätze dauern an. Auch nach Helfern und Hintermännern wird gesucht.

Quelle: MDR/sth/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 14. Oktober 2021 | 18:00 Uhr

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