Gesellschaft Melde- und Beratungsstelle zu Antisemitismus öffnet 2022 in Sachsen

In Sachsen gibt es eine Vielzahl antisemitischer Vorfälle, die zum Teil im Dunkeln bleiben. Aus verschieden Gründen werden diese nicht gemeldet oder statistisch erfasst. Vor allem dann nicht, wenn sie nicht strafrechtlich relevant sind. Auch deshalb startet die neue Melde- und Beratungsstelle Antisemitismus Sachsen. Der Hauptsitz wird in Dresden sein.

Protect - Defend jewish Life steht auf einem Transparent mit dem Davidstern bei einer Mahnwache in Berlin
Die Meldestelle wird in enger Abstimmung mit dem Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) arbeiten. Bildrechte: dpa

Für Opfer antisemitischer Gewalt startet 2022 eine Melde- und Beratungsstelle in Dresden. Nach einer Aufbauphase soll sie für ganz Sachsen erreichbar sein, teilte das Kultusministerium mit. Nach Angaben von Sachsens Kultusminister Christian Piwarz, gebe es nach wie vor eine Vielzahl antisemitischer Vorfälle. Viele würden im Dunkeln bleiben, weil sie nicht gemeldet oder statistisch erfasst würden.

Hohe Dunkelziffer

Fachleute bemängeln schon lange, dass eine Vielzahl antisemitischer Vorfälle nicht in polizeilichen Statistiken auftauche. Eine in diesem Jahr vorgestellte Untersuchung des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus war für Sachsen auf 712 Fälle von Antisemitismus in den Jahren 2014 bis 2019 gekommen. Rund ein Viertel davon war den Angaben nach nicht in der Polizeistatistik enthalten, sondern nur aus anderen zivilgesellschaftlichen Quellen bekannt.

Antisemitismus ist nicht "nur" ein historisches Phänomen, sondern eine reale Bedrohung.

Marina Chernivsky Geschäftsführerin OFEK e.V.

Die Anlaufstelle für Betroffene soll nun Abhilfe schaffen und den Opfern psychosoziale Beratung bieten. Auch Projekte zur Prävention würden angeboten. Als Träger hat sich der auf Antisemitismus spezialisierte Verein OFEK in einem Vergabeverfahren durchgesetzt. Der Aufbau werde vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden begleitet. Bereits im März solle es eine öffentliche Auftaktveranstaltung geben. Die Einrichtung der Melde- und Beratungsstelle Antisemitismus geht den Angaben zufolge auf eine entsprechende Vereinbarung im sächsischen Koalitionsvertrag zurück.

Quelle: MDR (jc)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio in Dresden | 29. Dezember 2021 | 12:30 Uhr

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