Militärhistorisches Museum Ausstellung in Dresden durchleuchtet Mythen über Hitlers Fallschirmjäger

Am Montag öffnet das Militärhistorische Museum wieder in Dresden. Dann ist auch die neue Sonderschau zu sehen, die Hitlers sogenannte Elitetruppe der Fallschirmjäger durchleuchtet. Wieviel Wahrheit steckt in diesem Mythos und warum konnten sich nach 1945 so viele Legenden über die Truppe halten, die so eng mit den Nationalsozialisten und Hitlers Staatsapparat verflochten war?

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr eröffnet am Montag, 7. Juni, eine Sonderausstellung mit dem Titel "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger". Darin geht es um die Fallschirmjäger der Wehrmacht. Um diese Truppe ranken sich zahlreiche Legenden, die in der nationalsozialistischen Propaganda wurzeln, sagte der Kurator der Schau, Magnus Pahl.

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt mehrere Fallschirmspringer, die sich der Erde nähern. Es ist eine historische Aufnahme aus dem Zweiten Weltkrieg, die Fallschirmjäger der Wehrmacht zeigt.
Das Archivfoto zeigt mehrere Fallschirmjäger bei einem Angriff im Mai 1940 auf die Niederlande. Um die Dauer des Sprunges zu verkürzen, wurden die Fallschirmjäger aus sehr niedriger Höhe abgesetzt. Unten mussten sie sich schnell vom Schirm lösen, um nicht vom Wind erfasst und über den Boden geschleift oder vom gegnerischen Feuer getötet zu werden. Bildrechte: Bayerische Staatsbibliothek München

Niederlagen, Verluste und Kriegsverbrechen

Hitler und Oberbefehlshaber Hermann Göring ließen die Fallschirmtruppe bevorzugt mit Personal und Material ausstatten und gaben ihr - ähnlich der Waffen-SS - besondere Aufmerksamkeit, erklärte Kurator Magnus Pahl. Die infanteristische Kampfkraft jener politischen Soldaten sei aber nicht höher gewesen als bei anderen Einheiten. Die enge Verzahnung mit der NSDAP und Hitlers Staatsführung, Niederlagen und nachgewiesene Kriegsverbrechen dieser Soldaten-Truppe seien nach 1945 heruntergespielt worden, so der Kurator.

Journalisten stehen im Militärhistorischen Museum in der Ausstellung "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger".
Bildrechte: dpa

Nazi-Propaganda wirkte

"Dessen ungeachtet erwies sich die NS-Propaganda erstaunlich nachhaltig: Bis heute verbinden militäraffine Menschen weltweit mit Hitlers Fallschirmjägern militärische Exzellenz, zuweilen sogar Unbesiegbarkeit", sagte Pahl. In der Ausstellung werden diese Zusammenhänge aufgezeigt. Insbesondere geht es um die Mythen um Kreta 1941 und Monte Cassino 1944, die in den zeitgenössischen Kontext eingeordnet werden. Thema ist laut Programm auch das Nachwirken in der Bundeswehr und heutigen Zivilgesellschaft.

Was hat es mit Hitlers Fallschirmjägern auf sich? - Ende Januar 1936 wurden die ersten beiden Bataillone aufgestellt. 1938 wurden sie zur 7. Fliegerdivision zusammengefasst und waren Teil der Luftwaffe.
- 1940/41 wurde die Truppe bei Besetzungen von Flughäfen und Brücken bei den Angriffen auf Norwegen, die Niederlande und Frankreich und 1941 auf dem Balkan eingesetzt.
- Bei der Invasion von Kreta lief das sogenannte "Unternehmen Merkur" ab dem 20. Mai 1941, das Historiker heute als verlustreiche, falsch konzipierte Schlacht werten.
- In der Schlacht um die Stadt und den Berg von Cassino in Italien wurden 20.000 deutsche und 55.000 alliierte Soldaten verwundet oder starben. Die NS-Propaganda glorifizierte danach die Fallschirmjäger, der deutsche Abzug wurde damals nicht erwähnt.

Neue Erkenntnisse nach Aktenstudium

Die Organisatoren verwiesen darauf, dass erst jetzt zugängliche Akten verschiedener Archive ausgewertet werden konnten und neue Erkenntnisse liefern, die den gängigen Helden-Mythen widersprechen. Auch ehemalige Fallschirmjäger schildern ihre Erfahrungen und Erinnerungen. Zu sehen sind neben Fotos und Plakaten auch Ausrüstungsutensilien, Fallschirme und private Gegenstände der Soldaten.

Plakat Fallschirmjäger-Ausstellung
So wirbt das Museum für die neue Sonderausstellung. Die ist vom 7. Juni 2021 bis Januar 2022 geöffnet. Bildrechte: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Dresden

Quelle: MDR/kk

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