Militärhistorisches Museum Ausstellung in Dresden zeigt Porträts von KZ-Überlebenden

Erst seit wenigen Tagen hat das Militärhistorische Museum in Dresden wieder geöffnet. Nun werden in einer Sonderausstellung mit 80 Zeitzeugen-Porträts die von Deutschland ausgehenden nationalsozialistischen Verbrechen in Erinnerung gerufen. Die Ausstellung beschäftigt sich dabei auch mit der Frage, wie die Überlebenden mit den erlittenen physischen und psychischen Zerstörungen weiterlebten.

Ausstellung KZ Überlebt
Mit 80 Zeitzeugen-Porträts wird im Militärhistorischen Museum in Dresden an den Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion vor 80 Jahren erinnert. Bildrechte: MDR/Stefan Hanke

In der Ausstellung "KZ Überlebt" werden bis Ende Oktober 80 Porträts ehemaliger Häftlinge gezeigt, teilte das Militärhistorische Museum in Dresden. Die Fotografien des Regensburger Künstlers Stefan Hanke sollen dabei auch an den Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni vor 80 Jahren erinnern.

Porträtierte Zeitzeugen

"Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende gibt es immer weniger Menschen, die aus eigener Erfahrung über die Verbrechen des NS-Regimes sprechen können", sagte Kristiane Janeke, wissenschaftliche Leiterin des Militärhistorische Museum. Die Bilder Hankes machten "auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie sehr uns diese Zeitzeugenschaft in Zukunft fehlen wird".

Als "sprechende Bilder" erinnern sie laut Janeke an die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, konfrontieren mit erlittenen Qualen, die sich in die Gesichter eingeschrieben haben und "betonen zugleich ihre Würde und Persönlichkeit".

Überlebende sichtbar machen

Für sein Projekt porträtierte Hanke 121 Menschen aus sieben europäischen Ländern, von denen 80 nun in Dresden zu sehen sind. Die Hälfte der Porträtierten sind Juden, hinzu kommen Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, einstige Kriegsgefangene oder politische Häftlinge sowie Menschen, die die Nationalsozialisten als „Asoziale“ diskriminierten.

Musiker Coco Schumann
Auch der Jazz-Musiker Coco Schumann wurde von Stefan Hanke porträtiert. Bildrechte: IMAGO

Zum Zeitpunkt der Aufnahme waren die Jüngste 70 und der Älteste 105 Jahre alt. Unter den Porträtierten ist auch der bekannte Jazz- und Swing-Gitarrist der Nachkriegszeit, Coco Schumann, der 1924 als Sohn einer jüdischen Mutter in Berlin geboren wurde. Schuhmann wurde 1943 verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Später überlebte er das Konzentrationslager Auschwitz und einen Todesmarsch, ehe er von amerikanischen Soldaten befreit wurde.

Porträts sollen Vergessen verhindern

Hanke fotografierte die Menschen in ihrem Lebensumfeld oder an Orten ihrer Verfolgung und Lagerhaft. Ihm geht es nach eigenen Angaben auch mit Blick auf aktuelle Entwicklungen um das Nicht-Vergessen und die Mahnung, dass sich Geschichte wiederholen kann.

Quelle: MDR/dpa,epd,Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 17. Juni 2021 | 13:30 Uhr

1 Kommentar

hercule vor 5 Wochen

Eine gute Idee gegen das Vergessen 👍

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