Kurioser Gletscherfund Bergsteiger finden 120 Jahre alte Tube aus Pfunds Molkerei Dresden

Von den Tiefen eines Alpengletschers nach Dresden: Das war die Reise einer 120 Jahre alten leeren Kondensmilchtube. Zwei Bergsteiger fanden die Pfunds-Tube und schrieben eine Email nach Dresden. Denn: Hier gibt es die Molkerei "Gebrüder Pfund", die damals europaweit das Monopol auf die Süßmilch in Tuben hatte und heute eine Touristenattraktion ist. Wann die Öffentlichkeit den Sensationsfund zu sehen bekommen wird, ist allerdings noch unklar.

Eine alte Tube auf steinigem Untergrund. Diese stammt von der Firma Molkerei Pfund in Dresden.
So sieht die Tube aus, die die Bergsteiger gefunden haben. Bildrechte: Axel Woitowitz

Eine leere Tube süße Kondensmilch, die von zwei Bergsteigern aus Baden-Württemberg Mitte Juli im Taschachferner-Gletscher in den Ötztaler Alpen gefunden wurde, hat ihren Weg nach Dresden gefunden. Sie ist damit an den Ort zurückgekehrt, an dem sie vor 120 Jahren hergestellt wurde. Das war in der von Paul Gustav Leander Pfund 1880 gegründeten Molkerei. Seit 1997 ist die Molkerei "Gebrüder Pfund" vom Guiness-Buch als "schönster Milchladen der Welt" prämiert und damit kein Museum, sondern ein Spezialitätenladen, der jährlich etwa 400.000 Touristinnen und Touristen anlockt.

Einmaliger Sensationsfund

Der Molkerei-Geschäftsführer Frank Zabel bekam von den Bergsteigern Fotos von der Tube geschickt zur Altersbestimmung: "Als ich die Fotos sah, dachte ich: Das ist ja sensationell. Davon wissen wir heute gar nichts mehr. Zumindest in unseren Unterlagen war davon nichts mehr vorhanden", sagte er im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Der unter Denkmalschutz stehende Verkaufsraum von Pfunds Molkerei in Dresden (Sachsen)
Der Verkaufsraum der Pfunds-Molkerei in Dresden. Bildrechte: dpa

Das Wunder ist diese Auffindung. Dass ein Gletscher, wo manche Sachen für immer verschwinden, nach 120 Jahren diese Tube wieder freigibt, dass jemand sie findet und sich dann noch an Pfund wendet mit der Nachfrage, wie alt sie denn sei, ist völlig einmalig.

Frank Zabel Geschäftsführer Molkerei "Gebrüder Pfund" Dresden

Suche in Pfunds Archiven

Zabel glaubt nicht, dass es von dieser Tubensorte noch ein zweites Exemplar gibt. Um das Alter der Tube zu bestimmen, musste Zabel schließlich Paul Friedrich Pfund, der ebenfalls in Dresden ansässig ist und mit dem er gute Verbindungsn pflegt, kontaktieren. Der Urenkel Pfunds hat in seinem Privatarchiv die Geschäftsbücher durchsucht und fand heraus, dass diese Tubensorte zwischen 1886 und 1918 in Dresden hergestellt wurde.

Nun sollte die Tube schnellstmöglich in die Heimat kommen. Am liebsten wollte Zabel sie haben, um sie in der Molkerei für die Öffentlichkeit auszustellen. Doch dann habe der Pfund-Urenkel die Tube "kühn" an sich genommen und bis jetzt noch nicht wieder herausgerückt.

Sauer bin ich nicht. Aber wir haben uns auf das Wort 'konsterniert' geeinigt. Bei uns wäre die Tube dann in einer Vitrine zusammen mit anderen historischen Sachen ausgestellt. Dazu sagte er: Mal sehen. Also, möglicherweise können wir die Tube mal zeigen.

Frank Zabel Geschäftsführer Molkerei "Gebrüder Pfund" Dresden

Wie die Bergsteiger den Fund erlebten

Die Tube gefunden hatten Axel Woitowitz aus Bad Wildbad und sein Kumpel. Beide sind erfahrene Bergsteiger. Woitowitz sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN, er habe zuerst gar nicht glauben können, was er da fand: "Wir waren den Tag lang auf dem Gletscher. Beim Abstieg am Nachmittag fand ich diese Tube auf dem Boden. Die Tube war komplett eingerollt und die Oberfläche war angerostet." Später dann rollten die beiden die Tube aus, konnten die Schrift entziffern und schrieben eine Email an die Pfund-Molkerei in Dresden. Den Wunsch das Fundstück zu behalten, hatten die beiden Männer nicht. "Es ist schön, dass die Tube wieder in der Heimat ist", sagte Woitowitz weiter.

Was sich noch so in schmelzenden Gletschern findet

Wenn nicht gerade abenteuersuchende Bergsteiger solche Funde machen, dann ist es der Job der Gletscherarchäologen. Die Schweizer Archäologin Regula Gubler hat schon einige spektakuläre Zeugen vergangener Zeiten aus dem schwindenden Eis geborgen.

Man ging davon aus, dass sich die Menschen damals in die Höhe begeben haben, aber man konnte es nicht nachweisen. Jetzt haben wir den Beweis. Die Funde von Schuhen, Hosen und Beuteln geben Auskunft darüber, wie sich die Menschen bewegt haben.

Regula Gubler Archäologin aus Bern

Ein solcher Alltagsgegenstand ist auch die Kondensmilchtube, die möglicherweise von Bergwanderern vor mehr als 100 Jahren als Versüßung für den mitgebrachten Kaffee oder als Energiequelle gedient hat. Üblicher ist es allerdings, dass viel ältere Dinge aus den Gletschern zutage treten. Das bekannteste Beispiel ist die Gletschermumie Ötzi, die 1991 in Südtirol gefunden wurde und aus der Jungsteinzeit stammt.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm: Das Erste | SWR2 Impuls | 02. August 2021 | 16:05 Uhr

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