Interview Wie ist die Lage in Sachsens Krankenhäusern?

Wir dürfen nicht nur auf die Inzidenzwerte schauen - das ist das neue Credo in Diskussionen rund um die Corona-Pandemie. Die Auslastung der Krankenhäuser ist neben den Inzidenzzahlen ein wichtiger Marker. Prof. Michael Albrecht gehört zum medizinischen Vorstand des Dresdner Uniklinikums und hat ein System entwickelt, mit dem prognostiziert werden kann, wie sich die Situation sächsischer Krankenhäuser in den kommenden ein bis zwei Wochen entwickeln wird. Wie ist der aktuelle Stand?

Wie ist die Entwicklung aktuell in den Krankenhäusern?

Prof. Michael Albrecht: Wir sehen seit vier Wochen, dass sich die Anzahl der stationären Patienten reduziert. Wir kommen ja von weit über 3.500 Patienten. Jetzt liegen wir in Sachsen unter 1.300, auch unter 1.000 an einzelnen Tagen. Das bedeutet, wir sehen einen Rückgang.

Die Intensivpatienten liegen länger. Das bedeutet, dass der Rückgang deutlich langsamer geht. Da haben wir in den Krankenhäusern immer noch ziemlich hohe Auslastungen.

Die Auslastung der Krankenhäuser geht zurück, obwohl die Infekionszahlen relativ stabil sind. Ist das zum Teil darauf zurückzuführen, dass einige Menschen in der Risikogruppe bereits geimpft wurden?

Da kann man spekulieren. Das muss ja irgendwo eine Wirkung haben. In der Höchstzahl im Dezember waren viele Patienten aus den gefährdeten Gruppen wie Alten- und Pflegeheimen. Wenn da Ausbrüche waren, gab es massive Patientenzahlen zu verzeichnen. Nachdem dort die Impfungen ganz gut laufen, kann man davon ausgehen, dass die Patientenzahlen aus diesen Heimen abnehmen.

Wie groß ist das Risiko für die jüngere Bevölkerung schwer zu erkranken?

Wir haben auch in der Hochzeit im November, Dezember und kurz vor Weihnachten sehen müssen, dass auch relativ viele jüngere Patienten auf den Intensivstationen lagen. Unser Durchschnittsalter der Patienten auf Corona-Stationen lag um die 60 Jahre. Das bedeutet, es gibt durchaus auch jüngere Patienten, die schwere Verläufe haben. Wobei das naturgemäß deutlich weniger sind, als in der hochgefährdeten, betagten Altersgruppe.

Michael Albrecht, 2014
Im Gepräch bei MDR SACHSEN: Prof. Michael Albrecht vom Universitätsklinikum Dresden. Bildrechte: imago images / Sven Ellger

Wie schätzen Sie die Infektionslage im Moment ein?

Ich denke, wir werden einen Wiederanstieg der Patientenzahlen sehen. Ich bin persönlich aber durchaus optimistisch, dass wir nicht dorthin kommen, wo wir im im November und Dezember waren - speziell hier in Sachsen. Durch die Impfungen und - wenn wir das vernünftig machen mit den Corona-Tests - werden die Infektionszahlen nicht in der gleichen Art und Weise explodieren.

Ich glaube nicht, dass wir eine dritte Welle in dem Ausmaß der Dezemberentwicklung sehen werden.

Prof. Michael Albrecht Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden

Quelle: MDR/ep/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.03.2021 | 05:00 - 10:00 Uhr

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