Spontane Impfstoffzusage 36.000 Impftermine freigeschaltet - viele gehen dennoch leer aus

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat am Freitag nicht wie angekündigt 5.000, sondern weit mehr als 30.000 Termine in das sächsische Impfportal eingestellt. Trotz des Ansturms lief das System laut DRK stabil, Wartezeiten mussen dennoch eingeplant werden. Viele Nutzer berichten entnervt davon, auch nach Stunden keinen Erfolg zu haben. Nach vier Stunden waren alle Termine weg. Erstmals wird in Sachsen auch Johnson & Johnson verimpft.

Zahlreiche Menschen stehen vor dem Impfzentrum Sachsen in der Messe Dresden
Zahlreiche Menschen stehen Anfang des Jahres vor dem Impfzentrum Sachsen in der Messe Dresden. Das Interesse an Impfterminen ist weiter groß. Bildrechte: dpa

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat am Freitag nicht wie angekündigt 5.000, sondern 36.000 Impftermine eingestellt. Darüber informierte DRK-Sprecher Kai Kranich auf Anfrage von MDR SACHSEN. Grund sei eine spontane Impfstoffzusage des Herstellers Johnson & Johnson sowie eine geänderte Regelung des Sozialministeriums für den Impfstoff von Moderna. "Wir müssen nicht mehr die Hälfte, sondern nur noch zehn Prozent der Moderna-Impfstoffdosen für die Zweitimpfung zurückhalten", sagte Kranich. Eine entsprechende Info des Sozialministeriums sei am Donnerstagabend eingetroffen. "Damit können wir mehr Ersttermine vergeben."

Spontane Impfstoffzusage von Johnson & Johnson

Ein zweiter Grund liegt laut DRK-Sprecher in einer spontanen Impfstoffzusage von 20.000 Impfstoffdosen von Johnson & Johnson. "Mit diesem Impfstoff können wir komplett in Gemeinschafts- und Asylunterkünften sowie Obdachlose impfen", sagte Kranich. Die dadurch freiwerdenden Impfdosen könnten nun zur individuellen Impfterminvergabe im Portal genutzt werden.

Eine Mitarbeiterin im Städtischen Klinikum Dresden hält im Impfzentrum für Mitarbeiter ein Injektionsfläschchen mit dem Impfstoff gegen Corona in den Händen.
In Sachsen wird mit Biontech, Moderna, Johnson & Johnson sowie Astrazeneca geimpft. Bildrechte: dpa

Impfportal Sachsen nur schwer erreichbar

Wegen des Ansturms auf die Impftermine war das Impfportal am Freitagvormittag nur schwer erreichbar. "Das Portal läuft stabil, es ist zu keiner Zeit zusammengebrochen", erklärte DRK-Sprecher Kranich kurz nach Start der Terminvergabe um 8 Uhr und bat um Geduld. Nach vier Stunden waren dann allerdings alle Termine vergeben.

Probleme habe es bei dem Serviceanbieter "Countee" gegeben, dort seien die freien Impftermine nur verzögert aktualisiert worden. "Wir bitten um Geduld im Portal", sagte Kranich. "Ich sitze selbst davor, um einen Termin zu bekommen." MDR SACHSEN hatte von zahlreichen Nutzern die Informationen erhalten, auch nach Stunden gar nicht zur Terminvergabe vorgedrungen zu sein. Nun müssen sie nächste Woche versuchen, einen der begehrten Termine zu ergattern.

18.000 Impfungen täglich in Sachsens Impfzentren

Laut DRK können derzeit in Sachsens 13 Impfzentren mit den beiden Außenstellen täglich bis zu 18.000 Menschen geimpft werden. Zu Beginn der Impfungen seien es noch 13.000 Impfungen am Tag gewesen. "Wir haben Abläufe optimiert und Kapazitäten erweitert", erklärte der Sprecher.

Impfzentren werden Ansturm allein nicht bewältigen

Kranich dämpfte aber gleichzeitig die Erwartungen. "Jetzt sind so viele Menschen impfberechtigt, dass können wir mit den 13 Impfzentren allein nicht schaffen." Deswegen sei es umso wichtig, dass die Haus- und auch Fachärzte jetzt in die Impfstrategie eingebunden würden. "Wir arbeiten mit unseren Impfzentren dennoch mit Hochdruck daran, bald überflüssig zu werden."

Impfportal 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR AKTUELL Di 27.04.2021 06:20Uhr 03:09 min

Audio herunterladen [MP3 | 2,9 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 5,8 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/hoerer-programm/probleme-beim-buchen-von-impfterminen-sachsen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 07. Mai 2021 | 19:00 Uhr

46 Kommentare

Reuter4774 vor 5 Wochen

Das geht uns allen so?!?
Priogrupoen bekommen beim Hausarzt auf jeden Fall die Impfung! Und sonst hilft vielleicht weniger blinde Panik, sie überleben es problemlos, wie 99% der restlichen Menschheit, nach draußen zu gehen. Und ich, weiblich, im " gefährlichen " Alter mit Thromboseerkrankungen bin mit Astra geimpft und wähle das auch beim 2. Mal. Manchmal liegt es vielleicht nicht nur an den Anderen, sondern auch an einem selbst???

Reuter4774 vor 5 Wochen

Nicht nur das und auch anständig ausgedrückt. Den meisten ist nicht klar, das auch Staatskassen ( wie privat) nicht unendlich sind? Das Insolvenzrecht wurde nicht mehr ausgesetzt ( und das im Wahljahr nur 4 Monate bis September noch), Krankenkassen müssen Rücklagen in Millionenhöhe abgeben ( AOK klagt gerade dagegen), Unterstützungsfonds sind erstmal nicht mehr abrufbar frühestens ab September... Bei aller Wertigkeit JEDES Menschenlebens, was glaubt ihr denn wer das zahlt? Deshalb ist die Verhältnismässigkeit so wichtig und hat nichts mit aussortieren zu tun! Vielleicht kommt das erst an wenn wir auch amerikanische Verhältnisse kriegen, Krankenversicherubg ist Privatsache und wer keine hat/ nicht zahlen kann kriegt halt keine Behandlung. Vorsicht ist gut, Angst aber ein schlechter Ratgeber und irrational.

Reuter4774 vor 5 Wochen

Es gibt, neben Impfzentren, viele Möglichkeiten, Impfbusse, anderweitig von der Gemeinde/ Stadt organisierte Impftermine, viele Pflegedienste/ Tagesstätten für Senioren organisieren Impfungen, teilweise haben schon Wohnungsgenossenschaften für ihre älteren Mieter Impftermine in ihren Räumlichkeiten angeboten... Und ich wohne nicht in einer Großstadt, selbst hier in der ( etwas abgelegenen) Kleinstadt impft fast jeder Hausarzt, ich halte aber auch Augen und Ohren offen dann ist eine Impfung für Prio Gruppen nicht gänzlich unmöglich!

Mehr aus Dresden und Radebeul

Ein Dampfschiff auf einem Fluss. Im Hintergrund ein bewaldeter Hügel.  1 min
Die Weiße Flotte in Dresden ist wieder mit ihren Ausflugsdampfern auf der Elbe unterwegs. Bildrechte: MDR

Die Weiße Flotte in Dresden ist wieder mit ihren Ausflugsdampfern auf der Elbe unterwegs. Vorerst verkehren die Schiffe nach einem reduzierten Sonderfahrplan. Der reguläre Fahrplan soll wieder ab Mitte Juli gelten.

16.06.2021 | 17:19 Uhr

Mi 16.06.2021 15:24Uhr 00:58 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/video-527912.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr aus Sachsen