"Dresden Offline-Vernetzung" Anschlagspläne: Dresdner Telegramgruppe kooperierte mit US-Neonazi-Netzwerk

Im Dezember sorgte ein Beitrag des ZDF-Magazins "Frontal" für Aufsehen: Die Journalisten veröffentlichten Chats und Aufnahmen einer Dresdner Telegramgruppe. Darin planten Mitglieder unter anderem den Mord an Ministerpräsident Michael Kretschmer. Nun wurden weitere Details und Chats veröffentlicht.

Polizisten führen bei einer Razzia im Stadtteil Pieschen einen Tatverdächtigen aus einem Hauseingang. Nach Drohungen gegen Sachsens Ministerpräsidenten Kretschmer auf Telegram durchsucht die Polizei in Dresden mehrere Objekte.
Mehrere Mitglieder der Gruppe wurden im Dezember in Dresden festgenommen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

In der radikalen Telegramgruppe "Dresden Offline-Vernetzung" wurden offenbar Anleitungen für Terroranschläge sowie zur Beschaffung von Munition und Sprengstoff geteilt. Dafür kooperierte die Dresdner Gruppe mit dem US-Neonazi-Netzwerk "MZWNews", wie aus einem neuen Beitrag des ZDF-Magazins "Frontal" hervorgeht.

Kooperation mit Holocaustleugner

Den ZDF-Recherchen zufolge belegen bisher unveröffentlichte Audiochats und Screenshots den Kontakt der Gruppe mit "MZWNews". Das Portal wird vom Holocaustleugner John de Nugent betrieben und verbreitet rechtsradikale Verschwörungstheorien sowie antisemitische Bilder und Texte.

Das Netzwerk um de Nugent habe deutsche Telegram-Nutzer dazu aufgefordert, militante Widerstandszellen zu gründen. In einem der Chats heißt es demnach: "Bildet Kleingruppen von maximal 15 Leuten und fangt an effektiv aufzuräumen." Laut "Frontal" bildeten sich daraufhin mehr als zehn weitere sogenannte Offline-Gruppen in ganz Deutschland.

Gestellte Aufnahme zum Thema Mobbing in sozialen Netzwerken. Neben dem Gefällt mir Button von Facebook sind die Worte Du Opfer zu sehen. 48 min
Bildrechte: imago images/photothek

Zielvorrichtung für Waffe besorgt

In weiteren, vom ZDF ungeschnitten veröffentlichten Aufnahmen, ist zu hören, dass der Wortführer der Gruppe aus Dresden, Daniel G., ankündigte, er wolle auf seine Waffe nachträglich eine Zielvorrichtung montieren lassen. G. befürchtete, dass ein Impf-Team vor seiner Tür auftauchen könnte. Dann wolle er mit seinem Gewehr oder einer Armbrust durch die Wohnungstür schießen. G. wurde Mitte Dezember im Zuge einer Razzia festgenommen. Der Anwalt des Beschuldigten teilte nach Angaben von "Frontal" mit, keiner habe "jemals ernsthaft eine mögliche Straftat vorbereitet oder auch nur in Betracht gezogen."

Razzien im Dezember

Nach Bekanntwerden von Mordplänen gegen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in der Telegram-Gruppe hatten Spezialeinsatzkräfte von Polizei und Landeskriminalamt (LKA) am 15. Dezember mehrere Wohnungen in Dresden durchsucht. Dabei stellten die Beamten zahlreiche Beweismittel sicher, darunter Armbrüste, Waffen und Waffenteile.

Die Generalsstaatsanwaltschaft Dresden teilte mit, dass die Ermittlungen gegen sieben Tatverdächtige andauerten. Ihnen werde die gemeinschaftliche Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Allerdings gebe es bislang keinen Haftgrund - Fluchtgefahr bestehe nicht.

Quelle: MDR (bj)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 11. Januar 2022 | 20:00 Uhr

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