Corona-Pandemie Österreichischer Investor rettet Hotel in Dresden

Der Tourismus in Sachsen liegt derzeit wegen der Corona-Pandemie nahezu brach. Die meisten Hotels und Pensionen dürfen keine Übernachtungen anbieten. Das bringt die Unternehmen immer mehr an ihre finanziellen Grenzen. Betroffen ist auch das "Vienna House" am Neumarkt in Dresden. Nun hat ein Investor das Hotel aufgekauft und will ein neues Konzept entwickeln.

Vienna House Dresden
Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Acht Geschäftsreisende muss Jasmel Dhaliwal heute einchecken. Im Normalbetrieb sind es mehr als 40. Gut, findet der Auszubildende des Vienna House am Neumarkt in Dresden. "Es ist stressfrei", erzählt Dhaliwal. "Man hat genug Zeit und muss sich keine Panik machen. Sonst stehen zehn Gäste an." Und so bleibt genügend Zeit, um alle eintreffenden Mails und Anrufe zu beantworten. Das seien derzeit Einige. "Heute war eine Anfrage, wie viel denn die Nacht an dem und dem Tag kostet. Es gibt viele, die für März buchen wollen - aber auch viele, die lieber sagen: 'Ich melde mich nach dem Lockdown nochmal.'"

Jasmel Dhaliwal ist im 3. Lehrjahr und arbeitet derzeit an der Rezeption. Gerade hat er zwar mehr Zeit für die Gäste, wünscht sich aber auch die Rückkehr zur Normalität.
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Ostern macht Hoteliers Hoffnung

Seit einigen Tagen kommen immer mehr Anfragen rein. Das macht Hoffnung, meint Hotelmanagerin Miriam Griebe. Die Grundlagen für eine erneute Hotelöffnung seien schon im vergangenen Jahr geschaffen worden. Das Hotel verfügt über ein Hygienekonzept, die Desinfektionsmittelspender sind aufgefüllt und auch die Tische im Restaurant stehen schon am richtigen Platz. Die 28 Mitarbeiter warten nur darauf, dass sie endlich wieder arbeiten können. Viele kommen mit dem Kurzarbeitergeld gerade so über die Runden, meint Griebe.

Freie eichefarbene Holztische mit leeren weißen Stühlen in einem großen Raum
Das hoteleigene Restaurant ist betriebsbereit. Tische und Stühle stehen an ihrem Platz und wurden bereits geputzt. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Umsatzeinbruch um 80 Prozent

Bereits im ersten Lockdown sank der Umsatz des Hotels um rund 80 Prozent. Der Großteil der laufenden Kosten konnte zwar eingespart werden, die Pacht für das Gebäude direkt am Neumarkt musste aber weiterhin gezahlt werden. "Die Pacht macht rund ein Viertel der Ausgaben aus", erzählt Miriam Griebe. Mit dem erneuten Lockdown im November des vergangenen Jahres kamen immer mehr Fragen auf, ob und wie der Betrieb weitergehen kann.

Wie problematisch die Situation im Dresdner Hotel ist, bemerkte auch die österreichische Hotelkette. Doch es fand sich ein Investor. Seit dem ersten Februar ist der Betrieb - zusammen mit drei anderen Häusern in Leipzig, Wismar und Berlin - im Besitz der Kerbler Privatstiftung. Nun soll es mit neuem Konzept und Namen weitergehen. Auch die Motivation im Team sei nun wieder spürbar.

Frau mit einem braunen Oberteil steht lächelnd hinter einem Coputer-Bildschirm
Miriam Griebe leitet das Vienna House Dresden. Mit einem neuen Investor und einem neuen Namen soll das Hotel umgestaltet werden. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Hotelmanagerin sieht "Chance"

"Ich sehe es als Chance, nicht als Niederlage - sondern als Chance etwas Neues zu beginnen", so Griebe. Wie das neue Konzept aussehen soll wird derzeit noch erarbeitet. Ein erstes Treffen mit dem österreichischen Investor gab es aber bereits. Für Miriam Griebe steht fest, dass der Gast etwas geboten bekommen muss. Eine einfache Übernachtung reiche nicht mehr aus.

Hotels in der Krise

Mit dem neuen Eigentümer ist dem Dresdner Hotel eventuell ein Glücksgriff gelungen, der auch auf die zentrale Lage am Neumarkt zurückzuführen sein könnte. Insgesamt sei die Branchenlage aber dramatisch, warnte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband schon im Januar. Bei einer Umfrage gaben 75,5 Prozent der etwa 12.000 befragten Betriebe an, angesichts der Beschränkungen um ihre Existenz zu bangen. Jeder vierte Unternehmer zieht sogar die Schließung in Erwägung.

Ein Waschbecken im Vordergrund mit Seife, im Hintergrund Spiegel
Das "Vienna House" Dresden bereitet sich auf eine baldige Öffnung für Touristen vor. Laut Dehoga sei das die Hoffnung vieler Betriebe. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Es wird Schließungen und Insolvenzen geben. Die größten Probleme sind die späten Auszahlungen der Gelder und die Planungsunsicherheit.

Axel Klein Hauptgeschäftsführer Dehoga Sachsen e.V.

Wie viele Hotels in Sachsen genau um ihre Existenz bangen und wie viele kurz vor der Insolvenz stehen, dazu konnte der Dehoga Landesverband auf Nachfrage aber keine Aussagen treffen.

Quelle: MDR/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.02.2021 | 06:50 Uhr in Guten Morgen Sachsen

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