Hintergrund Warum sind 1.300 Corona-Patienten auf Normalstationen die Höchstgrenze?

Sachsen hat in seiner Corona-Schutzverordnung festgelegt, dass es härtere Maßnahmen gibt, wenn mehr als 1.300 Corona-Patienten in Krankenhausbetten auf Normalstationen liegen. Zuletzt waren 1.094 Betten belegt (Stand: 7. April). Aber warum bezieht sich der Grenzwert 1.300 auf eine Bettenzahl auf Normalstationen?

Eine Patientin in einem Krankenbett, neben ihr ein Nachttisch mit einem Wasserglas und einem Medikamentenbecher
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Auslastung der Normalstationen zeigt Trends für ITS

"Die Festschreibung der 'maximalen Bettenkapazität' von 1.300 mit Covid-19-Patienten belegten Betten auf der Normalstation erfolgte zusammen mit Prof. Dr. Albrecht vom Universitätsklinikum Dresden", sagt das Sächsische Sozialministerium. Der Wert stelle einen Frühwarnmechanismus dar, weil die Belegung auf der Normalstation eine Prognose der zu erwartenden Kapazitäten für Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen erlaube.

Zahl 1.300 kein Zufall

"Die Lage auf den Normalstationen der Krankenhäuser ist ein Gradmesser für die künftige Auslastung der Intensivstationen", erklärt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden. "Die Grenze von 1.300 Betten gibt uns erstmals die Möglichkeit, die Maßnahmen zur Einschränkung der Pandemie an der Auslastung der Kliniken auszurichten."

Michael Albrecht
Mediziner Prof. Dr. Michael Albrecht hat die Erfahrungen der zweiten Corona-Welle im Dezember 2020 ausgewertet. Bildrechte: imago/Sven Ellger

Die Bettenzahl 1.300 sei nicht zufällig zustande gekommen. Sie basiere auf Sachsens Erfahrungen und dem Vorhersagetool des Dresdner Uniklinikums namens Dispense. "Wir wissen, dass mit steigenden Inzidenzen die Zahl der Patienten in den Kliniken in gewissem Zeitabstand steigt", sagt Albrecht und verweist auf den Dezember 2020. "Wir hatten knapp 3.600 Patienten in den sächsischen Kliniken, die dadurch teils überlastet waren. Damals mussten wir Patienten aus Sachsen in andere Bundesländer bringen.

1.300 ist nun der Grenzwert, bei dem die Ampel von gelb auf rot springt. Dann müssen wir handeln.

Prof. Dr. Michael Albrecht Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden

Oder mit Worten des Sozialministeriums: "Die Zahl von 1.300 Betten bildet ein Drittel der am Höhepunkt der zweiten Welle im Dezember mit entsprechenden Patienten belegten Normalkapazitäten ab."

Was hat es mit den Krankenhaus-Clustern auf sich? - Das Sozialministerium hat für die Verteilung von Covid-19-Patienten drei Cluster gebildet, die regionalen Zuständigkeitsbereichen entsprechen und pro Cluster eine Krankenhausleitstelle eingerichtet: am Klinikum Chemnitz, am Uniklinikum Leipzig und am Uniklinikum Dresden. Die überwachen die Kapazitäten der Krankenhäuser ihrer Regionen.

- Wenn Überlastung droht, stockt zuerst das betreffende Krankenhaus selbst seine Kapazitäten auf. Danach verteilt die Krankenhausleitstelle neue Patienten auf andere Krankenhäuser innerhalb des jeweiligen Clusters.

- Zum Cluster Dresden/Ostsachsen zählen 36 Kliniken. Zum Cluster Leipzig/Nordsachsen gehören 18 Kliniken. Das Cluster Chemnitz/Westsachsen koordiniert 29 Krankenhäuser.

RKI-Reporte gelten als Grundlage - trotz statistischer Schwankungen

"Als Grundlage fürs Infektionsgeschehen bezieht sich Sachsen auf den tagesaktuellen Report des RKI (7-Tage-Inzidenz von mehr als 100)", informiert das Sozialministerium. Die Bundesländer hätten sich darauf verständigt, "die tagesaktuellen Zahlen des RKI zur gemeinsamen Grundlage ihrer Entscheidungen zu machen, da diese zugleich ein aktuelles, als auch vergleichbares Bild über das Infektionsgeschehen erlauben". Das gelte unabhängig aller statistischen Herausforderungen, die sich durch Meldeketten, Nachmeldungen, Korrekturen etc. ergeben.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.04.2021 | 19:00 Uhr

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