Dampfschiffe Unter Schweizer Flagge: Weiße Flotte will aus der Krise schippern

Die Sächsische Dampfschiffahrt musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden. Im Sommer fand sich ein Schweizer Investor, der das Unternehmen in sicheres Fahrwasser steuern will. Mit neuen Ideen auf bewährten Routen soll es in die Zukunft gehen. Doch die Corona-Krise setzt den Dampfern weiter zu und verhindert einen reibungslosen Betrieb.

Das hatte sich der neue Eigentümer Robert Straubhaar im vergangenen Jahr noch anders vorgestellt. Mit Volldampf wollte der Schweizer Unternehmer die "Weiße Flotte Sachsen", wie die älteste und größte Dampfschifffahrtsgesellschaft der Welt nun heißt, in die neue Saison starten. Jetzt geht es zunächst zaghaft los: mit Linienfahrten im Nahverkehr.

Interview mit Robert Staubhaar von der Weißen Flotte
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist ein Lebenszeichen. In dieser schwierigen Zeit vor allem für die Mitarbeitenden. Es gibt uns noch, es ist kein Geschäft, aber wir sind einfach da.

Robert Straubhaar Eigentümer Weiße Flotte Sachsen GmbH

Neues wagen – Bewährtes belassen

Die Klassiker soll es nach der Übernahme weiterhin geben: Stadtfahrten, Schlösserfahrten, Canalettofahrt. Nach zehn Jahren erstmals wieder im Programm: regelmäßige Fahrten im Linienverkehr von Königstein nach Děčín. Insgesamt soll mehr gefahren werden. Dabei gibt es drei Fahrpläne – mit Rücksicht auf die schwankenden Pegel der Elbe. Natürlich werde man mit Niedrigwasser umgehen müssen, so Straubhaar. Er wolle diese Herausforderung annehmen.

Je tiefer der Wasserstand, umso weniger können wir fahren, am Schluss fahren wir nur noch um’s Haus herum.

Robert Straubhaar Eigentümer Weiße Flotte Sachsen GmbH

Sollte der Wasserstand der Elbe keine Ausflugsfahrten zulassen, sei der Plan, die Gäste dennoch am Dresdner Terrassenufer zu empfangen. Für Veranstaltungen wie Krimidinner oder Besuche von Spitzenköchen an Bord müssten die wunderschönen Dampfer nicht zwingend fahren. Insgesamt sei das Gastronomieprodukt etwas "outdated". Es sei bislang, formuliert der neue Eigentümer vorsichtig, kein "Hauptanziehungspunkt" gewesen, um an Bord zu gehen. Das soll sich in dieser Saison ändern.

Auf einem Teller liegen zwei Wiener Würstchen und etwas Kartoffelsalat
Passagiere sollen auf den Dampfern der weißen Flotte künftig andere Spezialitäten als Wiener Würstchen und sächsischen Kartoffelsalat serviert bekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gespräche mit Anrainern im Elbtal

Um langfristig erfolgreich zu sein, will Straubhaar auch die Menschen und Kommunen entlang der Elbe mit in sein Konzept der Dampfschifffahrt einbinden. "Wir leben in dieser Region und die Region lebt davon, dass wir mit unseren Schiffen dort auch präsent sind", sagt Straubhaar. Er wolle aktiv den Weg zu den Orten suchen und gemeinsam Konzepte entwickeln, um künftig mit seinen Schiffen dort anlegen zu können. So stehe Prossen in der Sächsischen Schweiz nach einem Aus im vergangenen Jahr zur Freude der Anwohner wieder im Fahrplan der Dampferflotte, freut sich der Schweizer.

Die schweizer Flagge - weißes Kreuz auf rotem Grund - weht an einem Fahnenmast
Von der schweizer Expertise in Sachen Flussschifffahrt sollen auch die sächsischen Dampfer profitieren - sobald sie wieder uneingeschränkt fahren dürfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Pandemie trifft Schifffahrt mit voller Wucht

Als Konzernchef der United Rivers AG mit Sitz in Basel hat Straubhaar nicht nur die Dresdner Raddampferflotte im Blick. Das Unternehmen ist auf das Management von Passagierschiffen spezialisiert, besonders Flusskreuzfahrten. Über 100 Schiffe sind dafür nach seinen Angaben im Einsatz und rund 3.000 Mitarbeiter. Wie lange lässt sich diese Durststrecke noch durchstehen?

Wir haben einen Plan, der zeigt, dass wir bis 2022 durchhalten mit allem Drum und Dran. Aber klar, es ist sehr eng. Wir holen die letzten Reserven aus unseren Schubladen, wir arbeiten eng zusammen mit Bund und Land und unseren Hausbanken.

Robert Straubhaar Eigentümer Weiße Flotte Sachsen GmbH

Im Juni 2020 hatte die Sächsische Dampfschiffahrt Insolvenz anmelden müssen. Mehrere Jahre in Folge Niedrigwasser, schließlich Corona, waren zu viel für das Unternehmen. Fast 185 Jahre Industriegeschichte standen vor dem Aus. Die Insolvenz ist mittlerweile überstanden. Von den damals 200 Mitarbeitern sind noch 132 an Bord. Nun müsse "nur" noch die Corona-Pandemie endlich vorbei sein, schätzt Straubhaar die Lage ein.

Raddampfer "Leipzig"  an der Anlegestelle Pillnitz
Der Raddampfer "Leipzig" an der Anlegestelle Pillnitz. Bildrechte: MDR/Kerstin Holl

Dampferfahrten im ÖPNV

Mitte April startete der erste historische Raddampfer in diesem Jahr in Richtung Pillnitz - als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs. Es war der erste Dampfer in ganz Europa.

Wann es endlich wieder für alle Schiffe "Leinen los" heißt, weiß niemand. Auf die Frage, ob Straubhaar die Sächsische Dampfschiffahrt gekauft hätte, wissend, was auf ihn zukommt, lautet seine Antwort: "Ja, wir hätten."

Anmerkung der Redaktion In einer früheren Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass Tagesausflüge von Königstein nach Děčín nach zehn Jahren erstmals wieder im Programm der Fahrten stehen. Richtig muss es heißen, dass diese Fahrten in Form von regelmäßigen Linienfahrten nun wieder Teil des Fahrplans sein werden. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt – Die Story | 28. April 2021 | 20:45 Uhr

12 Kommentare

KalterBrunnen vor 24 Wochen

Ihre Antwort zeugt von absoluter Unkenntnis: 1. Die Staustufen an der Vltava, Orlik, Slapy usw. sind Trinkwassertalsperren für die Region Mittelböhmen mit der Hauptstadt Prag. 2. Der Rückgang des Pegel in der Vltava und Labe hängt stark mit dem Einstellen der Kohleförderung in Böhmen zusammen.

KalterBrunnen vor 24 Wochen

Ihre Antwort zeugt von absoluter Unkenntnis: 1. Die Staustufen an der Vltava (Moldau) sind Trinkwassertalsperren für die region Mittelböhmen mit der Hauptstadt Prag. 2. Der Rückgang des Pegel in der Vltava und Labe hängt stark mit dem Einstellen der Kohleförderung in Böhmen zusammen.

Dreibeiner vor 24 Wochen

boa historisches Wahrzeichen zur Würstchenbude degradiert - war vllt. DDR Niveau und sollte nach >30 Jahren überwunden sein - hoffe auf Sternekoch und exklusive Leckereien für die sich Weg lohnt und an die sich gern erinnert wird

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