Kundgebung Luftbrücke für Afghanistan gefordert - Hunderte Demonstranten in Dresden

In Afghanistan herrscht Chaos, Menschen fliehen vor den Taliban und wollen überleben. Die Bilder gehen um die Welt. Hunderte Menschen haben schon für die Rettung von Afghanen demonstriert - am Montagabend auch in Dresden. Aktivisten verschiedener Vereine verlangen, dass auch Dresden Geflüchtete aufnimmt und sich stärker einsetzt. Der Deutsche Städtetag signalisierte derweil Hilfe. Er sieht das als Verpflichtung an, verlangt aber von Bund und Ländern konkrete Zahlen, um sich vorbereiten zu können.

Eine Teilnehmerin einer Kundgebung der Organisation "Seebrücke" gemeinsam mit dem sächsischen Flüchtlingsrat und der afghanischen Gemeinschaft unter dem Motto "Luftbrücke jetzt!" hat sich die afghanischen Farben in Form der Umrisse des Landes um ihr Auge gemalt und demonstriert auf dem Altmarkt für eine Luftbrücke und ein Bleiberecht für bedrohte Menschen aus Afghanistan.
In Dresden haben am Montag zahlreiche Menschen die schnelle Rettung von Afghanen gefordert, die vor den Taliban fliehen. Bildrechte: dpa

In Dresden haben am Montagabend mehrere hundert Menschen sichere Fluchtwege aus Afghanistan gefordert. Zu der Kundgebung auf dem Altmarkt hatten die Organisationen Seebrücke Dresden, der Sächsische Flüchtlingsrat und der Dresdner Verein Afghanistan aufgerufen. Sie fordern von der Bundesregierung eine Luftbrücke und vom Land Sachsen ein Aufnahmeprogramm. Dieses soll nicht nur Ortskräften und ihren Familien Schutz bieten, sondern auch von den Taliban verfolgten Menschenrechtsaktivisten.

Mehrere Menschen stehen mit Plakaten und Fahnen auf einem Platz
Zu der Kundgebung waren vor allem viele in Dresden lebende Afghanen gekommen. Bildrechte: MDR/xcitePRESS

Anlass sind die sich überschlagenden Ereignisse in Afghanistan, die Verfolgung von Ortskräften, die für internationale Streitkräfte und Organsiatinen in den vergangene Jahren tätig waren und die Bedrohung von Menschenrechtlern, die für zivile Einrichtungen gearbeitet haben. Die Bundeswehr hat bislang 3.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen (Stand: 23. August). "Gemeinsam fordern wir Aufnahmeprogramme für alle diese Menschen, sichere und legale Fluchtwege für alle Menschen, die vor den Taliban fliehen müssen sowie eine Aufenthaltssicherung für die Menschen aus Afghanistan, die bereits in Deutschland leben", sagte die Seebrücke-Aktivistin Elsia Schmidtke.

Mehrere Menschen stehen mit Plakaten und Fahnen auf einem Platz
Diese Frauen halten ein Bild mit der afghanischen Flagge in der Hand, die die Taliban in der vergangenen Woche für ungültig erklärten. Bildrechte: MDR/xcitePRESS

Leipzig einzige sächsische Stadt bei Bündnis "Sicherer Hafen"

Schmidtke forderte die Stadt Dresden auf, dem Bündnis "Sichere Häfen" beizutreten. "Platz und die Möglichkeiten" dafür seien vorhanden. Die Internationale Bewegung Seebrücke hat bundesweit die Aktion "Sichere Häfen" initiiert, der sich bislang 267 Kommunen angeschlossen haben. In Sachsen hat sich als einzige Stadt Leipzig dazu bekannt, "geflüchtete Menschen willkommen zu heißen und mehr Menschen aufzunehmen" als es der Verteilungsschlüssel vorsieht, wie es in der gemeinsamen Erklärung heißt.

Städte verlangen vom Bund konkrete Zahlen

Unterdessen haben die Städte den Bund und die Länder aufgefordert, ihnen schnell konkrete und verlässliche Angaben über die Zahl der zu erwartenden Flüchtlinge aus Afghanistan zu machen. "Ja, wir wollen helfen, das ist unsere Verpflichtung", sagte Städtetagspräsident und Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung (SPD) der Zeitung Rheinische Post. Nötig sei "eine konkrete verlässliche Aussage von Bund und Ländern zu den mit ziemlicher Sicherheit kommenden Flüchtlingen aus Afghanistan", betonte Jung.

Burkhard Jung (SPD)
Bildrechte: SPD Leipzig

Wir sollten uns vorbereiten, dass es viele werden könnten. Dafür müssen die Länder ausreichend Reservekapazitäten in ihren Erstaufnahmeeinrichtungen reaktivieren oder zusätzliche neu schaffen.

Burkhard Jung Präsident des Deutschen Städtetages

Hilfsbereitschaft groß - Geld von Bund und Ländern nötig

Am Ende seien es die Städte, die Quartiere bereitstellten, Sprach- und Integrationskurse organisierten und die Menschen unterstützen. "Nur so wird auch die Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung gelingen", meinte der Städtetagspräsident. Im Wesentlichen müsste das durch Bund und Länder bezahlt werden. Jung sieht bei den Kommunen "große Hilfsbereitschaft, die Geflüchteten aus Afghanistan aufzunehmen und ihnen ein gutes Ankommen zu ermöglichen".

Bischof Bilz diskutiert in Radebeul Afghanistan-Einsatz

Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan steht am Freitag auch im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung in Radebeul. Zu der Veranstaltung in der Friedenskirche werden unter anderem der sächsische evangelische Landesbischof Tobias Bilz und Matthias Bellmann vom Ökumenischen Informationszentrum sowie Jean Lacroix, Oberst der Bundeswehr a. D., und der Journalist Andreas Zumach erwartet, wie der Verein Radebeuler Couragepreis als Veranstalter am Montag mitteilte.

Der Verein erinnert jährlich an den Waffenstillstandsvertrag, der am 27. August 1645 im Pfarrhaus von Kötzschenbroda unterzeichnet wurde. Er ging dem Westfälischen Frieden voraus, durch den 1648 der 30-jährige Krieg beendet wurde.

Der Friedensbeauftragte der sächischen Landeskirche, Pfarrer Martin Zimmermann, spricht am Donnerstag in der Dresdner Frauenkirche über seine Arbeit und über "die evangelische Kirche auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens". Nach langer coronabedingter Zwangspause starte damit das Donnerstagsforum der Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden wieder in der Unterkirche, wie der Verein am Montag miteilte.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 23. August 2021 | 14:00 Uhr

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