Aktion "Wald statt Asphalt" Fahrraddemo gegen den Ausbau der A4 in Dresden

Im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages des Bündnisses "Wald statt Asphalt" haben Radfahrer in mehr als 70 deutschen Städten gegen den Neu- und Ausbau von Autobahnen protestiert. Auch in Dresden sind dem Aufruf hunderte Menschen gefolgt. Ziel war die Autobahn 4.

Fahrradkorso in Dresden - zahlreiche Menschen fahren mit ihrem Fahrrad auf einer großen Straße. An einem Fahrrad hängt eine Regenbogenfahne
Hunderte Menschen haben sich an dem Fahrradkorso beteiligt. Bildrechte: xcitePRESS

Sonntagmittag, 13:30 Uhr: Der Schlesische Platz vor dem Dresdner Bahnhof Neustadt füllt sich zusehends mit Menschen. 600 Radfahrer und Radfahrerinnen folgen eigenen Angaben zufolge dem Aufruf der Umwelt-Initiativen Fridays for Future und Ende Gelände, gegen den Ausbau der Autobahn 4 zu protestieren. Gegen 14 Uhr setzt sich der Fahrradkorso unter ständigem Läuten der Fahrradklingeln in Bewegung. Ziel: die Autobahnzufahrt Dresden-Neustadt.

Zwischenkundgebung zwischen Gestrüpp und hohem Gras

Um die geplante Demonstration, die sich einer bundesweiten Aktion an diesem Wochenende angeschlossen hatte, hatte es im Vorfeld viel Ärger gegeben. Die ursprünglich von den Initiatoren geplante Demoroute sah vor, über ein Teilstück der A4 zwischen den Abfahrten Dresden-Hellerau und Dresden-Altstadt zu fahren. Das wurde durch die Versammlungsbehörde untersagt. Gespräche zwischen Anmeldern und den Dresdner Behörden brachten schließlich einen Kompromiss. Der Fahrradkorso sollte über die Autobahnabfahrt Dresden-Neustadt führen, mit einer Zwischenkundgebung unmittelbar an der Autobahn.

Fahrraddemo Autobahnausbau A4
Die Zwischenkundgebung fand für die Teilnehmenden zwischen viel Gestrüpp und hohem Gras statt. Mindestabstände konnten hier nur schwerlich eingehalten werden. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß

Doch da hatte man die Rechnung wohl ohne die Autobahn GmbH gemacht. Diese weigerte sich nach Angaben der Versammlungsbehörde, die Abfahrt zu sperren. Und so rollte der Korso während der knapp zweistündigen Fahrt nur in die Nähe der A4. Zwischen Gestrüpp und hohem Gras, auf einem kleinen Weg zwischen der Kötzschenbroder und der Washingtonstraße, fand schließlich die Zwischenkundgebung statt. Ferdinand Zierlitsky von Ende Gelände Dresden frustriert: "Es geht uns mit dieser Aktion keineswegs darum, Verkehrschaos zu verursachen, sondern darum, gegen die verfehlte Verkehrspolitik der Bundesregierung zu protestieren."

Aktion "Wald statt Asphalt" Fahrraddemo gegen den Autobahnausbau der A4

In Dresden haben Radlerinnen und Radler an der Autobahn protestiert. Sie sind gegen den Ausbau der A4 und fordern stattdessen sichere Radwege und einen besseren öffentlichen Nahverkehr.

Fahrraddemo Autobahnausbau A4
Startpunkt des Fahrradkorsos war der Schlesische Platz vor dem Bahnhof Dresden-Neustadt. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß
Fahrraddemo Autobahnausbau A4
Startpunkt des Fahrradkorsos war der Schlesische Platz vor dem Bahnhof Dresden-Neustadt. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß
Fahrraddemo Autobahnausbau A4
Ende Gelände und Fridays for Future Dresden hatten zum Protest aufgerufen. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß
Fahrraddemo Autobahnausbau A4
Eine schnelle Mobilitätswende ist eine der Kernforderungen. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß
Fahrraddemo Autobahnausbau A4
Auch die Grünen haben zum Protest aufgerufen. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß
Fahrraddemo Autobahnausbau A4
An der Autobahnauf- und abfahrt Dresden-Neustadt solle ursprünglich die Zwischenkundgebung stattfinden. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß
Fahrraddemo Autobahnausbau A4
Nach der Zwischenkundgebung ging es für die Teilnehmenden zurück zum Bahnhof Neustadt. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß
Fahrradkorso in Dresden - zahlreiche Menschen fahren mit ihrem Fahrrad auf einer großen Straße. An einem Fahrrad hängt eine Regenbogenfahne
Rund 600 Menschen sind nach Angaben der Veranstalter gekommen. Bildrechte: xcitePRESS
Fahrradkorso in Dresden. Links steht ein Polizeiauto, daneben viele Menschen mit ihren Rädern
Unter ihnen waren viele Familien und junge Menschen, aber auch ältere Fahrradfahrer. Bildrechte: xcitePRESS
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Initiatoren: A4-Ausbau wäre ein Schritt zurück

Fridays for Future und Ende Gelände forden eine "längst überfällige Verkehrswende". Den geplanten Ausbau der Autobahn 4 zwischen Nossen und Görlitz werten sie als "Schritt zurück". "Es ist sinnlos, in zukunftslosen motorisierten Individualverkehr zu investieren", so Zierlitsky. Emilia Schulz von Fridays for Future Dresden erklärte, Ziel müsse eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur sein.

Wir brauchen mehr sichere Fahrradwege und einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr, der auch jedes Dorf anbindet.

Emilia Schulz Fridays for Future Dresden

Ausbau der A4 Die A4 soll in vier Teilabschnitten sechs- bzw. achtspurig ausgebaut werden. Sachsen hat dazu folgende Anträge beim Bund eingereicht:

* achtstreifiger Ausbau der A4 vom Autobahndreick Nossen (A14) bis zum Autobahndreieck Dresden-West (A17) mit einer Länge von 18,2 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 233,9 Mio. Euro (Antrag September 2018)
* achtstreifiger Ausbau der A4 vom Autobahndreieck Dresden-West (A17) bis zum Autobahndreieck Dresden-Nord (A13) mit einer Länge von 14,2 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 487,1 Mio. Euro (Antrag September 2018)
* sechstreifiger Ausbau der A4 vom Autobahndreieck Dresden-Nord (A13) bis zur Anschlussstelle Pulsnitz (S95) mit einer Länge von 15,3 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 145,3 Mio. Euro (Antrag September 2018)
* sechsstreifiger Ausbau der A4 zwischen der Anschlussstelle (AS) Pulsnitz und der AS Bautzen-Ost mit einer Länge von 38 Kilometer und geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 366,2 Mio. Euro (Antrag Mai 2019)

Quelle: Sächsisches Wirtschaftsministerium

Quelle: MDR/kh/dk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 06. Juni 2021 | 19:00 Uhr

17 Kommentare

Harry20 vor 33 Wochen

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu! Die Ursache für den ganzen Irrsinn liegt in der modernen Betriebswirtschaft! Wenn man im Moment in einem Industriebetrieb, und den Wahnsinn mitbekommt, kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen! Wenn man dann aber noch sieht welcher Klientel ausgerechnet diese hochbezahlten Entscheidungsträger angehören setzt es dem ganzen noch die Krone auf!!! Bei dem was von der "verlängerten Werkbank", welche mittlerweile bis ins Baltikum reicht, täglich nach Deutschland gekarrt wird, nur um paar Cent zu sparen, ist es völlig bedeutungslos ob ich Bus,Fahrrad oder Auto fahre...

NormalNull vor 33 Wochen

Werte(r) mattotaupa Sie schreiben "sie wettern gegen eine demo, welche sich gegen den ausbau der autobahn richtet...." das ist so nicht richtig. Die Aussage "Es ist sinnlos, in zukunftslosen motorisierten Individualverkehr zu investieren" spricht eine ganz andere Sprache und auf diese bezieht sich aken . Deshalb kann ich Ihnen Ihren Satz "sollten sie sich erst mal mit dem tatsächlichen inhalt der demo beschäftigen, bevor sie wettern und da irgendwas reininterpretieren." vollumfänglich zurück senden.

NormalNull vor 33 Wochen

Der steuerliche Aspekt mag mitentscheidend sein. Die Aussage: "Es ist sinnlos, in zukunftslosen motorisierten Individualverkehr zu investieren", beisst sich gleich 2 mal: 1.) momentan zahlen Besitzer von Verbrennungsmotoren KFZ-Steuer, von denen der ganze Ausbau (auch der Radwege) bezahlt wird. Kein Radfahrer trägt irgendwelche Kosten für Radwege. 2.) Auch die steuerbefreiten Elektroautos benutzen die Autobahn! gegen die es ja hier auch zu gehen scheint.
Der ÖPNV hat als höchstes Ziel nicht den Menschentransport sondern die Einhaltung des Fahrplanes. Bedeutet: er rollt und rollt auch wenn keiner fahren will, wogegen ein Auto des Individualverkehrs bei Nichtbedarf verbrauchslos einfach dasteht.

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