Demonstrationen Dresden: Russland-Fahnen auf dem Altmarkt, Neumarkt in Blau-Gelb

300 Meter trennen den Dresdner Altmarkt vom Neumarkt. Politisch liegen an diesem Sonntagnachmittag Welten zwischen beiden Orten. Auf dem einen Platz werden Russland-Fahnen geschwenkt, auf dem anderen die der Ukraine.

Teilnehmer einer Demonstration von Gegnern der Corona-Maßnahmen tragen auf dem Altmarkt ein Banner „Kretschmer verhafte !“
Auf dem Altmarkt in Dresden hatten sich um die Initiative "Querdenken 351" tausende Menschen versammelt. Dabei wurden auch zahlreiche Russlandfahnen getragen. Bildrechte: dpa

Mehrere Tausend Menschen haben am Sonntag in Dresden für ein Ende aller Corona-Maßnahmen demonstriert. Dazu hatten die Initiative Querdenken 351 sowie 24 weitere Bündnisse zu einer Kundgebung auf dem Altmarkt und einer anschließenden Demonstration aufgerufen. Sie forderten einen "Freedom Day". Angemeldet waren nach Angaben der Stadt 4.000 Teilnehmer. Die Polizei wollte die genaue Zahl nicht beziffern, bestätigte aber die Schätzung von mehreren Tausend. Auf Plakaten sprachen sich die Demonstranten etwa gegen eine Corona-Impfpflicht aus. Auf einem Banner der rechtsextremen Kleinstpartei Freien Sachsen hieß es: "Coronamaßnahmen beenden: Kretschmer verhaften!"

Umgedrehte Deutschlandfahnen waren zu sehen - ein Symbol aus der Reichsbürger-Szene, das für die Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht. Zudem wurden Russland-Fahnen geschwenkt - offensichtlich aus Solidarität mit dem Land, das derzeit in der Ukraine Krieg führt.

Querdenken-Demo Dresden am 20. März 2022
Eigentlich eine Anti-Coronamaßnahmen-Demo - doch die "Querdenker" trugen unter anderem russische, kanadische sowie schwedische Flaggen oder Fahnen mit Friedenstauben und verkleideten sich teilweise als Native Americans. Wie passt das alles zusammen?, fragen sich Beobachter. Bildrechte: xcitePRESS

"Die Ukraine braucht mehr Unterstützung"

Ein ganz anderes Bild zeichnete sich dagegen auf dem Platz vor der Frauenkirche, den zahlreiche Fahnen und Schilder in die ukrainischen Nationalfarben blau und gelb tauchen. Mehrere hundert Menschen haben sich versammelt, um ein Ende des Krieges in der Ukraine und weitere Sanktionen gegen Russland zu fordern.

Flüchtlinge aus Kiew stehen bei einer Solidaritätskundgebung für die Ukraine auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche in Dresden
Diese aus Kiew geflüchteten Frauen protestierten vor der Frauenkirche in Dresden gegen den russischen Präsidenten Putin, der mit dem Krieg gegen die Ukraine großes Leid anrichtet. Bildrechte: dpa

Die Ukrainerin Natalija Bock appellierte an die Politik, ihrem Land entschiedener zu helfen. "Die Ukraine braucht mehr Unterstützung", sagte sie MDR SACHSEN.

Unter den Teilnehmenden war auch der Hamburger Bauunternehmer Steffen Lücking, der erst vor wenigen Tagen aus der Ukraine zurückkehrte. Vor der symbolträchtigen Frauenkirche verteilte er 8.000 Blumen als Zeichen der Liebe. "Materie kann man wieder herstellen", sagte er mit Blick auf das Gotteshaus, das er auch noch als Trümmerhaufen kennt. "Aber zerrissene Familien, Seelen, das dauert länger."

Nach Angaben der Polizeidirektion Dresden verliefen alle Versammlungen störungsfrei. 336 Beamte waren im Einsatz.

Weitere Berichte und Informationen zum Krieg in der Ukraine

MDR (dk,dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 20. März 2022 | 19:00 Uhr

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