Coronaschutz im ÖPNV Weiter Zusatz-Desinfektion in Dresdner Bussen und Bahnen

Die Dresdner Verkehrsbetriebe halten trotz sinkender Inzidenzzahlen an der zusätzlichen Desinfektion von Haltestangen, Automaten und Türöffnern in Bussen und Bahnen fest. Unternehmenssprecher Falk Lösch sagte, es gebe zwar keine Studien, die ein erhöhtes Ansteckungsrisiko im ÖPNV nachweisen, dennoch setze man bei der DVB AG auf Sicherheit und auch auf den psychologischen Aspekt zusätzlicher Reinigungen. Diese erfolgen tagsüber an knapp 20 Endhaltestellen.

Ein Mann deinfiziert den Innenraum eines öffentlichen Verkehrsmittels.
Nach jeder Runde werden in den Bussen der Dresdner Stadtlinie 79 zwischen Mickten und Übigau die Entwerter desinfiziert. Bildrechte: MDR/L. Müller

Lars Schulze hat einen Lappen und eine Flasche mit Desinfektionsmittel stets griffbereit. Er wartet an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 13 und der Buslinie 79 in Dresden-Mickten darauf, die Bahnen und Busse zu desinfizieren. "Konkret geht es um die Haltestangen, Entwerter, Griffe an den Sitzen, die Knöpfe der Türöffner und die Fahrkartenautomaten in den Straßenbahnen", sagt Schulze, der für die europaweit tätigte Dienstleistungsfirma Sasse arbeitet. Das Berliner Unternehmen ist seit Mai vorigen Jahres mit der zusätzlichen Desinfektion der Fahrzeuge von den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) beauftragt. 40 Mitarbeiter seien täglich zwischen 8 und 18 Uhr an knapp 20 Dresdner Endhaltestellen im Einsatz, so Sasse-Abteilungsleiter Peter Gäbler.

DVB-Sprecher: Politik schadet dem Image des ÖPNV

Von den Fahrgästen gebe es nahezu ausschließlich positives Feedback, sagen Schulze, Gäbler und DVB-Sprecher Falk Lösch übereinstimmend. Zwischen 100.000 und 200.000 Euro lassen sich die Verkehrsbetriebe die zusätzliche Reinigung monatlich kosten, so Lösch - je nach Anzahl der Reinigungen. Die DVB achteten darauf, dass die Geschäftspartner Tariflohn zahlen, betont Lösch. Wie lange die Desinfektion zusätzlich zur allnächtlichen Reinigung noch beibehalten wird, wollen die DVB von der Entwicklung der Pandemie und den Inzidenzzahlen abhängig machen. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) leide noch immer unter ausbleibenden Fahrgästen.

Ein Mann deinfiziert die Tür einer Straßenbahn
Lars Schulze reinigt auch die äußeren Türöffner der Straßenbahnen an der Endhaltestellen in Mickten. Bildrechte: MDR/L. Müller

Lösch spricht davon, dass "die Politik in der Pandemie anfangs ein regelrechtes ÖPNV-Bashing" betrieben habe. Das sei nicht nur ärgerlich, sondern auch unberechtigt. Es gebe keine Studien, die ein höheres Ansteckungsrisiko in Bussen und Bahnen belegten. Im Gegenteil, sagt Lösch. Untersuchungen hätten gezeigt, dass dies gerade nicht der Fall sei. Zuletzt hat das eine Studie der Berliner Charité ergeben - im Auftrag der Verkehrsbranche.

Für alle mobilen Menschen ist das Infektionsrisiko gleich hoch – unabhängig davon, ob sie mit Bus und Bahn oder mit Pkw und Rad unterwegs sind.

Aktion gemeinsam#besserweiter in Zusammenarbeit mit der Charité

Für die Studie waren ab Februar 2021 fünf Wochen lang fast 700 freiwillige Pendler im Alter von 16 bis 65 Jahren begleitet worden, um die Infektionsgefahr bei täglichen Fahrten zu ermitteln.

Durchzug in Bussen und Bahnen

Außerdem seien Busse und Bahnen im Stadtverkehr durch die vielen Halte besonders gut belüftet, so DVB-Sprecher Lösch. Die DVB öffneten derzeit tagsüber stets alle Türen der Fahrzeuge an den Haltestellen, Fahrgäste würden zudem meist alle zu öffnenden Fenster ankippen.

Das Fahrgastaufkommen im Dresdner Stadtverkehr liege aktuell  bei rund 60 Prozent der üblichen Werte von vor der Pandemie, hieß es. Einnahmen blieben aus. Die Kosten laufen weiter, da rund 95 Prozent aller planmäßigen Fahrten angeboten werden. Lediglich der Nachtverkehr sei noch ausgedünnt, so Lösch. Vor Corona stiegen die Fahrgastzahlen bei der DVB AG kontinuierlich auf zuletzt gut 163 Millionen im Jahr 2019. Es werde vielleicht ein, zwei Jahre dauern, um das mutmaßlich zu Unrecht beschädigte Vertrauen in den ÖPNV wieder vollständig zurückzugewinnen, vermutet Lösch. 

Wenige Minuten Zeit für Zwischenreinigung

Reinigungskraft Lars Schulze hat unterdessen die ankommende Tram fest im Blick. Vom Fahrer wird er wie ein Kollege gegrüßt. Kaum steht die Bahn, beginnt er von hinten nach vorn die Haltestangen, die Griffe an den Sitzen, Entwerter und Türöffner sowie den Fahrkartenautomaten im Fahrzeug zu desinfizieren, während schon die ersten Fahrgäste für die Rückfahrt eingestiegen sind. Nach wenigen Minuten ist Schulze fertig. Ein Fahrgast nickt ihm freundlich zu. Eine anderer Mann aber glaubt nicht an den Nutzen der zusätzlichen Reinigung, wie er sagt.

Ein Mann deinfiziert den Innenraum eines öffentlichen Verkehrsmittels.
Jeder Handgriff sitzt: Die Desinfektion muss schnell gehen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Lars Schulze ist froh, wenn alle Busse und Bahnen planmäßig unterwegs sind. Nur dann hat er an der Endhaltestelle genug Zeit, gründlich zu desinfizieren. Seit zehn Jahren schon macht er Busse und Bahnen in Dresden sauber – bis voriges Jahr allerdings nur nachts im Depot. 

Deutsche Bahn setzt mobile Teams ein

Laut DVB-Sprecher Lösch arbeiten bundesweit viele Verkehrsunternehmen mit ähnlichem Reinigungskonzept. Auch die Deutsche Bahn hat nach eigenen Angaben zusätzliche Putzkräfte im Einsatz. Beispielsweise werden zwischen Dresden und Bad Schandau die Kontaktflächen in den Waggons der internationalen Reisezüge zusätzliche von mobilen Teams desinfiziert.

Ein Eurocity-Zug fährt an einem trüben Tag durch Dresden.
Zwischen Bad Schandau und Dresden hat die DB AG mobile Reinigungsteams im Einsatz. Bildrechte: MDR/L. Müller

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 26. Mai 2021 | 11:30 Uhr

1 Kommentar

015156048069 vor 20 Wochen

Ich fahre oft über Mickten und warte dann auf die 64, dabei sehe ich oftmals auch die fleißigen Helfer welche die Bahnen und Busse desinfizieren. Ihnen gehört ein ganz besonderer Dank.

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