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13. Februar

Stilles und friedliches Gedenken in Dresden

Stand: 13. Februar 2021, 20:46 Uhr

Dresden erinnert jedes Jahr am 13. Februar an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg und an die Opfer von Krieg und Gewalt. Wegen Corona war dieses Mal nur ein kleines Programm möglich. Die traditionelle Menschenkette fand digital statt.

Vor dem Dresdner Hauptbahnhof versammelten sich rund 500 rechte Demonstranten. Das Bündnis "Dresden Nazifrei" stellte sich ihnen gemeinsam mit anderen Initiativen entgegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit einer virtuellen Menschenkette ist am Sonnabend in Dresden an die Zerstörung der Stadt vor 76 Jahren und an die Millionen Opfer der NS-Zeit erinnert worden. Bei der Aktion wurden unter Glockengeläut Bilder von Dresdnerinnen und Dresdnern auf die Frauenkirche, die Synagoge und weitere markante Gebäude projiziert. Mehr als 1.200 Menschen hatten sich mit ihrem Foto beteiligt, darunter auch Frauen und Männer aus dem Ausland.

Kretschmer: Gedenktag ist Beitrag für Demokratie und Frieden

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hob den Dresdner Gedenktag als einen Beitrag für Demokratie und Frieden hervor. Die Stadtgesellschaft habe einen Weg gefunden, mit der Geschichte umzugehen, sagte Kretschmer bei einer Gedenkfeier im kleinen Rahmen auf dem Altmarkt. Die traditionelle Menschenkette sei ein klares Zeichen für Weltoffenheit und gegen Antisemitismus und Rassismus. Bei den alliierten Luftangriffen auf Dresden vor 76 Jahren starben zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 nach wissenschaftlichen Schätzungen rund 25.000 Menschen.

Bildergalerie Gedenken in der Pandemie - das war der Tag in Dresden

Mit einer virtuellen Menschenkette ist am Samstag in Dresden an die Zerstörung der Stadt vor 76 Jahren und an die Millionen Opfer der NS-Zeit erinnert worden. Bei der Aktion wurden unter Glockengeläut Bilder von Dresdnerinnen und Dresdnern auf die Frauenkirche, die Synagoge und weitere markante Gebäude projiziert. Bildrechte: dpa
1.200 Menschen hatten Fotos eingesandt, die bei der Lichtinstallation gezeigt wurden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ministerpräsident Michael Kretschmer, Landtagspräsident Matthias Rößler und der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert legten am Altmarkt weiße Rosen nieder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hob den Dresdner Gedenktag als einen Beitrag für Demokratie und Frieden hervor. Die Stadtgesellschaft habe einen Weg gefunden, mit der Geschichte umzugehen, sagte Kretschmer bei einer Gedenkfeier im kleinen Rahmen auf dem Altmarkt. Bildrechte: dpa
Stiller Protest vor der Frauenkirche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Auch die "Omas gegen Rechts" waren wieder in Dresden unterwegs. Bildrechte: Mario Unger-Reißmann
Sie machten an mehreren Stellen in der sächsischen Landeshauptstadt auf ihr Anliegen aufmerksam. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
In der gesamten Stadt war viel Polizei unterwegs, um die angemeldeten Versammlungen abzusichern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Polizeiaufgebot hinter dem Hauptbahnhof. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Am frühen Nachmittag reisten Hunderte Rechtsextreme an, um an einer Kundgebung der NPD teilzunehmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Am Hauptbahnhof sicherte die Bundespolizei die Ankunft ab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Rechtsextremen waren aus Richtung Hof gekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Versammlung der NPD fand vor einem Nachtclub am Hauptbahnhof statt. Bildrechte: dpa
Unter den Teilnehmenden waren auch Bekenner des rechtsextremen Drittes Weges. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Weil viele Teilnehmer zunächst keinen Mund-Nasen-Schutz trugen, verzögerte sich der Beginn der NPD-Kundgebung rund eine Stunde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es Gegenprotest. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
NPD-Kundgebung (vorn) und Gegenprotest. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Die Polizei forderte Teilnehmer der NPD-Versammlung auf, ein Plakat mit der Aufschrift "Bombenholocaust" wieder einzurollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Transparent war zuvor schon an einem Bahnsteig am Dresdner Hauptbahnhof ausgerollt worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Am Obelisk im Stadtteil Nickern hielt die Grüne Jugend eine Mahnwache ab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mit einem Kunstprojekt hat das Dresdner Gedenken am Morgen auf dem Heidefriedhof begonnen. Die "Rolling Angels", Betonengel-Skulpturen der dänischen Künstlerin Benthe Norheim, symbolisierten Hoffnung, Frieden und Trost. Bildrechte: Heiko Barthel
Der Heidefriedhof ist die größte Ruhestätte in Dresden. Bildrechte: dpa
Auf dem Nordfriedhof wurden an einem Sammelgrab Kränze niedergelegt. Dort sind 450 Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten bestattet, die bei den Luftangriffen der Alliierten im Februar 1945 oder den Aufräumarbeiten danach ums Leben kamen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Viele Dresdner nutzten das stille Gedenken in diesem Jahr. Bildrechte: Wolfram Nagel
Die Stiftung Frauenkirche Dresden bot ein virtuelles Friedensgebet an. Bildrechte: Franziska Hentsch
Die Dresdner Frauenkirchenpfarrerin, Angelika Behnke, und der Zeitzeuge Günther Ulbricht riefen bei der Andacht in der Frauenkirche zu Zivilcourage, Respekt und Toleranz auf. Bildrechte: dpa
Das Programm des 76. Gedenktages war wegen der Corona-Pandemie auf ein Minimum reduziert worden. Bildrechte: dpa

Reduziertes Programm wegen Corona

Wegen der Corona-Pandemie fand in diesem Jahr nur ein reduziertes Programm zum Gedenktag statt. Am Vormittag hatte es kleinere Veranstaltungen auf Friedhöfen gegeben. Die Bilder der virtuellen Menschenkette waren am Abend in stündlicher Wiederholung auch auf den Fassaden des Rathauses, Schauspielhauses und der Staatskanzlei zu sehen. Coronabedingt hatte die Stadtverwaltung dazu aufgerufen, an der Feier nur am Bildschirm teilzunehmen.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (li.) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer legen auf dem Dresdner Altmarkt an einer Gedenkstätte für die Opfer der Bombardierung Blumen nieder. Bildrechte: dpa

 "Diese virtuelle, aber zugleich reale Menschenkette ist eine Form des Erinnerns und des Einstehens für Menschlichkeit heute", sagte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. 2020 hatten sich rund 11.000 Einheimische und Gäste an der Menschenkette beteiligt. Mehrere hundert Demonstranten hatten zuvor in der Nähe des Hauptbahnhofs gegen eine Neonazi-Kundgebung protestiert. Seit Jahren missbrauchen Rechtsextreme den Gedenktag für ihre Zwecke. Hilbert rief bei der Gedenkfeier auf dem Altmarkt dazu auf, denen entgegenzutreten, die Fakten veränderten. "Lassen wir der Umdeutung keinen Raum", sagte das Stadtoberhaupt.

Polizei trennt Protest und Gegenprotest strikt voneinander

Bei den Demonstrationen trennte die Polizei die Gruppen strikt voneinander. Zum Gegenprotest hatten das Bündnis "Dresden Nazifrei" und weitere Initiativen aufgerufen. Die Bundespolizei zählte etwa 500 rechte Demonstranten, die mit der Bahn angereist waren. Die Beamten hätten 50 Identitätsfeststellungen durchgeführt und 194 Platzverweise ausgesprochen. Ein Sprecher der Dresdner Polizei bewertete die Lage dagegen bis zum Abend als ruhig und störungsfrei. In einem Online-Friedensgebet rief Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke zu Respekt und Toleranz auf. Die Dresdner Frauenkirche sei als Zeichen für Menschlichkeit und Glaubensstärke wiedererrichtet worden, sagte die evangelische Theologin. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 2005 wieder eingeweihte Barockbau sei ein Hoffnungszeichen und verbinde Menschen in der Stadt und weltweit.

Der Zeitzeuge Günther Ulbricht rief in dem Online-Gebet zu Zivilcourage auf. Die junge Generation nehme den Zustand des Friedens als Selbstverständlichkeit. "Das ist ein Irrtum", sagte Ulbricht, der als Neunjähriger die Luftangriffe auf Dresden miterlebt hat. Frieden sei kein Geschenk, sondern eine Lebensaufgabe.

Quelle: MDR/sth/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2021 | 20:00 Uhr in den Nachrichten

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