Prozessbeginn Mutmaßliche Dresdner Hooligans nach zehn Jahren vor Gericht

Die Mühlen der Justiz mahlen manchmal langsam. Nach gut zehn Jahren müssen sich in Dresden drei Männer vor Gericht verantworten - für Hooligan-Angriffe auf Fußballfans, Polizei und Ausländer. Weil die Beweisführung in dem Verfahren nach so langer Zeit schwierig ist und lange Zeit in Anspruch nehmen würde, wird mit einem Deal gerechnet.

Die Angeklagten sitzen mit ihren Verteidigern zu Beginn des Prozesses gegen Mitglieder der Gruppierung «Faust des Ostens» im Landgericht Dresden.
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Vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden müssen sich seit Montag drei mutmaßliche Mitglieder der Dresdner Hooligan-Gruppierung "Faust des Ostens" (FdO) verantworten. Den Männern im Alter von 30, 31 und 37 Jahren wird die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, schwerer Bandendiebstahl und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Sie gelten als Rädelsführer der Gruppe. Laut Anklage haben zwei der Männer die FdO am 20. April 2010 in einem Lokal unweit des Dresdner Stadions mitgegründet, der 37-Jährige hat demnach zwischenzeitlich deren Führung übernommen.

Staatsanwalt: Mitglieder einte rechtsradikales Gedankengut

Bengalisches Feuer im Dresdner Fanblock
Die Hooligan-Gruppierung im Dresdner Fanblock Bildrechte: IMAGO / Robert Michael

Gewaltorientierung und -ausübung seien als Selbstzweck und probates Mittel angesehen und zumindest billigend in Kauf genommen worden, sagte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt - auch unter Verweis auf Chat-Beiträge. Die FdO-Mitglieder einte demzufolge rechtsradikales, ausländerfeindliches Gedankengut, das sich im Hitlergruß oder Wendungen wie "Blood and Honour" und "Ruhm und Ehre" sowie abwertenden Bezeichnungen für Ausländer wie "Kanaken" oder "Nigger" äußerte.

Überfall auf Ausländer

Neben dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung geht es bei der Anklage auch um einen Fall im April 2011. Damals sollen die beiden jüngeren Angeklagten gemeinsam mit rund 50 FdO-Mitgliedern etwa ein Dutzend Ausländer in der Nähe von zwei Diskotheken attackiert haben. Dabei sollen ausländerfeindliche und rechtsradikale Parolen gerufen und drei der Angegriffenen verletzt worden sein.

Finanzierung durch Diebstahl

Einem Angeklagten wird zudem vorgeworfen, sich im Februar und März 2012 am Diebstahl von alkoholischen Getränken beteiligt zu haben. Die Getränke sollten verkauft und damit die Gruppe FdO finanziert werden. Auch bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung auf dem Dresdner Hauptbahnhof im Mai 2012 sollen zwei der Angeklagten beteiligt gewesen sein. Dabei sollen zwei Personen angegriffen und verletzt worden sein.

Deal in dem Verfahren wahrscheinlich

Die Beschuldigten äußerten sich nach der Anklageverlesung nicht zu den Vorwürfen. Hinter verschlossenen Türen wurde über den Fortgang der Verhandlung gesprochen - mit dem Ziel einer Verfahrensabsprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. In der Regel ist der Grundsatz bei einem Deal, dass die Angeklagten ein Geständnis ablegen und dafür mit einer geringeren Strafe rechnen können. Damit soll das Verfahren beschleunigt werden.

Anklageerhebung vor siebeneinhalb Jahren

Im Sommer 2013 hatte die Staatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen fünf Beschuldigte erhoben. Gegen zwei wurde das Verfahren inzwischen eingestellt, wie es hieß - in einem Fall gegen Zahlung einer Geldauflage. Als Grund für die lange Zeitspanne bis zum Beginn der Hauptverhandlung wurde die hohe Belastung des Gerichts mit Haftsachen angegeben. Das Landgericht Dresden hat zunächst bis zum 22. Juli Verhandlungstermine angesetzt.

"Faust des Ostens" Die Gruppierung soll im April 2010 gegründet worden sein und bis Herbst 2012 etwa 80 Leute umfasst haben. Sie wird laut Anklageschrift im Umfeld von Fußballspielen des damaligen Zweitligisten Dynamo Dresden für "gewaltsame Übergriffe auf Mitglieder anderer Fußballmannschaften, Polizeibeamte und Personen ausländischen Aussehens" verantwortlich gemacht.

Quelle: MDR/bb/kb/dpa

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.03.2021 | 09:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 29.03.2021 | 19:00 Uhr

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