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Fans waren beim Heimspiel von Dynamo Dresden nicht zugelassen. Dennoch versammelten sich mehrere tausend Anhänger in der Nähe des Stadions. Bildrechte: dpa

Ausschreitungen

Dynamo Dresden: Hooligans schlugen auch auf Reporter ein

von MDR exakt

Stand: 20. Mai 2021, 05:00 Uhr

Nun steht es fest: Dynamo Dresden kehrt in die zweite Bundesliga zurück. Ein 4:0 gegen Türkgücu München am Sonntag besiegelte den Aufstieg. Doch direkt danach hat es für Tausende Fans des Fußballvereins kein Halten mehr gegeben. Dabei gingen einige nicht nur gegen Polizisten vor, es wurde auch mehrere Journalisten verletzt. Einer von ihnen ist noch minderjährig.

Während das Spiel von Dynamo Dresden gegen Türkgücu München läuft, überwiegt bei den Fans der Jubel über die vier Tore. Doch die Stimmung ist am Sonntag von Anfang an pressefeindlich. Aggressive Hooligans zwingen Kameramann Uwe Nitschke und Reporter Christoph Schlüter, die für RTL von der Aufstiegsfeier berichten, zum Rückzug. "Während die uns angebrüllt haben, zog sich der eine die Maske runter und der andere den Schal hoch", sagt Christoph Schlüter. "In dem Fall war auch klar, hier gibt es jetzt Gewalt, wir müssen hier weg."

Das Team habe sich dann in Richtung der Polizisten bewegt, berichten die RTL-Reporter. "Dann gab es einen Hieb", sagt Uwe Nitschke. Ein Hooligan springt dem Kameramann in den Rücken. "Dann sehe ich aus dem Augenwinkel, wie ein Mensch kommt, beide Arme voran und Uwe umwirft. Der geht zu Boden", berichtet Christoph Schlüter.

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Gewalttätige Ausschreitungen - Dynamo Dresden Hooligans rasten aus

Sicherheitsleute wehren weitere Angriffe auf das Kamerateam ab

Der Kameramann bleibt unverletzt. Die beiden Sicherheitsleute des RTL-Teams können weitere Angriffe abwehren, bevor sie die Journalisten aus der Gefahrenzone bringen. "Die sind nur dort wegen der Krawalle und um ihre Wut abzulassen, dass die nicht ins Stadion dürfen", sagt Uwe Nitschke. Da es keine "Sparringspartner" gegeben habe, seien die Polizei und die Presse der Feind gewesen.

Am Sonntag greift eine größere Gruppe gewaltbereiter Fans dann massiv die Polizei an – mit Pyrotechnik, Flaschen, Steinen und Hölzern. Die Beamten setzen Reizgas und Wasserwerfer ein, 185 Polizisten werden verletzt, sechs von ihnen müssen stationär ins Krankenhaus. Es gibt erste Festnahmen.

Bei den Ausschreitungen fliegen nicht nur Flaschen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Gewalt gegen Journalisten geht weiter. Das haben ebenfalls zwei Mitglieder der Jugendpresse Sachsen erfahren müssen. Die beiden zeigen ihre Aufnahmen MDR exakt. Sie wollen anonym bleiben. Die Videos dokumentieren, wie brenzlig es für die 17-Jährigen war – direkt neben ihnen schlagen Flaschen auf.

Hooligans greifen gezielt jugendliche Journalisten an

Die zwei Jugendlichen versuchen, sich beim Angriff hinter einer Polizeikette in Sicherheit zu bringen. Obwohl die beiden Journalisten ihre Presseausweise zeigten, mussten sie draußen bleiben. "Dort standen auch einige Fotografen", berichtet der eine 17-Jährige. "Der Beamte meinte dann okay, aber hier dürfen jetzt erst mal keine Leute durch", ergänzt der andere.

Kurz darauf erfolgt ein gezielter Angriff auf einen der beiden Jugendlichen – denjenigen mit der Kamera. Zwei Hooligans schlagen enthemmt auf seinen Kopf und Bauch ein. Er verliert anschließend mehrfach das Bewusstsein. "Dann hat sich eine Notärztin um ihn gekümmert", sagt sein Kollege. "Sie hat ihm erst mal ein Zugang gelegt und seinen Kopf stabilisiert. Sie sagte, dass sein Zustand kritisch ist." Im Krankenhaus werden ein Schädelhirn- und ein Bauchtrauma diagnostiziert. Nur der Umstand, dass der 17-Jährige Sportler und gut trainiert ist, verhindert schlimmere Folgen.

Die Polizei nimmt später einen der Angreifer auf das RTL-Team fest. Eine Sonderkommission soll nun weitere Tatverdächtige ermitteln. Für Polizeisprecher Thomas Geithner haben die Ausschreitungen vom Sonntag eine neue Qualität: "Unsere Beobachtung ist schon, dass jetzt auch eine neue Generation von diesen Problemfans da ist." Es seien solche Fans, die nicht mehr abwarten könnten, die nicht mehr warten wollten und "die jetzt vermeintlich auch dieses Ventil gesucht haben".

Quelle: MDR exakt/ mpö

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 19. Mai 2021 | 20:15 Uhr

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