Fahndungserfolg Diebstahl aus Grünem Gewölbe: Polizei fasst gesuchten fünften Tatverdächtigen

Eineinhalb Jahre nach dem spektakulären Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden ist der fünfte gesuchte Tatverdächtige gefasst worden. Nach dem Zwilling wurde monatelang gefahndet. Sein Bruder und drei weitere Tatverdächtige sitzen bereits in U-Haft. Wo die Juwelen abgeblieben sind? Darüber schwiegen sich die Festgenommenen bislang aus.

Polizeifahrzeug
Ein Polizeifahrzeug brachte den gefassten Verdächtigen von Berlin nach Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Polizei in Berlin hat den gesuchten Zwilling aus dem Berliner Clan-Mileu gefasst, der am Einbruch ins Grüne Gewölbe beteiligt gewesen sein soll. Der Tatverdächtige wurde am Montagabend 20:15 Uhr bei einer Wohnungsdurchsuchung in Berlin-Neukölln festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Dresden mitteilte.

Festnahme und Beweissicherung in Wohnung

Der bislang flüchtige 22 Jahre alte Tatverdächtige wurde am Montagabend von Zielfahndern des Bundeskriminalamts (BKA) festgenommen. An der Festnahme waren Polizisten des Landeskriminalamts Berlin, der Berliner und der Dresdner Polizei, Spezialkräfte der Bundespolizei und des mobilen Einsatzkommandos des BKA beteiligt. Sie beschlagnahmten laut Staatsanwaltschaft Dresden auch ein Mobiltelefon und Kleidungsstücke als Beweise. Der Mann wurde noch am Dienstag dem ermittelnden Richter in Dresden vorgeführt.

Die Festnahme in seinem direkten Umfeld zeigt, wie winzig sein Respekt vor den Sicherheitsbehörden ist. Es gilt nun, ihm die Handlungsfähigkeit unseres Rechtsstaates in die Vita zu meißeln.

Thomas Spaniel Berliner Gewerkschaft der Polizei

Vorwürfe: Schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung

Bereits Ende 2020 waren der Zwillingsbruder des Mannes und drei weitere Verdächtige (zwei 25-Jährige, ein 28-Jähriger) aus dem kriminellen Clanmilieu im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe festgenommen worden. Nach dem 22-Jährigen wurde seit Mitte November 2020 international gefahndet. Die Ermittler hatten ihn im Visier, aber er entwischte ihnen zwei Mal - im November 2020 und im Januar 2021.

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft ihm und den bereits Inhaftierten vier anderen Männern schweren Bandendiebstahl und Brandstiftung vor. Denn nach dem Juwelendiebstahl sollen sie in einem Auto geflohen sein, das sie später in einer Tiefgarage eines Wohnhauses in Dresden anzündeten und das erheblichen Sachschaden verursachte.

Fluchtfahrzeug Juwelendiebstahl Grünes Gewölbe
Mit diesem Auto waren die Juwelendiebe Ende 2019 vom Grünen Gewölbe ausgeflohen, ist sich die Polizei sicher. Bildrechte: Polizei Dresden

Einschätzung zur Festnahme

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) wertete die Festnahme als "klare Botschaft an die Clankriminellen". "Wer glaubt, er könne ohne Folgen unsere Gesetze brechen, wird mit dieser Festnahme wieder mal eines Besseren belehrt." Geisel dankte den Einsatzkräften aus Berlin und Sachsen und allen beteiligten Sicherheitsbehörden.

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) äußerte sich nach der Festnahme des letzten der fünf Hauptverdächtigen hoffnungsvoll, dass die wertvollen Beute wieder auftaucht. "Ich bin zuversichtlich, dass der Verbleib der gestohlenen Juwelen aufgeklärt werden kann", sagte sie.

Es gibt aktuell keine heiße Spur zu den entwendeten Schmuckstücken. Wir sind weiter zuversichtlich, sie zurückführen zu können.

Jürgen Schmidt Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden

Polizei sucht vier weitere Verdächtige

Seit März 2021 fahndet die Polizei auch nach vier weiteren Männern, die bei der Vorbereitung des schweren Bandendiebstahl geholfen haben könnten. Sie gelten nicht als dringend tatverdächtig. Damals veröffentlichte die Polizei Bilder einer Videokamera, die das Quartett zeigt.

Der Einbruch im November 2019

Vor eineinhalb Jahren machte der Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Grünen Gewölbe weltweit Schlagzeilen. Am 25. November 2019 wurden aus einer Vitrine unschätzbare Schmuckstücke gestohlen. Schnell kam der Remmo-Clan aus Berlin ins Visier der Ermittler. Immer wieder gab es Razzien im Umfeld der Großfamilie. Mitglieder dieses Clans wurden auch für andere große Straftaten wie den Goldmünzen-Diebstahl aus dem Berliner Bode-Museum 2017 zu Haftstrafen verurteilt.

Nach Angaben der sächsischen Ermittler werden die Ermittlungen noch erhebliche Zeit andauern. Es sei derzeit völlig unklar, wann diese abgeschlossen sein würden.

Der Beschuldigte hat bisher, wie die anderen vier Beschuldigten auch, keine Angaben zum Sachverhalt gemacht.

Jürgen Schmidt Staatsanwaltschaft Dresden

Das wurde aus der Schatzkammer gestohlen

Quelle: MDR/kk/dpa/AFP/Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 18. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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