Erich-Kästner-Preis Claus-Peter Reisch für Seenotrettung geehrt - Peter Maffay gratuliert

Der Seenotretter Claus-Peter Reisch ist am Sonntag mit dem Erich-Kästner-Preis des Dresdner Presseclubs geehrt worden. Wie der Club mitteilte, erhält der ehemalige Mission-Lifeline-Kapitän die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für sein Engagement in der Seenotrettung und sein "unbeirrbares Engagement in Politik, Kirche und Gesellschaft für eine humane und europäische Lösung der Flüchtlingsfrage". Die Laudatio auf Reisch hielt Peter Maffay. Für den Rockmusiker, der sich unter anderem mit seiner Stiftung gesellschaftlich engagiert, gehöre der Kapitän "zu den wahren Helden unserer Zeit". Er habe Menschen auf offenem Meer gerettet, ohne nach den Gründen zu Fragen, warum sie in diese Situation geraten sind. "Er handelte, und das hat er verdammt richtig gemacht."

Seenotretter Claus-Peter Reisch (r) steht nach der Verleihung des 24. Erich-Kästner-Preises des Presseclubs Dresden mit dem Preis in den Händen im Garten im Schloss Albrechtsberg neben Rocksänger Peter Maffay, dem Laudator des Preisträgers.
Peter Maffay würdigte die Verdienste des Kapitäns. Bildrechte: dpa

Ein Preis für alle Seenotretter

Der Vorsitzende des Presseclubs, Andreas Weller, hat Reischs "zutiefst humane Überzeugung" gelobt, "dass die Rettung von Menschenleben immer Priorität haben muss". Er habe auch Politiker zum Überdenken ihrer Positionen gebracht. "Er ist eine Persönlichkeit, für die Werte wie Toleranz, Humanität und Völkerverständigung essenziell sind", so Weller.

Auch Reisch hat Flucht und Seenotrettung bei seiner Rede thematisiert. Seiner Ansicht nach müsse man an die Fluchtursachen ran, denn "die Leute machen sich ja nicht aus Jux und Dollerei auf die Reise über das Mittelmeer." In diesem Zusammenhang hat er die wichtige Arbeit aller Seenotretter erwähnt, denn Zivilcourage werde in Europa und Deutschland nicht immer genug gewürdigt und belohnt. Umso überraschter sei er über die Auszeichnung gewesen und widme deshalb den Preis allen Seenotrettern da draußen.

Preisverleihung Erich-Kästner Preis an Claus-Peter Reisch
Bildrechte: xcitepress

Ich nehme diesen Preis nicht für mich selber entgegen, sondern für alle Seenotretter da draußen, egal bei welcher Organisation. Alle die ehrenamtlich tätig sind, den Spenderinnen und Spendern, die die Rettungsmissionen erst möglich machen, das wir rausfahren können, für diese Leute nehme ich den Preis entgegen.

Claus-Peter Reisch

Preisgeld wird geteilt

Bei seiner Rede hat Reisch angekündigt, dass er das Preisgeld an die Organisationen "Wilkommen in Löbtau", "Willkommen in der Johannstadt" und "Laubegast ist bunt" weitergeben wird.

Dieses großartige Preisgeld wird durch drei geteilt und geht zu je einem Drittel an diese Organisationen, die sich ehrenamtlich für die Integration von Geflüchteten und Ausländern einsetzen.

Claus-Peter Reisch

Zudem werde er die Spenden von jeweils 3.333 Euro für die einzelnen Organisationen mit Hilfe von Unterstützern auf 7.500 Euro aufstocken.


Der Presseclub Dresden vergibt jedes Jahr den Erich-Kästner Preis an eine Persönlichkeit, die sich für Toleranz, Humanität und Völkerverständigung eingesetzt hat. Reisch ist der 24. Preisträger. In der Vergangenheit haben unter anderem Iris Berben, Kurt Biedenkopf, Ignatz Bubis und Hans-Dietrich Genscher den Preis erhalten.

Zur Person Claus-Peter Reisch wurde 1961 in Bayern geboren und führte bis 2008 eine Industrievertretung für Sanitär- und Heizungsprodukte.Das Segeln war lange Zeit ein Hobby für ihn und er ist Inhaber des Sportseeschifferscheins. Seit 2017 steuerte er als Kapitän private Seenotrettungsschiffe, erst für die Organisation Sea Eye, dann für Mission Lifeline, mit der er inzwischen nicht mehr zusammenarbeitet. Reisch hatte in einem Interview mit der "Zeit" erklärt, es gäbe politische Differenzen. Der Verein sei ihm in seinen politischen Äußerungen zu linksradikal. Im Jahr 2018 war Reisch tagelang für den Dresdner Verein Mission Lifeline mit 230 aus Seenot geretteten Flüchtlingen im Mittelmeer gekreuzt. Anfeindungen und Gerichtsprozesse hielten ihn nicht ab, sein Engagement bis heute fortzuführen. Im vergangenen Jahr erschien sein Buch "Das Meer der Tränen".

Quelle: MDR/kh/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.09.2020 | ab 12:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 06.09.2020 | 19:00 Uhr

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