Oberlandesgericht Dresden Prozess um Messerangriff in Dresden - Angeklagter plante in Jugendhaft 2018 schon Anschläge

Prozess gegen Abdullah A. H. H.
Er soll einen homosexuellen Mann mitten in der Dresdner Altstadt einfach niedergestochen haben: Abdullah A. ist wegen Mordes angeklagt. Bildrechte: xcitepress

Der wegen der tödlichen Messerattacke vom Oktober 2020 in Dresden angeklagte Syrer hat in der Jugendhaft gegenüber Mitgefangenen offen über Anschlagspläne nach seiner Entlassung gesprochen. Bei muslimischen Häftlingen warb er für das Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) und reagierte bei Widerspruch aggressiv. Das sagte ein Zeuge am Donnerstag am zweiten Prozesstag am Oberlandesgericht (OLG) Dresden aus. Der Afghane war 2018 in der gleichen Jugendstrafanstalt in Regis-Breitingen wie der Angeklagte. Abdullah A. habe versucht, ihn zum Mitmachen zu bewegen und gesagt, dass es richtig sei, Ungläubige zu töten, sagte der 20-Jährige ehemalige Mithäftling.

Der Angeklagte Abdullah A., der unter dem Verdacht des Mordes und versuchten Mordes steht, hatte in Regis-Breitingen bis Ende September 2020 eine Jugendstrafe verbüßt. Bereits 2018 wurde er wegen Terrorverdachts verhaftet und verurteilt, weil er den IS unterstützte und in Dresden einen Terroranschlag plante. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm jetzt vor, aus radikal-islamistischer Gesinnung heraus im Oktober 2020 zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen in Dresden von hinten niedergestochen zu haben - einer starb, der andere überlebte nur knapp.

Sozialarbeiterin: "Durch Flucht nach Deutschland schnell erwachsen geworden"

Gehört wurden vor Gericht am Donnerstag auch eine Sozialarbeiterin und die Anstaltspsychologin der JVA in Regis-Breitingen. Die Sozialarbeiterin beschrieb Abdullah A. als zerrissene Person: kindlich, instabil und ohne Orientierung, aber durch seine Flucht nach Deutschland auch schnell erwachsen geworden. Er habe unter Druck gestanden, weil er Geld verdienen sollte, um die Familie nachzuholen, erzählte die Frau, die den Syrer in der Untersuchungshaft betreute. Er habe sich einsam, isoliert und ungerecht behandelt gefühlt, an sich gezweifelt und auch von Selbsthass gesprochen.

In Gesprächen freundlich zugewandt, offen, interessiert und reflektiert, sagten zwei in der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen beschäftigte Frauen über den Angeklagten. Er habe sich in die Gruppe eingefügt, aber "blieb eigentlich immer distanziert", habe für sich gearbeitet und nie selbst Kontakt zu anderen gesucht, sagte eine Kunstpädagogin.

Anstaltspsychologin: "Er wollte weitermachen"

Der Anstaltspsychologin habe er gesagt, wie wichtig es für ihn sei, zu arbeiten. Aber es fehlte die Bereitschaft, sich anzustrengen, so die Zeugin. "Er wollte etwas darstellen, suchte nach Anerkennung, auch durch seine Äußerungen über Religion." Die Tat, für die er verurteilt worden war, habe er bagatellisiert. "Er wollte weitermachen."

Homophobe Motive

Die Tat, wegen der Abdullah A. angeklagt ist, ereignete sich am 4. Oktober 2020 mitten in der Dresdner Altstadt. Dort soll er unweit des Kulturpalastes am Altmarkt zwei Männer mit einem Messer attackiert haben. Einer der beiden Opfer, ein 55 Jahre alter Mann aus Krefeld in Nordrhein-Westfalen, starb an den schweren Verletzungen. Sein 53 Jahre alter Lebenspartner überlebte schwer verletzt und tritt nun als Nebenkläger im Prozess auf.

Der 21 Jahre alte Abdullah A. aus Syrien soll aus einem homophoben Motiv gehandelt. Laut Anklage wählte der Syrer die beiden Tatopfer wenige Tage nach seiner Haftentlassung aus, um sie als "ungläubige" Repräsentanten einer offenen Gesellschaftsordnung zu bestrafen.

Quelle: MDR/dpa/bj/kt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | In den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 22. April 2021 | 10:30 Uhr

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