13. Februar 2021 Gedenken und Proteste zum Jahrestag der Bombenangriffe in Dresden

Kerze in der Hand einer Frau, während des Gedenkens an die Zerstörung der Stadt Dresden im Zweiten Weltkrieg
Bildrechte: IMAGO / Robert Michael

Zum Jahrestag des Bombenangriffs auf Dresden vor 76 Jahren erinnert die Stadt coronabedingt mit einer virtuellen Menschenkette an das Ereignis. Unter dem Motto "Wir reichen uns die Hände und bleiben trotzdem zu Hause" hatte Dresden dazu aufgerufen, Fotos im Internet hochzuladen. Sie sollen ab 18 Uhr auf die Fassaden markanter Gebäude entlang der üblichen Strecke der Menschenkette um die Altstadt projiziert werden. Nach Rathausangaben haben sich mehr als 1.200 Menschen an der Aktion beteiligt und ein Bild von sich hochgeladen.

 Menschenkette Normalerweise bildet eine kilometerlange Menschenkette am Gedenktag einen Ring um die Innenstadt. Sie soll ein Zeichen sein für Frieden, Versöhnung, Weltoffenheit und Toleranz, gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus. Die städtische Veranstaltung erinnert an die Luftangriffe der Alliierten zwischen dem 13. und 15. Februar 1945, bei den Schätzungen zufolge rund 25.000 Menschen starben.

Neonazis hatten in der Vergangenheit immer wieder versucht, den Jahrestag zu vereinnahmen. Seit 2010 findet die Menschenkette als friedliches Gedenken am Jahrestag der Angriffe auf die Stadt während des Zweiten Weltkriegs statt.

Gedenken im kleinen Rahmen

Jährlich organisiert die "Arbeitsgruppe 13. Februar" die Veranstaltungen rund um das Gedenken an das zerstörte Dresden. Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich die Arbeitsgruppe dazu entschlossen, dieses Jahr ein Gedenken im kleinen Rahmen stattfinden zu lassen. Neben Ministerpräsident Michael Kretschmer und dem Präsidenten des Sächsischen Landtages, Dr. Matthias Rößler, sollen auch Dresdens Oberbürgermeister, Dirk Hilbert, und die Rektorin der TU Dresden, Ursula M. Staudinger, anwesend sein. Im Anschluss ist ein Gedenkkonzert der Dresdner Philharmonie aus dem Kulturpalast geplant, das per Livestream übertragen wird.

"AG 13. Februar" - Wer ist das?

Die "AG 13. Februar" wurde 2009 erstmals von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz berufen. Sie setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Dresdner Kirchen, der Jüdischen Gemeinde, Politikern, der ehrenamtlichen und zivilgesellschaftlichen Dresdner Erinnerungskultur, der städtischen Kultureinrichtungen, der Gedenkstätten sowie der Vereine, Verbände, Initiativen, Universität und Akteuren aus der Wirtschaft.

Annekatrin Klepsch, Zweite Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur und Tourismus, erklärte: "Das Gedenken an den 13. Februar darf nicht ersatzlos ausfallen. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen wollen wir würdige Veranstaltungen durchführen. An oberster Stelle dabei steht aber die Gesundheit. Gemeinsam mit der "AG 13. Februar" und weiteren Institutionen aus Kultur, Religion und Gesellschaft arbeiten wir daher an pandemietauglichen Konzepten, die in verschiedenen Formen das Gedenken in der Stadt mit einer Vielzahl von Aktionen erlebbar machen wird."

Ausgewählte Veranstaltungen zum Gedenken

ab 8:00 Uhr | Online-Friedensgebet der Frauenkirche

10:00 - 13:00 Uhr | Heidefriedhof | Rolling Angels

12:00 Uhr | Frauenkirche | Wort & Orgelklang mit Zeitzeugenerinnerungen & Versöhnungsliturgie aus Coventry

17:30 - 18:10 Uhr | Altmarkt | "Erinnern, um nicht zu wiederholen!" (Gedenkveranstaltung mit Lichtillumination, virtueller Menschenkette, Grußworten im Livestream, Glockenläuten)

18:00 - 18:10 Uhr, danach stündlich bis 22:10 Uhr | Projektion der digitalen Menschenkette (Synagoge, Frauenkirche, Kreuzkirche, Rathaus, Schauspielhaus und Staatskanzlei)

Proteste gegen AfD und Vereinnahmumg des Gedenktages durch Rechtsextreme

Neben Veranstaltungen der Kirchen und der "AG 13. Februar" sind auch einige Versammlungen im Stadtgebiet geplant. So hat unter anderem die AfD eine Veranstaltung für den Abend auf dem Altmarkt angemeldet - ebenso wie ihre Jugendorganisation. Außerdem liegt dem Ordnungsamt eine Anmeldung mit dem Thema "Feierstunde zu Ehren der Dresdner Luftkriegstoten des 13. Februars 1945" vor. Laut der Organisation "Dresden Nazifrei" handelt es sich bei dem Anmeldung um NPD-Politiker Maik Müller.

Bereits in der Vergangenheit hatten Rechtsextremisten immer wieder versucht, den Jahrestag der Zerstörung für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Gruppen wie "Dresden Nazifrei", "URA" ("Undogmatische radikale Antifa"), die "Grüne Jugend Dresden" und die Jusos Dresden haben deshalb zum Gegenprotest aufgerufen. In einer entsprechenden Mitteilung dazu heißt es: "Wir rufen alle Menschen der Region Dresden dazu auf, gemeinsam mit uns den Nazis - unter Wahrung aller Corona-Schutzmaßnahmen - die Plätze und Straßen zu nehmen, ihnen keinen Raum zu geben und auch online ihren Protest kundzutun." Das gemeinsame Ziel sei es, den Neonazis nicht die Deutungshoheit über den 13. Februar zu überlassen, ihren Aktionsradius so weit wie möglich einzuschränken und sie nicht marschieren zu lassen.

Um alle Veranstaltungen abzusichern, wird die sächsische Polizei bei ihrem Einsatz von der Bereitschaftspolizei, Beamten aus Sachsen-Anhalt und der Bundespolizei unterstützt.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2021 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

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