Berufsorientierung Girls Day in Ottendorf-Okrilla: Wenn 11-Jährige Bagger fahren

Der Girls & Boys Day will das Klischee von Männer- und Frauenberufen aufweichen. Ein Ottendorfer Bauunternehmer hat deswegen am Donnerstag zum Baggerfahren eingeladen.

Elli Zimmermann
Elli Zimmermann sitzt schon das zweite Mal in ihrem Leben im Bagger - und kann sogar Traktor fahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aufsteigen, kurze Einweisung und schon kann es losgehen. Für Elli Zimmermann ist das Bedienen des Minibaggers ein Höhepunkt des Tages. Zwar saß Sie schon als Dreijährige das erste Mal auf dem Bagger, der Traumberuf aber war dann doch eigentlich ein anderer.

Elli hat am Donnerstag am bundesweiten Aktionstag "Girls & Boys Day" teilgenommen. Dabei soll bei Mädchen Interesse an "typischen" Männerberufen geweckt und Jungs sollen "typische" Frauenberufe schmackhaft gemacht werden. Beteiligt sind auch einige Unternehmen aus Sachsen wie zum Beispiel das Tiefbauunternehmen Heinz Lange Bauunternehmen GmbH aus Ottendorf-Okrilla.

"Das war übelst cool!"

Konzentriert und sicher wirkt die 11 Jahre alte Elli, während sie Sand mit der großen Schaufel aufnimmt und an anderer Stelle wieder ablädt. "Ich durfte Bagger fahren, das war übelst cool, ich bin froh, dass ich hierher gekommen bin, die sind alle freundlich, nett, hilfsbereit“, schwärmt die Schülerin im Gespräch mit MDR SACHSEN. Über ihre Schule kam das Angebot zum Girls-Day auf der Baustelle. Lange überlegen musste sie nicht. Bauen sei ohnehin ihre Welt.

Mir macht es einfach Spaß zu bauen. Ich fahre auch allein Traktor. Jetzt mit dem Bagger herumzuschaufeln ist ein großer Traum von mir.

Elli Zimmermann Schülerin, 11 Jahre

Einweisung bekommt Elli von Dorian, seines Zeichens Baggerführer. Er ist zufrieden mit der Leistung der Nachwuchsbauarbeiterin. "Eigentlich wollte ich Ärztin werden. Doch da ich jetzt auf der Oberschule gelandet bin, müsste ich noch einmal auf das Gymnasium wechseln, Abitur machen und danach studieren. Dann könnte ich erst mit etwa 30 Jahren anfangen zu arbeiten. Da kann ich mir den Job als Baggerfahrerin besser vorstellen – und bauen ist eh' meine Welt", erklärt Elli Zimmermann.

Auch andere Mädchen sind auf der Baustelle und wollen sich im Bagger fahren üben. Eines der anderen Mädchen macht sich bereit, während Elli aus der Fahrerkabine des Baggers klettert. Ein Strahlen im Gesicht:

Ich freue mich auf die ganzen Baustellen. Vor allem freue ich mich, weil die Leute hier alle so nett sind. Wenn hier alle eingebildet wären, nichts erklären und rummeckern würden, wenn man mal etwas falsch macht, hätte ich überhaupt keinen Bock auf den Tag. Aber so ist es cool hier.

Elli Zimmermann Schülerin, 11 Jahre

Girlsday zur Nachwuchsfindung

Begleitet werden die Mädchen von Jeanette Lange. Sie ist die Geschäftsführerin des Tiefbauunternehmens Heinz Lange. Der Betrieb bildet aus, der Girls-Day ist demnach eine gute Chance Nachwuchs zu finden: "Der Girls'Day ist für uns eine Möglichkeit, Auszubildende und Interessenten für duale Ausbildungsgänge zu finden und für den Berufszweig zu gewinnen", sagte Lange.

Hochschule Zwickau hat Girls- und Boys Day ins Internet verlagert

Auch die Westsächsische Hochschule Zwickau nutzt den traditionellen Girls- und Boys Day zur Berufsorientierung. Wegen der Corona-Pandemie hat die Hochschule betreffende Online-Veranstaltungen ins Internet verlagert. Mädchen können sich hier über technische Studienrichtungen informieren, Jungen über Sprachen und Sozialmanagement und Gesundheitswirtschaft.

Seit 2001 findet deutschlandweit im April der jährliche Girls & Boys Day statt. Der ursprüngliche Girls Day kommt aus den USA. Hier besuchen Schülerinnen seit 1993 die Arbeitsplätze ihrer Eltern, um Ideen für die eigene Berufswahl zu sammeln.

Quelle: MDR/SSP/kt

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