Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Am Alberthafen sollen noch mehr Sattelauflieger auf Züge verladen werden. Dafür wird in den Ausbau investiert. Bildrechte: MDR/L. Müller

BilanzHäfen in Sachsen: Auf der Oberelbe fehlen Schiffe

von Lars Müller, MDR SACHSEN

Stand: 01. Februar 2023, 18:19 Uhr

Container mit chinesischer Aufschrift und Sattelauflieger einer österreichischen Spedition - der Alberthafen an der Elbe in Dresden wirkt international. Was an diesem stürmischen Wintertag nicht zu sehen ist, ist ein Binnenschiff. Den meisten Umsatz machen die Häfen inzwischen mit Lastwagen- und Güterzugumschlag. Dennoch soll der Fluss als Transportweg langfristig genutzt werden - aktuell sind Frachtschiffe auf der Oberelbe aber rar.

Das Jahr 2022 war für die Häfen an der Oberelbe ein herausforderndes. Die anhaltende Corona-Pandemie und der Krieg Russlands gegen die Ukraine hätten zu Verwerfungen in traditionellen Lieferketten geführt, sagte der Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO), Heiko Loroff. Manche Fracht sei verspätet gekommen, andere Container seien gleich weiträumig umgeleitet worden und machten gar nicht erst auf den Binnenhäfen Station.

Zum SBO-Verbund gehören der Alberthafen Dresden sowie die Häfen Riesa, Torgau, Mühlberg, Děčín, Lovosice und Dessau-Roßlau. Insgesamt seien in den Häfen 2,96 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen worden. Das ist den Angaben zufolge zwar das drittbeste Ergebnis seit 1990, jedoch entspricht die Umschlagmenge einem Rückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Jahr 2021.

Tschechische Reederei verkauft: Schiffe anderweitig unterwegs

Der Hafenverbund setzt auf sogenannte Trimodalität - also auf den Gütertransport mit Binnenschiffen, Eisenbahn und Lastwagen. Alle drei Sparten seien wichtig, betont Loroff. Allerdings liegt die Transportmenge auf der Straße vor der auf der Schiene und deutlich vor der auf dem Wasser. Ein Problem auf dem Fluss: Auf der Oberelbe fehlt sogenannter Schiffsraum zum Transport der Güter.

Der Hafenverbund reicht von Roßlau bis nach Tschechien. Bildrechte: MDR/Thorsten Kügler

Ein Grund liege darin, dass die größte tschechische Reederei von einem international agierenden Logistikkonzern übernommen worden ist. Die Schiffe seien samt Besatzungen auf offenbar lukrativere Flüsse verlegt worden, räumt die SBO ein. Es gebe auch keine kleineren Schiffseigner mehr. Flussschiffe unter Familienregie würden meist im Auftrag großer Firmen fahren und von diesen gechartert.

Wer auf der Elbe einen Schubverband - hier bei Coswig im Kreis Meißen - entdeckt, hat schon etwas Glück. Viele Binnenschiffe für den Güterverkehr gibt es auf der Oberelbe nicht mehr. (Archivbild) Bildrechte: MDR/L. Müller

Elbe zwei Jahre ohne Unterbrechung schiffbar

In den Jahren 2021 und 2022 konnte die Elbe immerhin ohne größere Unterbrechungen durch Niedrigwasser, Hochwasser oder Eisgang genutzt werden. Nicht zuletzt deshalb und aus Gründen der Umweltfreundlichkeit von Schiffstransporten halte auch Sachsen als Gesellschafter der SBO an der Elbe als Transportweg fest, sagte Stephan Berger vom sächsischen Wirtschaftsministerium. Wie genau aber mehr Reedereien zurück auf die Oberelbe geholt werden können, diese Frage blieb offen.

Schiffe sind ein seltenes Bild im Alberthafen von Dresden. (Archivbild) Bildrechte: SBO
Güterumschlag des Hafenverbunds
 BinnenschiffEisenbahnLkw
Jahr 202253.876 Tonnen1,35 Millionen Tonnen1,55 Millionen Tonnen
Jahr 202176.669 Tonnen1,26 Millionen Tonnen1,82 Millionen Tonnen

Trailerport: Zahl der Sattelauflieger soll verdoppelt werden

Hafenchef Loroff erklärte, Ziel bleibe es, mehr Güter von der Straße zu holen. Ein Projekt hierfür ist der sogenannte Trailerport. Hierbei werden komplette Sattelauflieger von Lastwagen auf Spezialwaggons der Eisenbahn verladen und aktuell zum Seehafen Rostock und ins rumänische Curtici transportiert.

Der Trailerport soll in diesem Jahr ausgebaut werden, hierfür wird für rund fünf Millionen Euro eine neue Fläche im Süden des Dresdner Alberthafens umgebaut und neue Verladetechnik angeschafft. Die Hafenleitung versucht nach eigenen Angaben, neue Zugverbindungen über die Alpen nach Italien sowie ins Ruhrgebiet über Dresden zu etablieren und will damit einen Beitrag leisten, damit Lastwagen von den Autobahnen auf die Schiene kommen.

Die Verladung von Sattelaufliegern auf Eisenbahnwaggons soll im Dresdner Alberthafen verdoppelt werden. Bildrechte: MDR/L. Müller

Aktuell werden zwölf Züge pro Woche im Alberthafen be- und entladen, wobei jährlich rund 25.000 Lkw-Trailer umgeschlagen werden. Diese Menge soll verdoppelt werden. Bis Jahresende bremsen im grenzüberschreitenden Verkehr nach Tschechien noch Bauarbeiten im Elbtal den Zugverkehr aus.

Mitarbeitende für Hafenbetriebe gesucht

Das tschechische Tochterunternehmen Česko-saské přístavy hat im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen Euro in die Infrastruktur seiner beiden Häfen investiert. 25 Mitarbeiter werden dort beschäftigt, in Sachsen hat die SBO 111 Beschäftigte - es würden weitere Mitarbeitende gesucht. Trotz der Schwierigkeiten im Güterverkehr 2022 konnte die SBO einen Gewinn von einer halben Million Euro erzielen, der in den Ausbau des Trailerports fließen soll.

Der Hafenverbund betreibt keine eigenen Züge, keine eigenen Lastwagen und auch keine eigenen Binnenschiffe. Laut Geschäftsführung soll das auch so bleiben. Man sei Umschlagplatz und Zwischenlager, aber kein Transportunternehmen, hieß es.

Zum Vergleich: Hafen DuisburgDuisburg am Niederrhein gilt als größter Binnenhafen der Welt. Pro Jahr werden dort mehr als 20.000 Schiffe und 25.000 Züge abgefertigt und mehrere Millionen Container umgeschlagen.Duisburger Hafen AG

Mehr zum Thema

MDR

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Dresden | 01. Februar 2023 | 16:30 Uhr