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Je früher Hautkrebs erkannt wird, desto besser kann er behandelt werden. Die beste Vorsorge bleibt aber das Vermeiden von langen Aufenthalten in der Sommerhitze. Bildrechte: dpa

GesundheitMehr als nur Sonnencreme: Das muss man über Hautkrebs-Vorsorge wissen

von MDR SACHSEN

Stand: 08. August 2022, 17:45 Uhr

In Sachsen und in Deutschland gehört Hautkrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Besonders der Klimawandel, unser Lebensstil und eine alternde Bevölkerung sorgen für steigende Fallzahlen. Dank immer besserer Therapiemöglichkeiten sind heutzutage aber selbst die gefährlichsten Hautkrebsarten relativ gut behandelbar. Doch die Vorsorge bleibt das beste und einfachste Mittel gegen Hautkrebs.

In diesen Wochen gibt es kaum einen Tag, an dem die Sonne nicht unentwegt und ungestört den Planeten aufheizt. Neben Waldbränden und Trockenheit zeigen die Sonnenstrahlen noch woanders ihre Wirkung: Auf der Haut. Der schwarze Hautkrebs ist die fünfhäufigste Krebserkrankung in Deutschland – bisher. "In unserem Hauttumorzentrum steigen die Patientenzahlen enorm", sagt Prof. Dr. Friedegund Meier vom Uniklinikum Dresden. Seit 2014 stieg die Zahl der Patienten mit schwarzem Hautkrebs im Uni-Klinikum jährlich um rund 15 Prozent.

Warum es immer mehr Hautkrebsfälle gibt

Auf Nachfrage des MDR SACHSEN teilte das sächsische Gesundheitsministerium mit, dass zwischen 2009 und 2019 die Neuerkrankungsfälle bei weißem Hautkrebs bei Männern um 80 Prozent stiegen und bei Frauen um 64 Prozent. Beim schwarzen Hautkrebs, der häufiger lebensbedrohliche Metastasen bildet, ist ein Wachstum von 43 Prozent bei Männern und 32 Prozent bei Frauen zu beobachten. Das Gesundheitsministerium sieht den Anstieg aber vor allem in veränderten Meldepflichten begründet, heißt es.  

Laut Dr. Meier ist die Bürokratie aber nicht der Hauptgrund für die höheren Fallzahlen. "Die wichtigsten Faktoren, die generell zur Zunahme von Hautkrebs weltweit führen, die alternde Bevölkerung, mehr Urlaube in warmen Ländern, das Schönheitsideal gebräunte Haut und der Besuch von Solarien." 

Prof. Dr. Friedegund Meier beobachtet im Hauttumorzentrum des Uniklinikums Dresden steigende Patientenzahlen. Die Entwicklung hat ihrer Meinung nach mehrere Gründe. Bildrechte: Uniklinikum Dresden

Auch der Klimawandel spiele eine entscheidende Rolle. Die Erderwärmung und Treibhausgase beeinflussen die Ozonschicht und damit die Belastung durch UV-Strahlung. "Der Klimawandel wird definitiv die Häufigkeit von Hautkrebserkrankungen erhöhen", sagt Dr. Meier. Die Auswirkungen spüren gerade Berufsgruppen, die viel draußen sind wie Landwirte, Gärtner oder Bauarbeiter.   


Unterschied zwischen weißen und schwarzem Hautkrebs.Der weiße Hautkrebs geht von der Basalzellschicht der Haut aus und bildet nur sehr selten Metastasen. Eine Behandlung ist daher oft einfacher. Jährlich erkranken etwa 200.000 Menschen in Deutschland an weißem Hautkrebs. Ein schwarzer Hautkrebs ist dahingehend gefährlicher. Die Krebszellen breiten sich oft rasch im Körper aus, Metastasen sind die Folge. Rund 23.000 Menschen bekommen in Deutschland jährlich diese Hautkrebsdiagnose.Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums

Wie man sich vor Hautkrebs schützt  

Aufgrund der äußeren Faktoren ist der beste Schutz vor Hautkrebs recht naheliegend: Die Sonne meiden. Gerade zwischen 11 und 15 Uhr strahlt die Sonne am intensivsten und gefährlichsten, sagt Dr. Meier.

Wenn es nicht unbedingt sein muss, sollte man lange Aufenthalte in der Mittagshitze lieber unterlassen. "Wenn wir uns aber der direkten Sonne aussetzen, sollte man immer eine Kopfbedeckung tragen, Sonnenbrille aufsetzen, am besten ein Kleidungsstück, was den Hals, die Arme schützt und auch eine lange Hose. Die muss nicht dick sein."

Die Lichtschutzcreme ergänzt den Sonnenschutz an den Stellen, wo keine Kleidung schützen kann wie Gesicht oder Händen. Bereits im Kinder- und Jugendalter sei es wichtig diese Regeln zu internalisieren, sagt die Hautkrebs-Spezialistin.  

"Die Anzahl der Sonnenbrände bestimmt das Risiko, das wir im weiteren Verlauf ein Melanom entwickeln können." Früher viel ungeschützt in der Sonne herumgelegen zu haben, kann sich also später rächen.

So funktioniert die Selbstuntersuchung

Bereits vor dem Besuch eines Hausarztes, kann jeder selbst seine Haut auf mögliche Veränderungen untersuchen. Besonders auf Leberflecken und Muttermale ist zu achten - aus ihnen können sich bösartige Tumore entwickeln. Die sogenannte ABCDE-Regel hilft bei der Einschätzung von Leberflecken und anderen Hautflecken:  

  • A - Asymmetrie: ein (neuer) dunkler Hautfleck tritt auf mit ungleichmäßiger Form
  • B - Begrenzung: der dunkle Hautfleck hat verwischte Konturen mit gezackten, unebenen oder rauen Rändern
  • C - colour: ein Hautfleck mit unterschiedlichen Färbungen wie helleren und dunkleren Bereichen
  • D - Durchmesser: An der breitesten Stelle ist der Hautfleck größer als 5 Millimeter  
  • E - Evolution: Der neue Hautfleck verändert sich innerhalb von wenigen Monaten nochmal

Wenn bereits einer der Faktoren zutrifft, ist ein Termin beim Hausarzt zu empfehlen. Wenn keine Hautärztin in der Nähe verfügbar ist, kann man sich auch an die Kassenärztliche Vereinigung wenden.

Über die Nummer 116117 erreicht man die regionalen Terminservicestellen, die einem weiterhelfen können. Alternativ lässt sich auch online ein Termin machen. Gesetzlich Versicherte können sich außerdem alle zwei Jahre über ein Hautkrebsscreening untersuchen lassen, wenn sie 35 Jahre oder älter sind. Die Kosten für das Screening übernimmt die jeweilige Krankenkasse.

Ein Melanom (schwarzer Hautkrebs) gehört zu den gefährlichsten Hautkrebserkrankungen. Mittlerweile hat sich die Behandlung aber enorm verbessert. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Enorme Fortschritte in der Behandlung

Heute stehen der Medizin viele Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um Hautkrebs zu bekämpfen. Glich vor 10 Jahren ein fortgeschrittener, schwarzer Hautkrebs einem Todesurteil, sieht die Lage heute schon ganz anders aus, erklärt Dr. Meier. "Die Hälfte der Patienten mit stark metastasierenden Melanom überleben mit Therapien sechs Jahre und länger."  

Neue Medikamente wie Hemmungstabletten, Strahlentherapie und Immuntherapie können Patienten helfen, selbst wenn eine operative Entfernung nicht in Frage kommt.    

Die beste Therapie bleibt aber die Vorsorge – auch eine noch so vorsichtige. Je früher Fachkräfte eingreifen können, desto besser können sie helfen. Wenn ein schwarzer Hautkrebs in einem frühen Stadium ohne Metastasen gefunden wird, liegt die Überlebenschance bei fast 100 Prozent.  

"Ich kann nur appellieren, möglichst früh neu aufgetretene Hautveränderungen Ärzten zu zeigen, sagt Dr. Meier. "Weil die Behandlung in diesem Stadium wenig belastend und meistens erfolgreich ist."

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MDR (mad)

Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 02. August 2022 | 17:15 Uhr