Halbleiterindustrie Bosch eröffnet Halbleiterwerk in Dresden

Für den Wirtschaftsstandort Sachsen ist es ein Meilenstein: Bosch hat sein neues Halbleiter-Werk im Norden von Dresden fertiggestellt und will nun mit der Produktion loslegen. Für den Branchenverband Silicon Saxony ist das Grund zur Euphorie, denn die sogenannte Zukunftsfabrik könnte mehr Tech-Firmen nach Sachsen locken. An der heutigen Eröffnung des Werkes nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teil - allerdings nur virtuell.

Ein Mann in weißem Overall und Handschuhen steht vor einem transparenten Bildschirm und berührt ihn, der Hintergrund ist gelb.
Das Werk der Zukunft: Im sogenannten Reinraum arbeitet einer der Ingenieure. Bildrechte: Bosch

Die Robert Bosch GmbH hat am Nachmittag in Dresden eine neue Halbleiterfabrik offiziell eröffnet. An der digitalen Eröffnungsfeier nahmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer teil. Geplant war zudem eine Führung durch die neue Wafer-Fabrik und den Reinraum - coronabedingt allerdings ebenfalls virtuell.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte bei der Eröffnung, die weltweite Halbleiter-Knappheit sei ein "Bremsschuh für das Wirtschaftwachstum auch in Deutschland." In jedem Fall würden die Engpässe die wirtschaftliche Erholung nach der Krise erschweren, so Merkel.

Chips für das Internet der Dinge made in Dresden

Bosch wird hier zukünftig vor allem Chips für das sogenannte Internet der Dinge und die Autoindustrie herstellen. Nach Unternehmensangaben ist das neue Hightech Werk das erste seiner Art. Es handle sich um ein 5G-fähiges digitales Gebäude. Mithilfe spezieller Ausstattung sollen Halbleiterbauelemente entstehen. Der Verkauf der ersten Chips sei für Mitte 2022 geplant.

Halbleiterfabrik von Bosch
Eine Milliarde Euro hat Bosch investiert. Bildrechte: dpa

Für den Bau der Fabrik habe das Unternehmen rund eine Milliarde Euro investiert. Das gilt als größte Einzelinvestition in der 130-jährigen Firmengeschichte. Derzeit beschäftigt Bosch rund 250 Mitarbeiter in Dresden. Nach Unternehmensangaben soll es in Zukunft bis zu 700 Arbeitsplätze am Standort geben.

Internet der Dinge

Das sogenannte Internet der Dinge verbindet Objekte mit der virtuellen Welt. So lassen sich beispielsweise Lautsprecher, Kühlschränke, Heizungen, Waschmaschinen oder Garagentore miteinander und dem Internet verbinden. Sie funktionieren auf zwei Arten: Relevante Informationen aus der Umgebung werden erfasst, analysiert und führen dann dazu, dass ein Gerät eine bestimmte Funktion ausführt, ohne dass eine nutzende Person aktiv eingreift. Allerdings können Nutzende die Geräte auch über das Internet steuern.

Um die Technik zu ermöglichen, wird in den Geräten teilweise komplexe Technik verbaut – darunter auch Mikrochips.

Bosch Halbleiter-Werk in Dresden
Rund drei Jahre hat der Bau des Werkes im Norden Dresdens gedauert. Bildrechte: Bosch

Bosch-Werk in Dresden Das Halbleiter-Werk in Dresden ist in rund drei Jahren Bauzeit entstanden und steht auf einem rund 100.000 Quadratmeter großen Grundstück, was in etwa der Größe von 14 Fußballfeldern entspricht. Im mehrstöckige Gebäude sind sowohl Büro- also auch Labor- und Produktionsbereiche angesiedelt. Die Chipfertigung verläuft hochautomatisiert. Die Mitarbeitenden sind vor allem für die Planung der Produktion sowie das Steuern und Überwachen der Maschinen zuständig.

Branchenverband hofft auf weitere Ansiedlungen

Der sächsische Hightech-Branchenverband "Silicon Saxony" hofft mit der Eröffnung der Halbleiterfabrik auf eine Signalwirkung für den Standort. "Wir sind immer an der Ansiedlung weiterer Unternehmen interessiert und unterstützen sie zusammen mit der Wirtschaftsförderung", sagte Frank Bösenberg von Silicon Saxony. Er sprach von einem "weiteren Höhepunkt" in der Entwicklung des Unternehmensnetzwerkes in den vergangenen zehn Jahren. Die Region habe sich zu einem der bedeutendsten Standorte für Mikroelektronik in Europa entwickelt.

Weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandorts

Geht es nach Bösenberg, kann es nun so weitergehen. Denkbar wäre beispielsweise eine Ansiedlung des Chipherstellers Intel. Das Unternehmen hatte jüngst den Ausbau seiner Kapazitäten in Europa angekündigt. Bereits angesiedelte Firmen planen inzwischen den Ausbau ihrer Werke. So hat der Halbleiterhersteller Globalfoundries angekündigt, mehr als 400 Millionen Euro zu investieren. Infineon will ebenso in Dresden wachsen und plant in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro.

Läuft für Dresden - Stadt schafft notwendige Infrastruktur

Ein langgezogener Raum mit technischen Geräten an beiden Seiten in einem gelben Licht.
Die Beleuchtung des Reinraums besteht aus speziellem Gelblicht. Es enthält keine UV-Strahlen. Dadurch wird verhindert, dass bestimmte Elemente unbeabsichtigt belichtet werden. Bildrechte: Bosch

Gegen Wirtschaftswachstum hat auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert nichts einzuwenden. Anlässlich der Bosch-Eröffnung verwies er auf die jüngsten Nachrichten aus der Wirtschaft - den Ankündigungen von Vodafone und Jenoptik, sich ebenfalls in Dresden zu engagieren. Für Hilbert ist das - neben den guten Voraussetzungen durch Forschung und Lehre - auch ein Ergebnis städtischer Wirtschaftsförderung. Im Dresdner Norden habe die Stadt mit Partnern massiv investiert, um beispielsweise die Kapazitäten für die Trinkwasser- und Stromversorgung zu erhöhen. "Das Zusammenspiel zahlreicher Unternehmen, Institute und Startups macht Dresden zu einem der führenden Hochtechnologiestandorte Europas. In Dresden ist die Zukunft zu Hause", so Hilbert.

Ein Mitarbeiter spiegelt sich in der Halbleiterfabrik von Bosch im Reinraum in einem 300-Millimeter-Wafer.
Bildrechte: dpa

Was ist Silicon Saxony? In Anlehnung an das "Silicon Valley" in den USA ist in Sachsen vom "Silicon Saxony" die Rede. Der Verein hat nach eigenen Angaben rund 350 Mitglieder und ist damit das größte Hightechnetzwerk Sachsens und eines der größten Mikroelektronik- und IT-Netzwerke in Deutschland und Europa. Anspruch sei es, Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen und Universitäten, Forschungsinstitute, öffentliche Einrichtungen sowie branchenrelevante Startups am Wirtschaftsstandort Sachsen und darüber hinaus miteinander zu verbinden. Der Verein wurde im Jahr 2000 gegründet.

Laut dem Branchenverband sind derzeit rund 2.500 Unternehmen mit mehr als 70.000 Beschäftigten in der Branche tätig. Allein in den letzten drei Jahren sind demnach knapp 5.000 Beschäftigte hinzugekommen - nicht nur in Mikroelektronik, sondern auch im Bereich Software.

Quelle: MDR/kp/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 07. Juni 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

H.E. vor 1 Wochen

Es ist wichtig und richtig die neue Halbleiterfabrik in Dresden. Sollen wir immer mehr von den Chinesen abhängig werden, die überall, wo es für sie interessant ist, auch in Deutschland hineindrängen.
Man sieht doch jetzt genau, wie gejammert wird und Firmen in Kurzarbeit geschickt werden, nur weil nicht ausreichend Nachschub aus Asien kommt.

Zeitgeist vor 1 Wochen

Schön für Bosch, der Freistaat Sachsen oder Bund gibt sicher ein paar Groschen, auch von meinen Steuerabgaben dazu.
Ob der Laden dort steht oder nicht. Es bringt mir persönlich keinen
Pfennig Vorteil ein.

Peter vor 1 Wochen

Sehr geehrter Herr Leistner: Welche Nörgler meinen Sie?
Etwa Die, die meinen, in dem Land ginge sowieso alles den Bach runter?
Oder Die, die meinen, global agierende Unternehmen wie Bosch sind grundsätzlich abzulehnen?
Oder Die, die meinen, in Ostdeutschland würden sich nur Unternehmen im Billiglohnbereich ansiedeln?
Na ja, eigentlich sind das alles die gleichen Nörgler.

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