Russlandsanktionen Handelsbeziehungen zwischen Sachsen und Russland unter Druck

Symbolbild zur Russlandsanktionen
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland könnten für Sachsen langfristig gravierende Folgen haben. Zu dieser Einschätzung kam am Dienstagnachmittag die Wissenschaftlerin Marina Steininger vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung im Fachausschuss Außenwirtschaft der Dresdner Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Wirtschaftswissenschaftlerin legte dar, dass mit zunehmender Dauer der Sanktionen die Wahrscheinlichkeit steige, dass Russland frühere Importe nicht nur durch eigene Produkte ersetze, sondern sich auch neue Handelspartner wie zum Beispiel China und Korea suche.

Unsicherheit schreckt neue Unternehmen ab

"Die bestehenden Unsicherheiten tragen zudem dazu bei, dass auf längere Sicht kaum neue Unternehmen in den Handel mit Russland einsteigen werden", sagte die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin. Im Auftrag von mehreren IHKn und der Außenhandelskammer Russlands hatte Steininger gemeinsam mit Kollegen eine volkswirtschaftliche Studie zu den Russlandsanktionen erstellt, die mittlerweile seit sechs Jahren in Kraft sind. Die EU hatte die Wirtschaftssanktionen 2014 als Reaktion auf die Annexion der Krim verhängt.

Sachsen würde von Aufhebung besonders profitieren

Steininger kam zu dem Schluss, dass Sachsen sowie der gesamte Osten Deutschlands aufgrund der Tiefe der Handelsbeziehungen besonders von der Abschaffung der Sanktionen profitieren würde. Insbesondere dem verarbeitenden Gewerbe sowie dem Maschinen- und Fahrzeugbau würde es nützen. Zu ähnlichen Ergebnissen war im vergangenen Jahr bereits der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft gekommen. Der legte dar, dass der gesamte Handel zwischen Deutschland und Russland von 2013 bis 2019 um 25 Prozent eingebrochen sei. Das Minus im Osten aber 40 und in Sachsen gar 70 Prozent betragen habe.

Ottendorfer Unternehmer kritisiert Sanktionen

Einer der Russland aus langjähriger eigener Erfahrung kennt, ist Lutz Reinhardt von der Firma ADZ Nagano GmbH aus Ottendorf-Okrilla. Das Unternehmen stellt Druck- und Temperatursensoren her, die unter anderem in den Bremsen der Moskauer- und St. Petersburger Metro sowie in russischen Lkw und Flugzeugen eingebaut werden. Als jemand, der mit ADZ Nagano seit 22 Jahren auf dem russischen Markt aktiv ist, sagte er im IHK-Außenwirtschafts-Ausschuss: "Die Sanktionen bringen weder der EU etwas noch Russland. Die Einzigen, die etwas davon haben, sind die USA."

Russland sucht sich Alternativen

Russland gerate nicht unter Druck. Dennoch verändere sich das Geschäft. "Einen großen Einfluss, ob ein Geschäft zustande kommt, hat der Rubelkurs und das Bestreben der russischen Regierung, Exporte gegen eigene Erzeugnisse auszutauschen", sagte Reinhardt und fügte an: "In unserem Bereich ist das aber nicht so leicht möglich. Ein Eisenbahnbremssystem lässt sich nicht kurzfristig ersetzen." Darüber hinaus habe er langjährige persönliche Beziehungen nach Russland aufgebaut, die dort im Geschäftsleben entscheidend seien. Er sei optimistisch, die Geschäfte fortsetzen und ausbauen zu können.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN Wie russisch ist der Osten? | 26. November 2020 | 20:15 Uhr im MDR FERNSEHEN

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen