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Bisher gab es nur eine Jüdische Gemeinde in Dresden. Nun hat sich eine weitere gegründet. Bildrechte: dpa

Religion

Kritik nach Neugründung von Jüdischer Gemeinde in Dresden

von MDR SACHSEN

Stand: 08. Oktober 2021, 19:17 Uhr

Eigentlich sind Jüdische Gemeinden in Deutschland nach dem Prinzip der Einheitsgemeinden organisiert. Verschiedene Strömungen versammeln sich unter einem Dach. Eine neu gegründete Dresdner Gemeinde weicht nun von dieser langjährigen Praxis ab. Die Vertreter der bisher allein existierenden Gemeinde zeigen sich "erstaunt".

Die Jüdische Gemeinde in Dresden kritisiert die Gründung einer neuen Jüdischen Kultusgemeinde in der Landeshauptstadt. Dass der ehemalige Dresdner Gemeinderabbiner Akiva Weingarten nunmehr selbst eine jüdische Gemeinde gegründet habe, erstaune sehr, hieß es in einer Erklärung, die gemeinsam mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und dem sächsischen Landesrabbiner Zsolt Balla verbreitet wurde.

Praxis von Einheitsgemeinden in Deutschland

Darin verweisen die Verantwortlichen auf die gelebte Praxis der Einheitsgemeinden in Deutschland. Demnach hat jede Stadt oder Gemeinde, in der ausreichend viele Juden und Jüdinnen leben, eine Einheitsgemeinde. Unter deren Dach würden sich verschiedenen Strömungen von orthodox über konservativ bis hin zu liberal organisieren.

Wir sind damit mit einer aktuellen Entwicklung konfrontiert, die wir zunächst in unseren Gremien beraten und beurteilen müssen.

Auszug aus der Mitteilung der Jüdischen Gemeinde in Dresden

Neue Gemeinde startet mit 72 Frauen und Männern

Die Jüdische Gemeinde zu Dresden als Einheitsgemeinde und Körperschaft des öffentlichen Rechts hat den Angaben zufolge 730 Mitglieder. Gemeindemitglieder würden an Veranstaltungen anderer jüdischer Gruppen und Initiativen teilnehmen und deren Angebote nutzen, hieß es. Dass dies automatisch eine Mitgliedschaft bei anderen "jüdischen Gemeinden" bedeuten würde, könne der Landesverband weder erkennen noch bestätigen. Am Freitag hatte die Jüdische Kultusgemeinde Dresden ihre Gründung bekanntgegeben. Ihr gehören nach eigenen Angaben 72 Frauen und Männer an. Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden ist demnach Akiva Weingarten.

Dresden statt Nürnberg

Weingarten war bis August Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Dresden und wollte eigentlich als Oberrabbiner in die Israelitische Kultusgemeinde nach Nürnberg wechseln. Er habe entschieden, "seine wichtige Arbeit in Dresden fortzusetzen" und werde deshalb das ihm angebotene Amt als Oberrabbiner in Nürnberg nicht antreten, hieß es nun.

Die neue Gemeinde wurde den Angaben zufolge am 30. September gegründet. Auf ihrer Internetseite spricht die neue Gemeinde von einer "lebendigen und spirituellen Gemeinschaft, die sich der Feier unseres Glaubens und unserer Traditionen verschrieben hat". Die orthodoxe Jüdische Religionsgemeinde in Dresden, die nach eigenen Angaben rund 350 Mitglieder zählt, begrüßte die Neugründung. Die Dresdner Einheitsgemeinde ist seit 2001 in der Neuen Synagoge mit angrenzendem Gemeindezentrum zu Hause.

Quelle: MDR/sth/epd

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