Lampenfieber? Tiefenentspannte Schüler aus Dresden im Bundesfinale von "Jugend forscht"

Sie haben sich in regionalen Wettbewerben geschlagen und auf Landesebene durchgesetzt. Heute beginnt für sechs Schülerinnen und Schüler in Sachsen das Bundesfinale im Wettbewerb "Jugend forscht". MDR SACHSEN hat mit zwei Finalisten aus Ostsachsen gesprochen. Die beiden Abiturienten stecken gerade in den mündlichen Prüfungen, eine Finalistin hat am Sonnabend auch noch den Medizinertest fürs Studium vor sich.

Eine Schülerin lacht in die Kamera. Im Hintergrund ist ein Meßgerät zu sehen, das die junge Frau selbst erfunden und gebaut hat. Es ist die Abiturientin Saramaria Schreib, die im St.-Afra-Gymnasium Meißen lernt.
Saramaria Schreib aus Dresden hätte ihre Erfindung lieber live und im Gespräch mit Menschen vorgestellt. Wegen der Pandemie präsentiert sie sich im Online-Wettbewerb per Videoschalte. Bildrechte: Stiftung Jugend forscht e. V.

Für sechs Schülerinnen und Schüler aus den Regionen Leipzig und Dresden hat am Mittwoch das Bundesfinale im Wettbewerb "Jugend forscht" begonnen. Wegen der Corona-Pandemie ist die 56. Endrunde diesmal eine virtuelle Konferenz. Die Nachwuchsforschenden im Alter von 14 bis 18 Jahren müssen sich online präsentieren und auf diesem Weg auch Fragen beantworten. Am Sonntagvormittag werden die Siegerinnen und Sieger geehrt.

Eine der sächsischen Finalistinnen ist Saramaria Schreib aus Dresden. Sie lernt am Sächsischen Landesgymnasium Sankt Afra in Meißen gerade für die mündlichen Abiturprüfung in Geografie nächste Woche. In der Videoschalte für den Bundeswettbewerb will sie die Menschen auf der anderen Seite der PCs für ihr Forschungsprojekt begeistern. Das versucht sie mit einem kleinen Kniff. Gebaut und erforscht hat die 18-Jährige einen Apparat, um darzustellen, wie Algen wachsen.

Man könnte sagen: An sich braucht man das ja nicht. Aber ich habe mir in der Schule immer viel mehr fächerübergreifendes Lernen und Verstehen gewünscht.

Saramaria Schreib Bundesfinalistin "Jugend forscht" 2021

Algenwachstum als fächerverknüpfendes Lernthema

Daher hat Saramaria für ihr Projekt die Fächer Biologie, Informatik und Physik miteinander verknüpft. Sie baute eine mikrocontrollergesteuerte Experimentier-Apparatur, die Wachstumsrozesse darstellt. "Die Apparatur ist gut, um Grünalgen beim Wachstum zuzusehen und zu messen, bei welchen Lichtverhältnissen und Temperaturen sich was entwickelt", sagt Saramaria Schreib.

Ihr Algenapparat sei ganz leicht nachzubauen, zu programmieren und könne gut in Biologie oder für Biologie-Studierende genutzt werden, findet die Abiturientin. Sie selbst zieht es nach der Schule nicht zu den Studienrichtungen Biologie oder Informatik. "Ich möchte lieber Medizin studieren. Dafür gehe ich am Sonnabend zum Medizinertest." Ob sie am Sonntag als eine Siegerin oder Bestplatzierte bei "Jugend forscht" gekürt wird, will die 18-Jährige "mal sehen. Ich erwarte nicht viel und lasse mich da reinfallen".

Bildschirm mit vielen Webcam-Bildern mit den Köpfen der Preisträgerinnen und Preisträger
Nach den Landeswettbewerben findet auch der Bundeswettbewerb von "Jugend forscht" online statt (Archivfoto). Bildrechte: Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen

Dresdner Finalist fühlt sich gewappnet - auch dank seiner Tante

Dem Bundesfinale sieht auch Tim Schwarzbach in Dresden locker entgegen. "Ich bin tiefenentspannt. Über mein Projekt habe ich schon sechs oder sieben Mal Vorträge gehalten. Mich könnte man nachts um drei Uhr wecken und ich würde sofort dazu Fragen beantworten", erzählt der Abiturient, der am Dienstag seine letzte mündliche Prüfung am Martin-Anderson-Nexö-Gymnasium absolviert hat.

Ein Schüler blickt lachend in die Kamera. Im Hintergrund sind mit Bleistiftstrichen kleine Autos abgebildet, die mit ihren Abgasen die Luft verunreinigen. Der Schüler heißt Tim Schwarzbach und kommt aus Dresden.
Tim Schwarzbach aus Dresden will im Bundesfinale von Jugend forscht erfolgreich sein. Nach der Schule zieht es ihn aber zu den Rechtswissenschaftlern. Der junge Dresdner will seit der Grundschule Jura studieren. Bildrechte: Stiftung Jugend forscht e. V.

Damit Tim Schwarzbach sein Projekt der Jury am Donnerstag in Ruhe erklären kann, hat ihm seine Tante ihre Wohnung zur Verfügung gestellt. "Dort sind keine zwei kleineren Brüder wie zu Hause. Es ist ruhiger." Ein paar Stichpunkte habe er sich bereitgelegt und für das Digitalformat Plakate erstellt. Fünf Minuten lang muss auch er sich präsentieren. Und dann? "Keine Ahnung. Das kommt auf das Interesse der Juroren an", meint der 18-Jährige.

Feinstaub für Flächen bemessen

Er wird ihnen seine Ergebnisse zur mobilen Messung der Feinstaubbelastung vorstellen. Tim ist über mehrere Monate verteilt 68 Mal stets die gleiche Route durch Dresden gefahren. Auf seinem Fahrrad hat ein Feinstaubmessgerät die Luftbelastung gemessen. Das Gerät war mit den GPS-Daten seines Handy gekoppelt. So konnte er jedes Mal ein räumliches Profil der Luftbelastung darstellen und Faktoren vergleichen, die auf die Verteilung von Feinstaub Einfluss haben.

Ganz einfach gesagt, bin ich mit dem Fahrrad im Kreis gefahren und habe dabei Feinstaub gemessen und danach die Zahlen ausgewertet.

Tim Schwarzbach Finalist im Bundeswettbewerb Jugend forscht

"Das Messgerät ist nicht neu. Man kennt aber nur Messstationen, die an einem Punkt Feinstaub messen. Angaben zu Flächen sind damit nicht zuverlässig möglich. Der Hauptvorteil meiner Arbeit ist die räumliche Darstellung und Präzision der Ergebnisse", erklärt Tim Schwarzbach. Er hofft, dass er am Sonntag wenigstens unter den ersten fünf im Bundeswettbewerb von "Jugend forscht" landet. "Ich will schon erfolgreich sein. Mein Wunsch wäre natürlich der erste Platz", sagt der Dresdner.

Quelle: MDR/kk

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