Kirchen-Streit Bistum Dresden-Meißen setzt sich für mutmaßliches Missbrauchsopfer ein

Ein Mönch soll vor mehr als 30 Jahren eine Frau aus Sachsen sexuell missbraucht, ein anderer soll ihn gedeckt haben. Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen zieht nun Konsequenzen und stellt sich hinter das mutmaßliche Opfer. Nicht alle sind damit einverstanden. Das Bistum Freiburg hält die Vorwürfe für nicht bewiesen. Der Fall könnte auch die neue Missbrauchsordnung der Kirche gefährden.

Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist eine Kirchturmspitze mit Kreuz zu sehen
Der mutmaßliche Missbrauchsfall ist zum Streitfall in der Kirche geworden. Bildrechte: dpa

Im Umgang mit einem mutmaßlichen Missbrauchsfall sind die Bistümer Freiburg und Dresden-Meißen in Streit geraten. Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers hat zwei Mönchen des Pallottiner-Ordens den Seelsorgedienst in seiner Diözese untersagt, wie Bistumssprecher Michael Baudisch MDR SACHSEN sagte. Er bestätigte damit Recherchen der "Sächsischen Zeitung" und der "Badischen Zeitung". Auch in den Bistümern Augsburg und Bamberg sowie bei den Jesuiten dürften die Mönche nicht mehr aktiv sein, so Baudisch.

Bistum Dresden-Meißen hält Vorwürfe für glaubhaft

Heinrich Timmerevers, 2016
Bischof Heinrich Timmerevers glaubt der Frau. Bildrechte: imago images / epd

Baudisch zufolge soll einer der Mönche 1990 eine damals 22-jährige Frau aus Sachsen in einem Kloster in Bayern missbraucht haben, der andere diesen Missbrauch gedeckt haben. Die Vorwürfe seien glaubhaft und plausibel, sagte der Sprecher des Bistums Dresden-Meißen. Die Frau habe sich im Februar 2020 an das Bistum gewandt. Daraufhin habe Bischof Timmerevers Strafanzeige erstattet und eine kirchenrechtliche Voruntersuchung angeordnet. Die strafrechtlichen Vorwürfe sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Bamberg aber inzwischen verjährt.

Kirchenrechtlich geht es in dem Fall unter anderem um die Frage, ob die Betroffene seinerzeit schutzbedürftig war. 1990 war die Frau bereits erwachsen. Die Ordensgemeinschaft bestreitet auch, dass der Hauptbeschuldigte als Novize - also noch kein Kleriker - schon zum Orden gehörte. Es habe deshalb nach Kirchenrecht nie ein Straftatverdacht bestanden.

Erzbistum Freiburg sieht keine kirchenrechtliche Basis

Auch das Erzbistum Freiburg hält die Vorwürfe für "nicht bewiesen" und lässt die in seinem Bistum wohnenden Patres weiter aktiv sein. Das Bistum sieht sich auch durch eine Entscheidung aus dem Vatikan bestätigt. "Da weder die staatlichen noch die kirchlichen Untersuchungen zu einer Verurteilung eines der Beschuldigten geführt haben, gibt es auch keine Grundlage, in irgendeiner Weise gegen die Exerzitien-Tätigkeit des Ordens oder der Beschuldigten vorzugehen", teilte das Erzbistum auf Anfrage von MDR SACHSEN mit.

Auf Antrag der Beschuldigten hatte die Kleruskongregation die Beschlüsse Timmerevers´ Anfang 2021 vorerst außer Kraft. Dagegen habe der Dresdner Bischof jedoch Widerspruch eingelegt, sagte Bistums-Sprecher Baudisch. Die Sache sei also noch nicht entschieden.

Das Erzbistum betont nun in einer Stellungnahme, dass sowohl der Bischof von Dresden als auch der Erzbischof von Freiburg in diesem Fall weit mehr unternommen hätten, als sie hätten tun müssen. Dazu zählten auch das Angebot an die Betroffene zur Einleitung eines Verfahrens zu Anerkennungsleistungen sowie zahlreiche intensive telefonische Beratungsgespräche mit ihr. 

Der Streit könnte die "Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener" gefährden. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Partikulargesetz, das regional begrenzte Bestimmungen ausdrücklich zulässt. Im Einvernehmen mit der Bundesregierung hatten sich die Bischöfe darin zu strengeren Vorgaben und einem bundesweit einheitlichen Vorgehen verpflichtet.

23 Anträge nach Missbrauch in Sachsen

Bereits im Februar hatte das Bistum Dresden-Meißen bundesweit für Aufsehen gesorgt, als entschieden wurde, das Grab eines Pfarrers im Zusammenhang mit schweren Missbrauchstaten einebnen zu lassen.

Bei den beiden katholischen Bistümern in Sachsen sind bis Ende 2020 in 23 Fällen Anerkennungszahlungen nach sexuellem Missbrauch beantragt worden. Die Gesamtsumme bislang geleisteter Zahlungen im Bistum Dresden-Meißen beträgt nach Angaben des Bistums 114.500 Euro.

Quelle: MDR/kb/epd

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen