Weinbau im Elbland Klimawandel: Sachsens Winzer schauen sich nach neuen Rebsorten um

Erst früher Austrieb nach einem milden Winter, dann späte Fröste im Frühjahr - die sächsischen Winzer bekommen den Klimawandel hautnah zu spüren. In den vergangenen Sommern hat Dürre den Rebstöcken zugesetzt, pralle Sonne verbrannte die Trauben. Junganlagen müssen generell mit Bewässerung angelegt werden. Und auch neue Rebsorten rücken immer mehr ins Blickfeld der Weinbauern zwischen Pillnitz und Diesbar-Seußlitz. Längst leisten viele Winzer selbst einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, verzichten auf unnötige Chemie.

Weinberg
Die Rebstruktur auf sächsischen Steillagen könnte sich verändern, so wie am Wackerbarth-Berg in Radebeul oberhalb des gleichnamigen Staatsweinguts. Bildrechte: MDR/L. Müller

Sachsens Winzer stellen sich dem Klimawandel und schauen sich Rebsorten an, die bislang eigentlich eher in südeuropäischen Gefilden heimisch waren. In diesem Frühjahr hat das Staatsweingut Schloss Wackerbarth einen Versuchsanbau gestartet und 6.500 Reben der Sorte Gamay gepflanzt. Daraus soll ein Spitzenrotwein nach französischem Vorbild vergoren werden, kündige Geschäftsführerin Sonja Schilg an.

Vom Staatsweingut hieß es, bereits heute sähen die Elbtalwinzer die ersten Folgen des weltweiten Klimawandels im Weinbaugebiet Sachsen. "Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen setzen die Blüte und der Reifebeginn heute deutlich früher ein als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre." Auch der Beginn der Weinlese habe sich in den vergangenen Jahren nach vorn verschoben - in diesem Jahr soll es Ende August/Anfang September losgehen.

Grafik
Diese Grafik des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth zeigt, wie sich die sogenannten Weinklimazonen nach Norden verschieben. Bildrechte: Sächsisches Staatsweingut Schloss Wackerbarth

Ertragschwankungen durch lokale Wetterextreme

Im Elbtal zeige sich die globale Erwärmung durch immer häufiger auftretende Witterungsextreme wie Hitzewellen, lokale Starkregenereignisse oder Hagel, unterstreicht das Staatsweingut. Diese führten zu Ernteverlusten und damit auch stark schwankenden Erträgen. Allein zwischen 2009 und 2013 hätten die sächsischen Winzer aufgrund von Frostschäden, Hagel und extremen Niederschlägen insgesamt statistisch gesehen 2,5 Weinjahrgänge – und damit mehrere Millionen Euro - verloren. "Im vergangenen Jahr betrug der witterungsbedingte Ernteverlust im Weinbaugebiet Sachsen etwa 20 Prozent."

Schaf in einem Weinberg
Nur noch wenige Winzer in Sachsen spritzen die Begrünung zwischen Rebzeilen tot. Wackerbarth versucht es mit natürlicher Pflege und leiht sich in einigen Rebflächen Schafe aus. Bildrechte: MDR/L. Müller

Das Staatsweingut will auch eigene Beiträge zum Klima- und Umweltschutzaktiv leisten: So kommen Schafe in ausgewählten Lagen zwischen Rebzeilen zum Einsatz, die Begrünung wird mit deren Hilfe natürlich kurz gehalten. Zudem verzichte man seit fünf Jahren auf Glyphosat und mineralische Dünger, hieß es. Zudem würden die Rebanlagen mit Drohnen überwacht, wodurch bei Krankenheiten und Mangelerscheinungen nicht automatisch alle Reben behandelt werden müssen, sondern nur die betroffenen Areale.

Prognose: Mehr Rotwein und auch Chardonnay aus Sachsen

Die Wackerbarth-Winzer gehen davon aus, dass mittelfristig mehr Rotwein in Sachsen angebaut werde. Hinzu kämen bekannte Weißwein-Sorten, wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc, die es bisher hierzulande eher selten gibt. Auch Neuzüchtungen - sogenannte pilzwiderstandsfähige Sorten (Piwis) - könnten verstärkt angepflanzt werden. Viele sind aber noch in der Erprobung und - so Wackerbarth - und: Sie seien "nicht per se per se nicht besser geeignet für trockene Sommer als traditionelle Rebsorten".

Die Mission der Piwis ist die Ertragssicherung bei einem geringeren Bewirtschaftungsaufwand.

Staatsweingut Schloss Wackerbarth

DWI: Südländische Rebsorten in Deutschland auf Vormarsch

Vom Deutschen Weininstitut (DWI) hieß es auf Anfrage, angesichts des Klimawandels experimentierten die deutschen Weinerzeuger mit neuen "südländischen" Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz/Syrah oder im Weißweinbereich mit Viognier. "Diese Rebsorten haben bislang allerdings nur einen Anteil von etwa einem Prozent an der Gesamtrebfläche in Deutschland", so das DWI. Bis neue an den Klimawandel angepasste Rebsorten bis zur Marktreife gezüchtet oder klimastabile Klone bekannter Sorten selektiert sind, vergehen nach DWI-Schätzung etwa 25 Jahre. Der Umbau von Rebflächen ist eine langfristig angelegte Investition und bedarf genauer Planung: So bringen neu gepflanzte Rebstöcke nach drei Jahren den ersten Ertrag und werden üblicherweise rund 30 Jahre lang wirtschaftlich genutzt.

Sorgen bereiten den Winzern neue Schädlinge, die durch Globalisierung und milderes Klima in Sachsen heimisch werden - allen voran die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege.

Nebbiolo, Viognier und Chardonnay auf Sachsens Weinbergen

In Sachsen ist Wackerbarth nicht der einzige experimentierfreudige Weinbaubetrieb. Beim zuständigen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie haben den Angaben zufolge sächsische Winzer für die roten Rebsorten Nebbiolo, Gamay, Laurot, Cabaret Noir und Schwarzer Heunisch sowie die Weißweinsorten Viognier und Sauvignac (einer neuen Kreuzung aus Sauvignon und Riesling) Anbaueignungsversuche beantragt und genehmigt bekommen.

Fässer in einem Weinkeller
In sächsischen Weinkellern könnte der Klimawandel dafür sorgen, dass mehr Rotweine ausgebaut werden - im Barrique-Fass und mit hohem Lagerpotenzial. Bildrechte: MDR/L. Müller

Nebbiolo und Viognier sind Klassiker aus viel südlicheren Breitengraden. Auch Syrah wurde bereits in Sachsen auf einer kleinen Rebfläche versuchsweise angebaut. Im vergangenen Jahr hat ferner das Weingut Schuh auf dem Meißner Klausenberg Chardonnay-Reben aus einer französischen Rebschule angepflanzt - auf einer Fläche, auf der zuvor die "Sachsen-Rebsorte" Goldriesling kultiviert worden war. Mehrere Weingüter der Region bieten bereits Chardonnay-Weine in bislang noch kleinen Mengen an.

Etikett einer Weinrebe
Das Weingut Schuh hat Chardonnay-Reben in einer französischen Rebschule bestellt und auf der Prestigelage "Meißner Klausenberg" gepflanzt. Bildrechte: Weingut Schuh/Marvin Pelny

Wackerbarth: Goldriesling zieht um, verschwindet aber nicht

Das Staatsweingut Wackerbarth verweist darauf, dass Winzer "bei Neuaufrebung von Weinbergen die klimatische Entwicklung der kommenden 30 bis 40 Jahre im Blick behalten und bei der Auswahl geeigneter, standortangepasster Rebsorten mit berücksichtigen". Burgunder-Sorten, Riesling oder Rotweine generell würden "auch mit der Klimaveränderung weiter sehr gut in unseren Breiten reifen", hieß es. "Frühreife Rebsorten hingegen könnten es mit den prognostizierten klimatischen Veränderungen schwerer haben, jedoch auch weiterhin auf geeigneten Rebflächen im Elbtal angebaut werden."

Keltertrauben einer weißen Rebsorte
Der robuste Goldriesling könnte von Steillagen in kühlere Flachlagen "umziehen". Bildrechte: L. Müller

Der in relevanten Mengen nur noch in Sachsen kultivierte Goldriesling - eine Sorte für einfachere Zechweine, die jung getrunken werden - könnte demnach auf Steillagen Platz für edle Trauben machen und auf eher kühleren Flachlagen angebaut werden. Ganz verschwinden werde die sächsische Spezialität aber nicht, ist sich das Staatsweingut sicher.

2 Kommentare

Eulenspiegel vor 15 Wochen

„Sachsens Winzer stellen sich dem Klimawandel und schauen sich Rebsorten an, die bislang eigentlich eher in südeuropäischen Gefilden heimisch waren.“
. "Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen setzen die Blüte und der Reifebeginn heute deutlich früher ein als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre."
Ja der Klimawandel hat auch auf dem Weinanbau seine Auswirkungen. Und das nicht erst seit Heute. Man kann schon richtig von einer Nordwanderung reden. Rebsorten die man sich vor nicht all zu langer Zeit nur in Südfrankreich vorstellen konnte gedeihen wird man schon bald in Mitteldeutschland finden.

Jan-Lausitz vor 15 Wochen

Heuer ist die Wetterlage eine andere als der ziemlich normale Sommer im vergangenen Jahre und eine grundlegend andere, ja fast gegensätzliche, als die trockenen Sommer vor zwei und vor drei Jahren.

Für die Aufforstungen im Wald wurden von selbsternannten Experten "Mittelmeerarten" empfohlen. Ein nasser Sommer oder eine Frostwoche mit -20 Grad dürften diese Spinnereien im Handstreich bereinigen. Doch was interessiert nachher das Geschwätz dieser Theoretiker.

Das lässt sich natürlich nicht eins zu eins auf den Weinbau sagen, aber alles auf die Klimaerwärmung (ach so heißt ja jetzt Klimawandel oder gar Klimakatastrophe) abzudelegieren halte ich für falsch.

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