Kammerkonzert Geniestreiche(r) wieder vor Publikum im Kulturpalast Dresden

Nach fast sieben Monaten Pause haben Musikerinnen und Musiker der Dresdner Philharmonie am Sonntag erstmals wieder vor Publikum gespielt. Und was sie gespielt haben, ließ aufhorchen. Es erklangen Stücke, die in der Philharmonie entweder noch nie oder zuletzt vor mehr als 50 Jahren aufgeführt wurden. Das Publikum erwartete ein kontrastreicher und vielschichtiger Musikabend.

Musiker bei einem Konzert
Zwar musste jeder zweite Platz im Saal frei bleiben, aber die Künstlerinnen und Künstler konnten erstmals wieder vor Publikum im Kulturpalast spielen. Bildrechte: Oliver Killig

"Endlich wieder ein echtes Konzert!" Diesen Satz hörte man mehrfach Besucherinnen und Besucher sagen, die teils schon eine Stunde vor Konzertbeginn in den Kulturpalast kamen und ihre Karten samt Impf- oder Genesungsbescheinungen parat hielten.

Es ist so schön, dass wieder Leute kommen.

Steffen Kockisch Einlassdienst

Auch Steffen Kockisch vom Einlassdienst freute sich auf diesen ersten Abend mit Publikum. "Mir ist richtig froh zumute", sagte der Dresdner Rentner, der seit drei Jahren nebenbei als Einlasser arbeitet, seit gut einem Jahr aber darauf verzichten musste. "Auch wenn der Zugang begrenzt ist, wünsche ich mir, dass es für die Kultur und alle Künstler wieder weitergeht."

Dann waren sie wieder zu hören: die Gongtöne im Kulturpalast, das knisternde Warten bevor die Musizierenden auf die Bühne treten. Nur fiel das Rascheln dieses Mal etwas leiser aus, weil es statt der üblichen Programmhefte nur Din-A-5-Zettel gab. Darauf abgedruckt "Musik für Saiteninstrumente", so der Titel des Programms mit viel Neuem für Dresdner Ohren.

Musik von "erschreckender Vollkommenheit"

Den Auftakt bildete Erich Wolfgang Korngolds Trio op. 1 für Klavier, Violine und Violoncello. Dramaturg Jens Schubbe hatte in seiner Einführung dem Publikum erzählt, dass Korngold das Stück 1910 im Alter von nur zwölf Jahren komponiert hatte. Das Werk klinge nicht nach einem Kind und "ist von geradezu erschreckender Vollkommenheit", meinte Schubbe. Darüber konnte man dann gut eine halbe Stunde ungläubig staunen und das feinfühlige Zusammenspiel von Rieko Yoshizumi (Klavier), Dalia Stulgyté-Richter (Violine) und Hans-Ludwig Raatz (Violoncello) genießen.

Kontrabass im Rampenlicht

Danach widmeten sich die Philharmoniker dem Kontrabass, der im Vergleich zur Violine eher selten im Rampenlicht stehen darf. Krzysztof Pendereckis Duo concertante für Violine und Kontrabass aus dem Jahr 2011 erklang zum ersten Mal in einem Konzert der Dresdner Philharmonie. Der sechs Minuten lange verwegene, kraftvolle und zugleich ungewöhnliche Dialog der beiden Streichinstrumente kam beim Publikum an, das danach lange herzlich für Dalia Stulgyté-Richter und Răzvan Popescu (Kontrabass) applaudierte. Mit Gioacchino Rossinis Duetto für Violoncello und Kontrabass reisten Raatz und Popescu 200 Jahre zurück in die Klangwelt des Jahres 1824.

Der Abschluss des Abends war dem Wormser Komponisten Rudi Stephan gewidmet, der nur 28 Jahre alt wurde. Er galt, wie eingangs auch Korngold, als große Nachwuchshoffnung seiner Zeit, wurde jedoch 1915 im Ersten Weltkrieg erschossen. Zuletzt war Stephans "Musik für sieben Saiteninstrumente" 1967 in einem Konzert der Dresdner Philharmoniker (Siering-Quartett) zu hören. Welch Glück, dass es am Sonntagabend wieder erklang. Ein eigentümliches, vielschichtiges Stück mit Anklängen an Schönberg, ekstatischen Steigerungen, kraftvollen Harfenklängen (Nora Koch) und einem wunderbar behutsamen Ende, für das sich die Musizierenden viel Gefühl erlaubten und Zeit nahmen.

Musiker bei einem Konzert
Viel Applaus gab es für die Künstlerinnen und Künstler nach dem Konzertabend am Sonntag. Bildrechte: Kathrin König

Jetzt bin ich total entspannt, es war so wunderschön.

Birgit Wolf Konzertbesucherin aus Dresden

Mit lächelnden Gesichtern verließen Birgit und Hans-Joachim Wolf den Konzertsaal. Die Dresdnerin hatte ihrem Mann den Abend zum Geburtstag geschenkt. "Was für ein Glück, wieder ins Konzert gehen zu können. Uns hatte in den vergangenen Monaten wirklich etwas gefehlt", meinte der Ehemann und fand, "man hat auch den Musikern angemerkt, dass sie Freude hatten, wieder vor Publikum zu spielen".

Frau und Mann posieren für ein Foto
Birgit und Hans-Joachim Wolf hatten in der Zeitung darüber gelesen, dass es wieder ein Konzert vor Publikum geben darf. Die Dresdnerin bestellte daraufhin gleich zwei Tickets. Bildrechte: Kathrin König

Für alle, die das Konzert verpasst haben oder noch einmal erleben wollen, hat die Philharmonie das Programm vorab aufgezeichnet. Es soll im Laufe des Juni über die Website der Dresdner Philharmonie zum Nachhören verfügbar sein.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 31. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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