Kunstfestival Auf kultureller Spurensuche durch Dresden-Plauen

Wer an Kultur in Dresden denkt, der hat als erste Adresse wohl nicht den Stadtteil Plauen im Sinn. Das Viertel im Süden der Landeshauptstadt ist größtenteils idyllisch, doch eine richtige Kulturszene fehlte ihm bisher – so sehen es zumindest die ansässigen Künstler selbst. Zufriedengeben wollten sie sich damit aber nicht und haben ein lokales Kunstfestival zum Entdecken und Mitmachen ins Leben gerufen.

Ausstellung Auferstehungskirche Dresden Plauen
Kunst in Dresden-Plauen. Am Wochenende haben zahlreiche Kunstschaffenden des Stadtteils in offene Ateliers und Ausstellungsräume eingeladen, um sich und ihre Werke zu zeigen. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

André Ismer lebt schon immer in Plauen. Der Künstler wohnt nicht nur hier, auch sein Atelier liegt in einer ruhigen, idyllischen Seitenstraße des Viertels. Ismer beschreibt das Leben und Wohnen an der Weißeritz so: "Das ist hier ein sehr bürgerlicher Stadtteil: viele Familien, ältere Leute, viel Grün, schicke Häuser, ein Traum eines jeden Akademikers." Vielleicht wirke es auch langweilig. "Aber schlummert da nicht doch irgendwo ein wenig Verrücktes, etwas Subkultur, eine ungeahnte Vielfalt oder gar kulturelle Schätze?"

Auf kultureller Entdeckungstour in Dresden-Plauen

André Ismer
André Ismer ist Plauener und selbst in der Kunstszene aktiv. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Diese Frage will Ismer mit einem regionalen Kulturfestival beantworten – das erste dieser Art in Plauen. "Ich dachte", erklärt der Ur-Plauener "die Sachen, die es hier gibt, könnten wir verknüpfen. Jeder kocht bisher immer sein eigenes Süppchen. Durch Corona gab es so eine lange Durststrecke im kulturellen Bereich. Da habe ich gesagt: Jetzt ist die Zeit, etwas zu organisieren." Ausstellungen in Ateliers und Galerien, Konzerte und Mitmach-Aktionen stehen seit Freitag auf dem Programm. Lokale Künstlerinnen und Künstler öffnen sonst verschlossene Türen, um sich entdecken zu lassen.

Mit dabei ist auch Sabine Thara-Schunk – Inhaberin der "Seifenblase". Den kleinen verwinkelten Laden direkt an der Weißeritz gibt es erst seit wenigen Wochen. Das Kunstfestival "Plau-Sibel" kommt deshalb wie gerufen für die einstige Erzieherin, die nun Seifen siedet und im großzügigen Hinterzimmer ihres Ladens ein Atelier eingerichtet hat. "Das ist nicht nur eine Ausstellungsfläche für Kunst", erklärt sie. "Hier kann auch etwas geschaffen werden."

Aus Plauen in die Welt

Sabine Thara-Schunk
Noch vor wenigen Jahren war Sabine Thara-Schunk Erzieherin. Heute ist sie Künstlerin und hat eine Seifenwerkstatt eröffnet. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Das passiert an diesem Wochenende sogar sichtbar für alle Gäste mit einer minimalistischen Installation: Von der Decke hängt wie ein Pendel eine große mit Farbe gefüllte Plastikflasche, darunter liegen mehr oder weniger angeordnet mehrere Bögen braunes Kraftpapier in Postkartengröße. Die erste Schicht Farbe – ein durchscheinendes Weiß – hat die Flasche am Freitag schon über den kahlen Postkarten verteilt. Bis Sonntagabend folgen noch zwei weitere Farbschichten. "Wenn die Farben getrocknet sind, können die Karten in der 'Seifenblase' erworben und in die Welt verschickt werden."

Malerei und Fotografie in atmosphärischer Jugendstil-Umgebung

Mit Gegenpolen arbeitet auch die Auferstehungskirche in Plauen. Hier wartet Anette Richter auf Besucher des Festivals. Die Rentnerin stellt in einem der Seitenschiffe der prachtvollen Jugendstilkirche ihre meist farbenfrohen Aquarelle aus, das andere Seitenschiff hat Fotograf Hans Joachim Roth mit Porträts gestaltet. Künstlerin Richter erzählt: "Es waren schon einige Menschen da und haben eine kleine Führung bekommen. Die Auferstehungskirche als Ausstellungsort ist aber auch etwas sehr Besonderes. Wie andächtig die Menschen hier sind!"

Anette Richter
Zum Kunstfestival "Plau-Sibel" stellt die Künstlerin Anette Richter ihre Aquarelle in der Plauener Kirche aus. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Insgesamt neun mehr oder weder andächtige, in jedem Fall aber kulturelle Orte im Stadtteil laden an diesem Wochenende zu einem Besuch ein. Das Festival scheint vor allem für Erwachsene gemacht zu sein - mit einer Ausnahme: der Nachbarschaftsladen Zwickmühle in der Zwickauer Straße hat auch ein jüngeres Publikum im Blick. Nach dem Bemalen einer Bank am Sonnabend folgt zum Abschluss am Sonntagnachmittag noch die Kinderbuchlesung "Oma Anna in Ägypten" von Anna Faust-Hannig.

Diese Orte haben am Sonntag noch geöffnet:

  • Kulturkulisse (11-18 Uhr)


Öffnung des Antiquitätenladens "Blick zurück" mit urigen Möbeln
14 Uhr Ausstellungseröffnung mit Grafiken von Michael Wirkner

  • Zwickmühle (11-18 Uhr)


16 Uhr Kinderbuchlesung Anna Faust-Hannig "Oma Anna in Ägypten"

  • Atelier T78 (11-18 Uhr)


Ausstellung von Malerei und Grafik: Chris Dietzel (Berlin), Storch (Streetart Dresden), André Ismer

  • Galerie K-Westende (11-18 Uhr)


11 Uhr Kammermusik mit Stücken von Mozart, Schumann und Beethoven (mit Anmeldung)

  • Atelier Seifenblase (11-18 Uhr)


Malerei und Installation verschiedener Künstler mit musikalischer Untermalung
18 Uhr letzte Farbschicht der Postkarten in alle Welt wird aufgetragen

  • Galerie Rainer Götz (11-18 Uhr)


Malerei und Grafik verschiedener renommierter Künstler

  • Plauener Kirche (11-18 Uhr)


Ausstellung im großen Kirchenschiff mit Aquarellen von Anette Richter und Fotografien "Spuren des Lebens" von Hans Achim Roth

MDR

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