Ärztemangel Junge Ärzte zieht es aufs Land

Im Freistaat gibt es nach wie vor zu wenige Ärzte auf dem Land. Eine Quote und ein Imagefilm sollen das ändern. Aber es verbessert nicht die oftmals schwierigen Bedingungen der Hausärzte auf dem Land. Die Gründe für junge Ärzte abseits der Großstädte zu praktizieren, sind oftmals persönlicher Natur.

Für viele ein Wagnis

Ariane Wetzel zog es nach ihrer Studienzeit am Dresdner Uniklinikum in den ländlichen Raum. Die meisten ihrer Kommilitonen im Studiengang Medizin träumten von einem Job im Umfeld der Uni - mit wissenschaftlichem Anspruch und High-Tech-Medizin. Sie wagte den Schritt ins benachbarte Pulsnitz.

Ariane Wetzel, Landärztin
Ariane Wetzel ist in ihrer Facharztausbildung. Bildrechte: Ärzte für Sachsen

Viele trauen sich noch nicht aufs Land, weil sie Angst haben, dass sie nicht genügend Erfahrung mitbringen und weil sie vielleicht auch das Klientel der Patienten und Kollegen nicht so richtig einschätzen können und dann eher in der Großstadt bleiben und mit dem Rad zur Arbeit fahren.

Ariane Wetzel Angehende Fachärztin

Flexible Arbeitszeiten

Wetzel pendelt heute täglich 30 Kilometer nach Pulsnitz, nimmt vierzig Minuten Fahrt in Kauf, weil die dortige Rehaklinik flexible Arbeitszeiten für die junge Mutter ermöglicht: "Ich bin jetzt seit über zwei Jahren da und es ist ein schönes kollektives Miteinander. Die Basis mit den Kollegen ist sehr persönlich oder ach mit den Patienten."

Ich weiß nicht, ob das am Land liegt, aber es ist so ein entspanntes Arbeiten. Das kommt auch im klinischen Kontext raus.

Ariane Wetzel Auszubildende Fachärztin

Fernab des Trubels

In einem neuen Imagefilm des Netzwerks "Ärzte für Sachsen" spricht sich die junge Ärztin für das Arbeiten in der Region aus, um so andere dafür zu begeistern. "Die Klinik ist direkt am Rand eines Feldes, und das fühlt sich gut an, hier anzukommen, also aus der Stadt rauszukommen, wo es so trubelig ist, wo es so hektisch zugeht." Andere Kollegen schätzen die Möglichkeit, ältere Menschen und Kinder zu behandeln, da auch die Facharztdichte auf dem Land nicht so hoch ist und viele noch zu ihrem Hausarzt kommen.

Erfolge

Seit elf Jahren gibt es "Ärzte-für-Sachsen", ein Netzwerk für die Suche nach Nachwuchs für die Provinz. Für Landesärztekammer-Präsident Erik Bodendieck ist das Projekt eine Erfolgsgeschichte: "Wir haben seit 2009 einen signifikanten Anstieg an Ärzten unter 35 Jahren in Sachsen - woraus wir schließen können, das Netzwerk an und für sich wirkt."

Die Ärztin Ariane Wetzel hat ihren Entschluss, in der Region ihr berufliches Glück zu suchen, noch keinen Tag bereut. Sie wünscht sich, dass ihr Beispiel Schule macht.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 02.01.2020 | 19 Uhr

3 Kommentare

Atze1 vor 48 Wochen

Wenn ich jung wäre, und gerade jetzt in Corona-Zeiten, würde ich immer aufs Land gehen. Fernab von jedem Menschengedränge habe ich doch kein Problem ganz allein durch die Gegend zu spazieren ohne ungewollt auf Menschen zu stossen, die mich anstecken könnten. Meine Kinder können in der Natur sein und mein Garten ist mein erweitertes Wohnzimmer. Die jungen Ärzte werden schon noch auf den Geschmack kommen. Corona kann alles verändern.

andreas1058 vor 48 Wochen

Ärztinnen und Ärzte, die sich auf`s Land "trauen", sind in meinen Augen die modernen Helden, denn sie tragen eine unglaublich hohe Eigenverantwortung und ein, nicht zu unterschätzendes, persönliches Risiko.
Feste Arbeitszeiten wird für die meisten Kollegen ein Fremdwort bleiben. Sie werden andererseits von der Landbevölkerung überwiegend mit Achtung und Dankbarkeit belohnt......eine Erfahrung, die für Vieles entschädigt. Hoffentlich haben noch viel mehr junge Mediziner den Mut, sich auf dieses "Abenteuer" einzulassen. Sie werden sehnsüchtig erwartet und sind HERZLICH WILLKOMMEN.
Und glauben sie......man kann auch als Akademiker in einem Dorf oder einer kleinen Stadt gut mit seiner Familie leben und sich entfalten.

Pixelpusher28 vor 48 Wochen

Der eigentliche Grund ist doch nicht Angst vor mangelnder Erfahrung oder schlecht einschätzbaren Patienten, sondern schlicht und einfach das die jungen Leute in der Großstadt leben, und nicht auf's Land ziehen wollen. Perfekt illustriert durch Frau Wetzel, die eben auch in Dresden wohnen bleibt. Glück für Pulsnitz, Pech für Zittau oder Weißwasser.

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