Studie Viele queere Menschen fühlen sich in der Öffentlichkeit Sachsens nicht sicher

Nicht heterosexuell orientierte Menschen haben es im Alltag oft schwerer. Das bestätigt eine Studie, für die in Sachsen rund 1.500 Menschen mit einer anderen sexuellen Ausrichtung befragt worden wurden.

Mann mit Regenbogenflagge beim CSD Berlin
Ein Mann demonstriert mit Regenbogenfahne beim Christopher Street Day. Bildrechte: imago images/Seeliger

Sie werden bedroht, beleidigt, angegriffen und fühlen sich nicht gleichberechtigt behandelt: Eine Studie zur geschlechtlichen Vielfalt in Sachsen zeigt Handlungsbedarf vor allem für Menschen, die sich nicht als Frau oder Mann definieren. Sachsens Gleichstellungsministerin Katja Meier (Grüne) hat am Mittwoch die Studie zu den Lebenslagen Lsbtiq-Personen in Dresden vorgestellt. Die Abkürzung steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans, inter und queer. Bei der Online-Befragung hatten im Zeitraum November 2021 bis Januar 2022 knapp 1.500 Menschen mitgemacht.

Beleidigungen, Bedrohungen, Übergriffe

Laut Studie fühlt sich gerade nur ein Viertel der Befragten im öffentlichen Raum sicher. Fast die Hälfte der Befragten hat in den vergangenen fünf Jahren Beleidigungen, Bedrohungen oder Übergriffe erfahren. Viele Befragten beklagen zudem mangelnde Chancengerechtigkeit bei Ämtern und Behörden und attestieren der Politik, zu wenig für die Lebenssituation dieser Menschen zu tun.

Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sind integrale Bestandteile unserer Gesellschaft. Uns muss es daher ein gemeinsames Anliegen sein, dass allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe möglich ist.

Katja Meier Gleichstellungsministerin in Sachsen

Katja Meier
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Geschlechtliche Vielfalt in Sachsen nachgezeichnet

Mit der Lebenslagenstudie liege erstmals ein umfassendes Bild über die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Sachsen vor, sagte Studienleiterin Christina Rauh. Es gebe eine vergleichsweise hohe Lebenszufriedenheit unter lesbischen, schwulen und bisexuellen Befragten. Doch deutlich unzufriedener seien trans- und intergeschlechtliche Menschen und solche, die sich weder als eindeutig männlich noch als eindeutig weiblich identifizieren.

Studienleiterin Rauh sieht Handlungsbedarf vor allem auf drei Gebieten:

  • dem Schutz dieser Menschen vor Übergriffen
  • mehr Unterstützung bei der Familiengründung
  • Aufklärung bereits in der Schule.

Was ist queer? Queer wird häufig als Sammelbegriff für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen verwendet. Als Selbstbezeichnung wird er aber oft auch benutzt, um eine Identität, jenseits von Kategorien wie Mann und Frau oder heterosexuell und lesbisch/schwul zu bezeichnen. Queer kann sich auch auf eine Haltung beziehen, die Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität in Frage stellt. Lesben- und Schwulenverband

Ergebnisse sollen Landesaktionsplan einfließen

Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt seien integrale Bestandteile unserer Gesellschaft, betonte die Gleichstellungsministerin Meier. "Uns muss es daher ein gemeinsames Anliegen sein, dass allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe möglich ist." Die nun in der Untersuchung gesammelten Ergebnisse würden dabei helfen, konkrete und zielgenaue Maßnahmen umzusetzen, so Meier. Im Herbst werde der Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen fortgeschrieben.

Queeres Netzwerk begrüßt Studie

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Queeres Netzwerk Sachsen mit Sitz in Dresden begrüßt die sächsische Studie und auch die hohe Teilnehmerzahl bei dieser Befragung. "Die Studie ist ein wichtiges Instrument, auch für den Bundesvergleich", sagt die geschäftsleitende Bildungsreferentin Britta Borrego.

Die Studie ist ein wichtiges Instrument, auch für den Bundesvergleich.

Britta Borrego LAG Queeres Netzwerk Sachsen

Das Queere Netzwerk Sachsen hatte im Jahr 2019 eine erste Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen von Lsbtiq-Menschen in Kooperation mit der Hochschule Mittweida durchgeführt. Aus der ging damals hervor, dass im Bereich von Polizei und Justiz queere Menschen viele negative Erfahrungen gesammelt hatten.

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