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Dresden-Tatort

Martin Brambach: "Ein Geschenk für mich, das machen zu dürfen"

Stand: 06. Februar 2021, 15:12 Uhr

Für viele ist der Sonntagabend Tatort-Zeit. Lange hat es gedauert, bis auch Dresden seine Krimis ins Erste bekam. Nun ermittelt Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel, gespielt von Martin Brambach, schon zum elften Mal. "Rettung so nah" heißt der neue Dresdner Tatort, der am 7. Februar ausgestrahlt wird. Stephan Bischof hat mit dem Schauspieler über seine Rolle gesprochen.

Wie zufrieden sind Sie mittlerweile mit dem Dresdner Tatort?

Also wenn ich ganz ehrlich bin, hat er sich ganz anders entwickelt, als ich mir das vorgestellt habe. Wir sind ja sehr lustig angetreten, mit dem Ralf Husmann als Autoren. Und das war auch der Grund, weshalb ich sofort gesagt habe: 'Ja, da möchte ich dabei sein‘. Aber schon nach den ersten Folgen gab es dann doch viele Beschwerden. Wir sollten uns nicht so über die Sachsen lustig machen.

Und irgendwann hat Ralf die Flinte ins Korn geschmissen. Da dachte ich: 'Na ja, wie geht es jetzt weiter?‘. Und ich bin sehr froh darüber, welche Autoren die Produktionsfirma dann rangeholt hat. Dazu noch junge, interessante Regisseure, mit denen wir arbeiten dürfen. Wir haben jetzt zwei Filme gehabt, die richtige Genrefilme waren, richtige Gruselfilme, die auch hervorragend geschrieben waren. Zwischendurch hatten wir auch einen sehr harten Krimi mit dieser Geiselnahme. Ich finde das überraschend spannend. Ich bin nicht unzufrieden.

Grusel-Tatort Bildergalerie Tatort: Das Nest

Maja Peters (Judith Neumann), die nachts nach einem Autounfall Hilfe sucht, macht in einem leerstehenden Hotel eine grausame Entdeckung: Versteckt beobachtet sie einen brutalen Serienmörder. Maja kann unbemerkt entkommen und verständigt die Dresdner Polizei. Bildrechte: MDR/Wiedemann&Berg
Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski), ihre Kollegin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) sind sogleich zur Stelle. Überall in dem verlassen Hotel stoßen sie auf Leichen. Der Täter ist noch hier - sie wollen ihm eine Falle stellen. Bildrechte: MDR/Wiedemann&Berg/Daniela
Der Mörder lässt seine Opfer offenbar in betäubtem Zustand gezielt ausbluten, um die Leichen dann zu konservieren und ausgestopft zu Familienszenen zu gruppieren. Als die Polizistinnen den Mörder stellen, flüchtet er in den Wald. Bei seiner Verfolgung greift er Karin an und sticht sie nieder. Bildrechte: MDR/Daniela Incoronato
Nach langer Genesungszeit im Krankenhaus ist Karin wieder im Einsatz. Ihre und Leonies Ermittlungen zeigen, dass alle Opfer in der selben Klinik Patienten waren und der Mörder zudem medizinisch geschult sein muss. Nach einer Gegenüberstellung bleiben zwei Verdächtige übrig, die sich verblüffend ähneln: Dr. Christian Mertens (Benjamin Sadler, li.) und Pfleger Bernd Haimann (Wolfgang Menardi, re.) - einer von beiden ist der Täter. Bildrechte: MDR/Daniela Incoronato
Kurze Zeit nach der Gegenüberstellung feht von einem der beiden Verdächtigen jede Spur - der Mörder hat auch ihn getötet, um den Verdacht auf den Verschwundenen zu lenken. Das führt die Ermittlerinnen auf eine falsche Fährte. Im Showdown steht Karin Gorniak (Karin Hanczewski) dem eiskalten Mörder gegenüber. Bildrechte: MDR/Wiedemann&Berg

Was mögen Sie an Ihrem Hauptkommissar Schnabel, was andere Tatort-Kommissare vielleicht nicht haben?

Das Dresdner Tatort-Team v.l.: Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie "Leo" Winkler (Cornelia Gröschel) Bildrechte: MDR/Daniela Incoronato

Der Peter Michael Schnabel kommt aus Dresden. Das ist ein Kind einer anderen Zeit. Das ist jemand, der die Vorwendezeit erlebt hat und der eher ein Bauchmensch ist. Wir hatten auch mal eine Folge - das hatte ich mir gewünscht und Ralf Husmann hat es dann geschrieben - dass sich der Peter Michael Schnabel zu Pegida bekennt und dort hingeht (im vierten oder fünften Fall). Und trotzdem kann das ein aufregender, interessanter Ermittler sein. Also das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Dass man diese Ambivalenz, die es in Dresden und überhaupt in jedem von uns letztlich gibt, ein bisschen mit erzählen kann, finde ich spannend. Aber man möchte ja auch nicht von der falschen Seite Applaus bekommen. Das hat auch nur funktioniert, weil ich zwei Kolleginnen an der Seite habe, die sehr klare Haltung beziehen. Dass man das nicht alleine stehen lassen kann, ist ja klar.

Also, dass das eine Figur ist, die jetzt nicht von vornherein ein moderner Mensch auf der Höhe der Zeit ist, dass er Probleme damit hat, dass er mit Frauen arbeiten muss, dass Frauen Polizistinnen sind - diese Sichtweise stammt eher aus dem vorigen Jahrhundert - ist spannend. Diese Menschen gibt es noch.

Welchen Stellenwert hat diese Schnabel-Rolle für Sie als Schauspieler?

Natürlich ist es so, dass die Prominenz damit noch mal wahnsinnig steigt. Also dass Leute auf der Straße einen noch öfter ansprechen und sagen: 'Mensch, da war er wieder, der aus dem Tatort, den kenne ich'. Das hat aber jetzt, wenn ich ehrlich bin, nicht nur Nachteile. Das ist manchmal auch eine Bestätigung der eigenen Arbeit - dass man gesehen wird.

Zudem haben wir die Chance, mit tollen Regisseuren zu arbeiten. Die Filme werden gesehen, sie stehen im Fokus. Der Nachteil ist, dass so viele Leute auch mitentscheiden. Dass man natürlich nicht ganz unabhängig und frei und einfach arbeiten kann, sondern es hängt natürlich immer viel dran. Aber ich möchte mich nicht beschweren. Ich habe bis jetzt nur davon profitiert, dass ich das machen darf.

Wünschen Sie sich als Schnabel im Vergleich zu Ihren beiden Kolleginnen nicht manchmal ein bisschen mehr Rampenlicht?

Martin Brambach spielt gerne den Kommissar Schnabel im Dresdner Tatort. Bildrechte: imago images / Sven Ellger

Die Produktionsfirma bemüht sich. Aber es ist natürlich immer eine Frage, welche Bücher am Ende von der Redaktion favorisiert werden, welche Geschichten sind wie glaubhaft und wie gestrickt. Was mich sehr gefreut hat: Vor zwei Fällen durfte ich in einem lakonischen Moment die Auflösung präsentieren.

Natürlich ist der Wunsch da, dass sich mehr um die eigene Figur dreht und dass man doch ein bisschen mehr entdeckt. Ich finde, diese Bandbreite muss man einer Figur zugestehen. Und das macht mir dann auch immer Spaß. Also wenn ich etwas lese, wo ich eine gewisse Ambivalenz bedienen darf, dann finde ich das immer spannend.

Am kommenden Sonntag (7. Februar) heißt der Tatort "Rettung so nah". Für wen ist in diesem elften Dresdner Tatort die Rettung so nah?

Das Irrsinnige an dem Buch war, dass das geschrieben wurde, als noch keiner etwas von Corona wusste und dass die Grundsituation, die wir in Dresden vorfinden, eine schlimme Grippewelle ist. Diese spielt insofern eine Rolle, weil die Rettungskräfte und die Krankenhäuser relativ gefordert sind. Auf der anderen Seite gibt es Übergriffe auf Rettungskräfte. Auch das kennen wir aus der Realität zunehmend. Das gab es auch schon vor zehn, 15 Jahren. Aber man hat das Gefühl, es hat zugenommen, dass Krankenwägen angegriffen werden, nur weil sie da parken. Es werden Feuerwehrleute angegriffen. Das ist die Seite, auf der das Ganze spielt.

Programmhinweis:Tatort Dreden - "Rettung so nah"
07.02.2021 | 20:15 Uhr
ARD

Ist das dann noch ein richtiger Vor-Corona-Film?

Ja, also bevor Corona hier akut wurde. Wir haben Anfang März letzten Jahres angefangen und sind dann sozusagen voll in die Krise gerutscht und hatten dann auch eine Unterbrechung. Das war, glaube ich, der längste Tatort, den ich in meinem Leben gedreht habe - nämlich drei Monate lang.

Sind die Dresden-Drehs für Sie auch eine Entdeckung?

Genau, das stimmt. Das ist für mich nun als Ex-Dresdner oder Kindheitsdresdner so beglückend, was für Ecken von Dresden ich jedes Mal entdecken darf, wenn ich da bin. Und manchmal kommen bei mir auch Erinnerungen aus der Kindheit hoch. Ich finde, das ist ein Geschenk für mich, das machen zu dürfen.

Martin Brambach ...... wurde am 28. Oktober 1967 in Dresden geboren und wuchs in Ost-Berlin in auf. Sein (Stief-)Vater war der Schauspieler und Regisseur Karlheinz Liefers (1941-2006). Aus der ersten Ehe des Stiefvaters stammt der Schauspieler Jan Josef Liefers, der in Dresden aufwuchs.

1984 siedelte Bambach trotz einer Zusage von der Berliner Schauspielschule Ernst Busch mit seiner Mutter nach Hamburg über. Später besuchte er die Westfälische Schauspielschule in Bochum.

Seit 2016 gehört Martin Brambach in der Rolle als Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel zum Ermittler-Team des "Tatort" aus Dresden.

Quelle: Munzinger-Archiv GmbH, Ravensburg

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.02.2021 | 20:15 Uhr

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