Öffentlichkeitsfahndung Polizei sucht diese Tatverdächtigen nach Ausschreitungen beim Dynamo-Aufstiegsspiel

Nach dem Aufsstiegsspiel von Dynamo Dresden im Mai ist es rund um das Rudolf-Harbig-Stadion zu Ausschreitungen gekommen. Die nüchterne Bilanz: 185 Beamte wurden verletzt. Etwa 160 Tatverdächtige sind ermittelt, aber noch nicht alle namentlich bekannt. Mit einer beispiellosen Öffentlichkeitsfahndung sucht die Polizei nun nach den mutmaßlichen Rädelsführern - ihre Gesichter sind auf Plakaten, die in Dresden aufgehängt werden.

Enrico Lange von der Soko Hauptalle hängt ein Fahndungsplakat auf.
Enrico Lange von der Soko "Hauptallee" hängt ein Fahndungsplakat auf. Alle Personen auf diesem Plakat werden in Verbindung mit den Krawallen rund um das Dynamo-Aufstiegsspiel gesucht. Bildrechte: Tino Plunert

Rund einen Monat nach den gewalttätigen Ausschreitungen in der Nähe des Dresdner Rudolf-Harbig-Stadions fahndet die Polizei öffentlich nach 20 mutmaßlichen Rädelsführern. Wie die zuständige Polizeidirektion mitteilte, sind ab sofort Plakate ausgehängt, auf denen die Tatverdächtigen zu sehen sind. Ihnen wird schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Die meisten von ihnen sollen als Flaschen- oder Steinewerfer auf der Lennéstraße und im Großen Garten in Erscheinung getreten sein.

Im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen konnte die Soko "Hauptallee" bislang 160 Täter ausfindig machen, von denen 120 bekannt sind. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden hatte das Amtsgericht die Öffentlichkeitsfahndung angeordnet. Die Fahndungsplakate sind an verschiedenen Orten in Dresden zu sehen - unter anderem im Großen Garten, dem Haupt-Tatort.

Polizeikontakte Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer (0351) 483 22 33 oder der E-Mail-Adresse hinweisaufnahme.pd-dresden@polizei.sachsen.de entgegen.

185 verletzte Polizisten bei Ausschreitungen

Während und nach dem Drittligaspiel gegen Türkgücü München (4:0) war es Mitte Mai zu massiven Ausschreitungen im Stadion-Umfeld gekommen. Dabei waren laut Polizei 185 Beamte verletzt worden, aber auch Journalisten sowie unbeteiligte Fans, deren Zahl nicht bekannt ist. Etwa 500 gewaltbereite Fußballfans hatten aus einer Menge von mehreren tausend Fans rund um das Rudolf-Harbig-Stadion die Polizisten mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen angegriffen. Hauptorte der Auseinadersetzungen waren die Lennéstraße und die Hauptallee im Großen Garten. Zuvor hatten die Täter gemeinsam mit Dynamo-Fans den sich anbahnenden Aufstieg gefeiert.

Polizei kritisiert Dynamo wegen fehlender Kooperation

Kritik gab es am Donnerstag daran, dass Vertreter von Dynamo Dresden beim offziellen Start der Fahndung fehlten. "Es macht wohl jeder seinen Trott weiter", sagte Polizeisprecher Thomas Geithner, "ein Schulterschluss sieht anders aus." Auch sonst arbeite der Verein nicht engagiert mit der Polizei zusammen. So sollte ein Fahndungsplakat am Fan-Shop am Stadion angebracht werden, wozu es keine Reaktion gab. Erste Stadionverbote, die bereits vor drei Wochen angeregt wurden, seien mit der Begründung "Urlaub" bislang nicht verhandelt worden. Wie überhaupt die Polizei keinen Vertreter in der Stadionverbotskommission des Clubs habe.

Polizeisprecher Dresden, vor Polizeipräsidium
Bildrechte: MDR

Wir fühlen uns allein gelassen.

Thomas Geithner Dresdner Polizeisprecher

Dresdner OB: Dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen

Die Aufarbeitung der Geschehnisse war am Donnerstag auch Thema bei der Übergabe eines Förderbescheids über eine Million Euro für die Mehrkosten beim Bau des Trainingszentrums durch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert an den Kaufmännischen Geschäftsführer von Dynamo Dresden, Jürgen Wehlend, sowie bei der Vertragsunterzeichnung über die Zahlung von jeweils 1,5 Millionen Euro der Stadt Dresden an die BAM Sports GmbH als Betriebsbeihilfe zur Unterstützung der Stadion Dresden Projektgesellschaft mbH & Co. KG für die nächsten beiden Jahre.

Das sei ein klares Signal an Dynamo, sagte Hilbert. "Fakt ist aber auch, dass wir alle nach den Ereignissen rund um den Aufstieg in die 2. Liga nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können."

Dirk Hilbert
Bildrechte: dpa

Ich bin deshalb dankbar, dass sowohl die Verantwortlichen bei Dynamo, als auch Fan-Vertreter den Ernst der Lage erkannt haben und nun ein intensiver Gesprächsprozess mit allen Beteiligten in Gang kommen wird.

Dirk Hilbert Dresdner Oberbürgermeister

"Politik und Verwaltung werden im Kriminalpräventiven Rat und im Stadtrat nicht über, sondern mit Polizei und Verein sprechen", sagte der Oberbürgermeister.

Dynamo-Geschäftsführer: Werden uns kritisch hinterfragen

Dynamo-Geschäftsführer Wehlend betonte, man sei noch mitten in der Aufarbeitung der Geschehnisse. Sowohl Verein aber auch die aktive Fanszene hätten Erklärungen abgegeben, dass sie für ein respektvolles Miteinander und Gewaltfreiheit stehen. "Jeder, der gegen die Dynamo-Charta verstößt, ist nicht Dynamo", sagte Wehlend. Bei aller Diskussion dürfe man nicht vergessen, was in puncto Sicherheit bereits alles erreicht wurde.

Jürgen Wehlend wird als neuer kaufmännischer Geschäftsführer der SG Dynamo Dresden vorgestellt.
Bildrechte: SGD/ Steffen Kuttner

Man darf jetzt nicht alles über Bord werfen, weil es an dem einen Tag nicht funktioniert hat. Wir werden aber alles kritisch und vor allem selbstkritisch hinterfragen.

Jürgen Wehlend Kaufmännischer Geschäftsführer von Dynamo Dresden

Er kündigte eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Verein, Fan-Szene, Stadt und sächsischem Innenministerium an. Zudem werde Dynamo am 30. Juni auch vor den Stadträten erscheinen, um gemeinschaftlich über Maßnahmen zu sprechen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 24. Juni 2021 | 12:00 Uhr

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