Lange Tafel am Goldenen Reiter Mit Gastmahl für Weltoffenheit gegen Pegida-Image von Dresden

Dresden will sein negatives Pegida-Image loswerden. Verbände und Organisationen haben deshalb am Montagnachmittag mit einer langen Tafel als "Gastmahl für alle" ein Zeichen für Weltoffenheit gesetzt. Am gleichen Abend sprach bei der Pegida-Bewegung Thüringens AfD-Vorsitzender Björn Höcke.

Gastmahl für Weltoffenheit in Dresden
Bildrechte: MDR/Christof Stumptner

Kaffee, Federweißer, Kuchen, Obst - in der Dresdner Neustadt war die Tafel zu Füßen des Reiterstandbildes August des Starken reich gedeckt. Zum fünften Mal haben mehr als 60 Vereine und Institutionen aus der Stadt zu einem gemeinsamen Gastmahl eingeladen. Mehrere hundert Menschen haben unter dem Motto "Dresden is(s)t bunt" an den Biertischgarnituren Platz genommen, um ein Bekenntnis zu Vielfalt und Weltoffenheit abzulegen.

Auf der Hauptstraße erstreckte sich eine an die 300 Meter lange Tafel vom Goldenen Reiter bis zur Dreikönigskirche. Passanten flanierten vorbei, schauten zunächst vorsichtig. Mit einer Tasse Kaffee und einen Muffin in der Hand brach dann das Eis schnell und es kam überall zu einem Schwätzchen. Das schöne Herbstwetter tat sein Übriges dazu.

Gutes Konzept um ins Gespräch zu kommen

"Das Gastmahl ist ein gutes Konzept, um mit anderen ins Gespräch zu kommen", fand Cornelia Rank vom Familienzentrum Kaleb. Erst im Juli hat Kaleb das Gesprächsformat "Lebendige Bibliothek" ins Leben gerufen. Dort haben Leute ihre persönlichen Lebensgeschichten erzählt, vom Verlust eines Menschen, von der Flucht aus Syrien oder warum jemand ein Kind zur Adoption freigegeben hat. Das sei so gut gelaufen, dass die "Lebendige Bibliothek" im November in der Städtischen Bibliothek im Kulturpalast wiederholt werden soll, berichtete Annegret Mühl vom Familienzentrum.

Hier beim Gastmahl war der Kaleb-Verein zum ersten Mal mit dabei. "Es ist uns ganz wichtig, Menschen in ihrer Einmaligkeit zu akzeptieren und zu wertschätzen. Diese Wertschätzung ist ein Grundgedanke von Kaleb Dresden", erklärte Mühl.

Menschen sitzen zusammen im Freien
Steffi Wagener, Cornelia Rank, Amrie Fink und Annegret Mühl (v.re.) engagieren sich im Familienzentrum Kaleb. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Kultur mit anderen teilen

Ein paar Meter weiter ließ ein Mitarbeiter der Städtischen Museen zwei Mädchen Märchen erraten. Die Mutter, Anna Eitlerova, stand daneben und freute sich über die Begeisterung ihrer Töchter. Die gebürtige Tschechin ist Mitarbeiterin einer Steuerkanzlei, die ebenfalls einen Tisch an der Hauptstraße gedeckt hatte. Seit 2011 lebt Anna Eitlerova in Dresden. Es sei ihr wichtig, bei dem Gastmahl dabei zu sein, erzählte sie. "Ich teile die Werte, wegen der die Aktion hier entstanden ist. Das alle gleichwertig sind. Ich mag es, auch die Kultur mit anderen zu teilen. Das ist der Grund, warum ich da bin", sagte die junge Frau.

Menschen sitzen zusammen im Freien
Die Tschechin Anna Eitlerova lebt seit 2011 in Dresden. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Speisen, Basteln, Tanzen

Auf der Hauptstraße konnte nicht nur gespeist werden, sondern es gab Basteleien für die Kinder und ein wenig Kulturprogramm mit Tanz und Gesang. Tango tanzen konnte man beispielsweise auf Höhe der Dreikönigskirche. Dort hatte das Tango/Theater seinen Tisch. Es handelt sich dabei um ein Projekt von der Cellex-Stifung, der Stiftung die das "Gastmahl für alle" organisiert, wie Maria Tapia de Kordt erklärte.

Die Köchin stammt auch Nicaragua und lebt seit 32 Jahren in Deutschland. Das Tango/Theater bringe verschiedene Nationen zusammen. Ja, man sei heute hier, um ein Zeichen setzen, stimmte die Frau zu, aber auch um zu tanzen. "Man sollte auch im Leben tanzen."

Menschen sitzen zusammen im Freien
Maria Tapia de Kordt, Tamás de Kordt, Isabelle Pohle und Ali Habib sitzen am Tisch von Tango/Theater, einem Projekt der Cellex-Stifung. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

'Dresden is(s)t bunt' steht für die stärkere Seite der Stadt, für Gastfreundschaft und Freude statt Misstöne, für Toleranz und Weltoffenheit statt Menschenverachtung und Hass, für Demokratie statt Autokratie.

Gerhard Ehninger Mitinitiator

Protest gegen Pegida und Polizei mit erhöhter Präsenz

Das "Gastmahl für alle" war ein Gegenpol zur Pegida-Kundgebung, die am Montagabend beim Hauptbahnhof abgehalten wurde. Ein zweiter Gegenpol waren Proteste am Rande der Kundgebung selbst. Die asyl- und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung hatte den Dresdner AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier und den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke als Redner eingeladen. Die Kundgebung wurde zunächst so laut von rund 1.000 Gegendemonstranten gestört, dass die Veranstaltung abgebrochen werden musste. Der Abendspaziergang wurde vorgezogen. Als die etwa 2.000 Pegida-Anhänger dann zum Bahnhof zurückkehrten, sprachen die AfD-Politiker doch - weiterhin begleitet von lautem Getöse der Gegendemo.

Die Polizei war mit einer erhöhten Anzahl von Beamten vor Ort und trennte die Lager. Nach Angaben der Polizei blieb das Geschehen weitgehend entspannt - nur am Rande kam es zu Beleidigungen und Rangeleien, hieß es.

Quelle: MDR/ma/bh/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 13. September 2021 | 16:00 Uhr

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