XXL-Alleskönner in Planung Ein Gartenroboter für Pillnitz?

Sachsens Schlossgärtner haben alle Hände voll zu tun. 300 Hektar Fläche in öffentlichen Parks wie Pillnitz müssen gepflegt und gehegt werden. Dazu gehören Rasenflächen, wertvolle Gehölze, Hecken, Pflanzen, die Bewässerung. Helfen sollen dabei zukünftig Roboter. Also nicht die kleinen runden Rasenroboter, wie wir sie kennen, sondern XXL-Alleskönner. Doch wie sollen die eingesetzt werden? Der Geschäftsführer vom Schlösserland Sachsen, Christian Striefler, im MDR SACHSEN-Interview.

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Pillnitz Bildrechte: MDR/Bigalke

Was muss der Gartenroboter alles können?

Christian Striefler: Die Gartenroboter sollen beispielsweise beim Heckenschnitt eingesetzt werden, bei den großen langen Hecken in Pillnitz oder in Großsedlitz. Oder denken Sie an die Kübelpflanzen in einem heißen Sommer, die brauchen wahnsinnig viel Wasser oder die Wegepflege. Auf den langen Wegen sammelt sich viel Unkraut. Das muss jetzt immer mit der Hand rausgerupft werden.

Barockgarten Großsedlitz
Neben dem Barockgarten Großsedlitz hat das Schlösserland Sachsen 17 weitere Gärten und 16 Liegenchaften zu betreuen. Bei dem zunehmenden Fachkräftemangel, auch im gärtnerischen Bereich, wäre eine helfende Hand in Form eines Roboters eine willkommene Alternative. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Man stellt sich einen Riesenroboter mit Riesenscheren vor, der dann im Park herumfährt und die Hecken schneidet. Da bekommt man doch Angst.

Da braucht man keine Angst zu haben. Erstens ist es gut möglich, dass die nachts arbeiten können, die brauchen keine Helligkeit wie wir. Möglicherweise würden Sie die als Besucher gar nicht sehen. Die Scheren, die werden auch nicht größer sein als die Schere bei einer normalen Heckenschere. Vielleicht ein bisschen größer. Aber die ganzen Sicherheitsfragen, die werden mit zu beachten sein. Das sind eben die Herausforderungen, die wir haben, beziehungsweise die das Barkhausen-Institut der Technischen Universität in Dresden hat, mit denen wir da zusammen forschen.

Es muss dann aber sichergestellt sein, dass dann möglichst nur die Hecken geschnitten werden und nicht plötzlich die Kamelie dran glauben muss.

Ja, klar. *lacht* Heutzutage kann man den Robotern das einprogrammieren. Wir werden dann sicherlich auch viele Versuche machen. Wir wollen auch sehen, eventuell mit einem industriellen Partner, dass das serienreif werden kann. Das wäre eine große Sache.

Mann liegt mit schmerzerfülltem Gesicht und einer Heckenschere auf einer Wiese. 1 min
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Bei der Entwicklung des Gartenroboters haben unsere Satirekollegen eine Idee ...

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 07.12.2021 06:20Uhr 00:46 min

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Der Alleskönner selbst ist aber noch nicht fertig, oder? Man kann jetzt nicht in den Baumarkt gehen und das kaufen.

Nein, es gibt überhaupt noch nichts in der Richtung. Ich weiß, dass viele Firmen an solchen Automatisierungsprozessen arbeiten. Es gibt übrigens bisher auch keine Rasenroboter für Großflächen.

Was sagen die Gärtner dazu? Haben die keine Sorge um ihren Job?

Unsere Gärtner haben gerade auch durch den Klimawandel, viel mehr zu tun, als vorher. Und wenn man sich von bestimmten Tätigkeiten entlasten kann, und zwar einfachen Tätigkeiten, dann werden die sogar froh sein.

Grosser Garten Dresden
Viel Grün mitten in Dresden. Das will alles gepflegt sein. Ein Gartenroboter könnte im Großen Garten unter Anleitung mithelfen, zum Besipiel beim Gießen der Blumenrabatten. Bildrechte: Schlösserland Sachsen

Jetzt die große Frage: Ab wann kommen die Roboter? Was denken Sie?

Das Forschungsprojekt läuft jetzt erst einmal zwei, drei Jahre. Und dann muss man sehen, ob man die Roboter serienreif bekommt. Das wird noch ein paar Jahre dauern, bis die richtig dauerhaft im Einsatz sind. Das ist noch Zukunftsmusik.

Wir werden verschiedene Möglichkeiten analysieren wie Bewässerung, Wegepflege, Hecken- oder Gehölzschnitt und den Ansatz, hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und technologischer Machbarkeit bis 2024 einen Prototypen umzusetzen.

Christian Schäfer-Hock | Sprecher der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten gGmbH Sachsen

Über automatische Gartenroboter wurde am 8. Dezember von 9 bis 13 Uhr in einer Online-Bürgerdiskussion diskutiert. In der Veranstaltung ging es um das utopische und dystopische Potenzial von automatischen Gartenrobotern in öffentlichen Gärten in Sachsen. Die Ergebnisse der Bürgerdiskussion sollen im Forschungsplan berücksichtigt werden.

Das Interview führte Silvio Zschage.

Quelle: MDR(in)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Guten Morgen Sachsen | 08. Dezember 2021 | 06:20 Uhr

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