Umweltschutz Mit pinken Händen gegen Zigrattenkippen-Dreck in Dresden

Sie sammeln Kippen an der Elbe, auf Straßen und Wegen ein. Und sie klären an Infoständen mit teils spaßigen Elementen darüber auf, wie schädlich die Stummelreste auf Grundwasser, Tiere und Natur wirken. Der Einsatz der Initiative "Pinke Hände" aus Dresden wird belohnt: Sie wurde für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen.

Alexander Kempe von der Aktion "Pinke Hände" sammeln Zigarettenkippen in Dresden
Alexander Kempe hat die Aktion "Pinke Hände" ins Leben gerufen. Bildrechte: xcitePRESS

Hunderttausende Menschen in Deutschland machen das Tag für Tag: Die Zigarette ist aufgeraucht, Fingerschnipp und der Stummel landet, egal, irgendwo - nur nicht dort, wo er hingehört, im Mülleimer. Schätzungsweise eine Million Kippen fallen so jeden Tag auf Deutschlands Wege und Böden - einfach fallen gelassen von einigen der aktiven, knapp 14 Millionen Täglich-Raucher, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Deutschland zurechnet.

Das stört Menschen der Initiative "Pinke Hände" in Dresden. Sie sammeln die Stummel wieder auf. Dafür ziehen sie mit pinkfarbenen Mehrfachhandschuhen los und reinigen die Stadt. Für diesen Einsatz für die Umwelt wurden die Dresdner für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen.

Die Umweltaktivisten der Aktion "Pinke Hände" sammeln Zigarettenkippen in Dresden
Gerda Uhlemann und Alexander Kempe von der Initiative "Pinke Hände" in Dresden. Bildrechte: xcitePRESS

Es ist eine große Ehre für uns, für den Engagementspreis nominiert worden zu sein.

Alexander Kempe Initiator der Gruppierung "Pinke Hände"

Aus Frust-Aktion wird Initiative

Angefangen hat alles vor zwei Jahren, als eine Freundin nach der Trennung von ihrem Partner Alexander Kempe zum "Frust-Müllsammeln" einlud, um auf andere Gedanken zu kommen, erzählt Kempe. Das war im August 2019, als die beiden auf Anhieb einen Zehn-Liter-Eimer Kippenreste sammelten. Seitdem haben er und Mitstreiterinnen und -mitstreiter "bestimmt schon eine Million Kippenreste in Dresden eingesammelt". Wegwerfen kommt für die pinken Hände nicht in Frage - "auch wenn das etwas eklig ist", wie der Dresdner Student Kempe anmerkt. Die Überbleibsel Nikotinsüchtiger werden in großen Plastikeimern und Flaschen gesammelt und verwandelt. "Wir basteln daraus Figuren und Kunstobjekte, die wir mit an die Stände nehmen."

Was ist so schlimm an einer Zigarettenkippe? Laut WHO verschmutzen pro Jahr etwa 4,5 Billionen Kippenstummel den Planeten, das sind zwischen 340 und 680 Millionen Kilo Kippenmüll.

In Zigarettenstummeln sammeln sich giftige Substanzen wie Arsen, Blei, Kupfer, Chrom, Kadmium, Formaldehyd, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Nikotin, dazu der Kunststoff Celluloseacetat. Ein umweltbelastender Giftmix aus Chemikalien und Mikroplastik.

Abhängig von den vorherrschenden Bedingungen kann es 15 Jahre und länger dauern, bis eine Kippe abgebaut ist, bei Hitze zersetzt sie sich schneller, in Salzwasser dauert es bis zu 400 Jahre.

Ein Stummel verseucht 60 Liter Wasser.

Zigarettenstummel wegschnippen kostet Bußgeld, je nach Kommune zwischen 20 und 200 Euro.

Flaschen mit Zigarettenkippen in Dresden am Elbufer
Zigarettenstummel enthalten eine Vielzahl giftiger Substanzen und belasten die Umwelt schwer. Bildrechte: xcitePRESS

Aufklären mit Spaß-Faktor

Näher an die Menschen gehen und mit Spaß an das Thema Umweltverschmutzung herangehen, nennt Kempe die Ziele seiner Initiative. Entlang der Elbe und in der Dresdner Neustadt spricht die Initiative die Leute an. "In Medien und Filmen wird immer dargestellt, dass es cool ist, seine Kippe wegzuwerfen. Es wird nicht darüber nachgedacht, ob das Müll ist", erklärt Kempe. Er wünscht sich, dass Mitmenschen, die das Stummel-Wegwerfen stört, die Raucher freundlich darauf ansprechen.

Viele Leute hören zu und reflektieren auch ihr Verhalten. Bei den Jüngeren stoßen wir auf offene Türen. Es gibt aber auch Spezialisten, die gleich in den Verteidigungsmodus gehen. Die sind aber selten.

Alexander Kempe Umweltaktivist

Acht bis neun Menschen im Alter von 16 bis Mitte 30 Jahren gehören zum Kernteam der Gruppe. Wenn sie zu Aufräumaktionen aufrufen, sammeln jedes Mal um die zehn bis 20 Leute in unterschiedlichen Gruppen mit. "Bei uns kann jeder mitmachen. Wir brauchen immer helfende Hände", sagt Alexander Kempe. Die wiederverwendbaren Handschuhe in pink bekommen die Helfer gestellt.

Quelle: MDR/kk

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