Großeinsatz Nach Juwelendiebstahl aus Grünem Gewölbe: Verdächtiger sollte Haftstrafe in Berlin antreten

Im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl im Historischen Grünen Gewölbe in Dresden vor knapp einem Jahr sind bei einem Polizeieinsatz in Berlin drei Männer festgenommen worden. Die dringend Tatverdächtigen befinden sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Es handelt sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um Mitglieder eines arabischstämmigen Clans und deutsche Staatsbürger. Einer der Männer war bereits wegen Kunstdiebstahls verurteilt und sollte eine Haftstrafe in Berlin antreten.

Mehrere vermummte Polizisten stehen vor einem Polizeiwagen. Ein Junger Mann wird in den Wagen gesetzt.
Nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe vor einem Jahr wurden am Dienstag drei Tatverdächtige festgenommen. Bildrechte: MDR/TNN

Nach den Verhaftungen am Dienstagmorgen fahndet die Polizei nach zwei weiteren dringend Tatverdächtigen. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft sind diese ebenfalls Mitglieder eines arabischstämmigen Clans. Inzwischen werde international öffentlich gefahndet. Bei den beiden Gesuchten handle es sich um Abdul Majed Remmo und Mohamed Remmo, Beide sind 21 Jahre alt.

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat gegen alle fünf Personen Haftbefehle wegen schweren Bandendiebstahls und Brandstiftung erlassen. Es bestehe dringender Tatverdacht. Außerdem gehe man von mindestens einem weiteren unmittelbar Tatbeteiligten aus, so die Staatsanwaltschaft.

Ein mögliches Fluchtfahrzeug der beiden 21-Jährigen wurde der Polizei zufolge bereits am Dienstag gefunden. Offiziell gab es bis Mittwochnachmittag keine Spur von den beiden Männern. Aktuell habe man keine Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort, teilte die Dresdner Staatsanwaltschaft mit. Einzelnen Hinweisen, die zwischenzeitlich eingegangen sind, gehen Staatsanwaltschaft und Polizei nach.

Öffentlichkeitsfahnung Abdul Majid und Mohamed Remmo (v. l. n. r.)
Nach diesen beiden Männern fahndet die Polizei. Bildrechte: Polizeidirektion Dresden

Untersuchungshaft angeordnet

Die drei festgenommenen Tatverdächtigen befinden sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Dresden setzte die Haftbefehle gegen die beiden 23- und einen 26-Jährigen in Vollzug, wie die Staatsanwaltschaft am Nachmittag mitteilte. Die Beschuldigten hätten sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert.

Staatsanwalt Jürgen Schmidt sagte MDR SACHSEN, die Auswertung der Innen- und Außenaufnahmen der Überwachungsanlage des Dresdner Residenzschlosses habe die Ermittler auf die Spur der Tatverdächtigen gebracht. Neben dem bekannten und ausgebrannten Tatfahrzeug sei ein weiteres "hochmotorisiertes" Fahrzeug "in Taxioptik" auf Aufnahmen identifiziert worden, mit dem die Verdächtigen nach Berlin geflohen sein sollen.

Fahndung Thema bei "Aktenzeichen XY ungelöst"

Die Suche nach den beiden flüchtigen Tatverdächtigen wird am Mittwochabend Thema bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY. ungelöst" sein. Die Polizei erhofft sich dadurch nach eigener Aussage Hinweise zum Aufenthaltsort der 21-jährigen Zwillingsbrüder.

Wohnungen und Garagen durchsucht

Bei dem Großeinsatz am Dienstag in der Bundeshauptstadt wurden 20 Wohnungen, zwei Garagen, ein Café und mehrere Fahrzeuge durchsucht. Die Einsatzkräfte in Berlin hätten unter anderem zahlreiche Speichermedien sowie Bekleidungsstücke und geringe Mengen Betäubungsmittel sichergestellt.

Laut Staatsanwalt Schmidt gibt es noch keinen Hinweis auf den Verbleib des Diebesguts. Die Ermittler haben derzeit auch wenig Hoffnung, dass die Objekte wieder nach Dresden zurückkehren. "Da müsste man sehr viel Glück haben, dass man die ein Jahr nach der Tat noch finden würde", sagte der Sprecher der Dresdner Polizei, Thomas Geithner und ergänzte: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Berlins Innensenator: Bezüge zu Clankriminalität

Berlins Innensenator Andreas Geisel hat den Polizeieinsatz und die Festnahme der drei Tatverdächtigen als großen Erfolg gewertet. Der SPD-Politiker sprach von einer professionellen Zusammenarbeit zwischen Berliner und sächsischen Polizisten, die nunmehr belohnt worden sei.

Wörtlich sagte der Innensenator: "Wir sind froh, dass bei der Aufklärung eines Kunstraubs ein großer Erfolg geglückt ist." Die Ermittlungen wiesen Bezüge zur Clan-Kriminalität auf, sagte Geisel. "Niemand sollte glauben, er könne sich über diesen Staat und seine Regeln hinwegsetzen." Maß aller Dinge sei der Rechtsstaat, so Geisel. Die arabischstämmige Großfamilie werde auch für andere schwere Straftaten verantwortlich gemacht.

Tatverdächtiger sollte Haftstrafe in Berlin antreten

Bei einem der nun verhafteten Tatverdächtigen handelt es sich um eines der zwei Clanmitglieder, die für den Diebstahl einer wertvollen Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum im Februar 2020 zu vier Jahren und sechs Monaten Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt worden waren. Die Jugendstrafe war seit September rechtskräftig. Das für die Vollstreckung zuständige Amtsgericht Tiergarten habe den Mann bisher nicht zum Haftantritt aufgefordert, wie eine Gerichtssprecherin am Mittwoch auf Anfrage bestätigte.

Nach seiner Festnahme im Jahr 2017 war er von der Untersuchungshaft mit der Bedingung verschont worden, sich dreimal in der Woche bei der Polizei zu melden und alle zwei Wochen die Teilnahme an einem Kurierdienst-Praktikum zu bescheinigen. Diese Bedingungen habe der Mann stets erfüllt, sagte die Gerichtssprecherin weiter.

1.638 Polizeibeamte im Einsatz

Bei den laufenden Fahndungsmaßnahmen unter Führung der Dresdner "Soko Epaulette" sind den Angaben zufolge 1.638 Polizeibeamte im Einsatz. Neben Einsatzkräften aus Sachsen seien auch Spezialeinsatzkräfte des Bundes und der Länder Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligt.

Zuerst hatte das MDR-Magazin "Kripo live" unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, dass es im Berliner Stadtbezirk Neukölln einen Großeinsatz der Polizei gebe.

Hoffnung bei Kulturministerin

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch sieht in der Festnahme der Tatverdächtigen einen wichtigen Schritt zur Aufklärung des Verbrechens. "Wenn sich bestätigen würde, dass die Täter gefasst werden konnten, wäre das ein großer Erfolg und es wäre ein gutes Signal in schwierigen Zeiten", sagte Kleptsch. Jetzt endlich dürfe man Hoffnung haben, die gestohlenen Juwelen zurückzubekommen. Diese seien von unschätzbarem materiellen, aber auch hohem ideellen Wert für die Kultur.

Der Schaden, der mit dem Diebstahl verursacht wurde, ist nicht nur für uns Sachsen immens, sondern für die Weltkultur.

Barbara Klepsch Kulturministerin Sachsen

Auch die Staatlichen Kunstsammlungen hoffnungsvoll

Ähnlich hoffnungsvoll äußerten sich auch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. "Die aktuellen Entwicklungen in Berlin geben uns große Hoffnung, dass der Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe knapp ein Jahr danach kurz vor seiner Aufklärung steht", sagte Generaldirektorin Marion Ackermann. "Wir hoffen natürlich, dass die Juwelengarnituren gefunden werden und bald wieder an ihrem angestammten Ort zurückkehren können", so Ackermann.

Diebe stahlen diverse Schmuckstücke

Bei dem Einbruch am 25. November 2019 waren Unbekannte in der Dunkelheit über eines der vergitterten Fenster in das weltberühmte Museum im Dresdner Residenzschloss eingedrungen. Im Juwelenzimmer hatten sie mit einer Axt drei Löcher in die Vitrine geschlagen und entnahmen daraus etwa zwei Dutzend barocke Schmuckstücke aus Gold, Diamanten und Brillanten von nicht bezifferbarem Wert mit. Schon damals prüfen die Dresdner Ermittler Parallelen zum Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze im Frühjahr 2017 aus dem Bodemuseum. Der Wert der Münze wird auf rund 3,75 Millionen Euro geschätzt. Sie ist bis heute verschwunden.

Bildergalerie Diese Kostbarkeiten verschwanden aus der Vitrine im Grünen Gewölbe

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben nun mitgeteilt, welche Schmuckstücke am Montagmorgen gestohlen worden. Für die Schäden haftet der Freistaat, eine eigene Versicherung gibt es nicht.

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens: Er trägt 225 größere und kleinere Diamanten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Hutagraffe: Der Diamant in der Schleife oben hat 24,98 Karat. Der Mittelstein unten in der Rosette zeichnet sich durch 16,5 Karat aus. Die Hutkrempe besteht aus 13 großen und 103 kleineren Diamanten, aus Silber und Gold. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Achselschleife (Epaulette) - Teilstück vorhanden: Das Schmuckstück trägt 20 große und 216 kleine Diamanten, besteht aus Gold und Silber. Die größte Diamantrose in der Mitte der Doppelschleife hat 31,5 Karat. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Überblick über die Brillantgarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Diese große Brustschleife gehörte Königin Amalie Auguste. Der Schmuck stammt aus dem Jahr 1782 und trägt 51 große und 611 kleine Brillanten. Die Steine werden von Gold- und Silbereinfassungen gehalten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Aigrette für das Haar in Form einer Sonne Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
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Quelle: MDR/lam/bj/epd/dpa/afp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.11.2020 | 08:00 Uhr in den Nachrichten

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