Diskussion Bauernproteste und Debatte um Wolfsschutz im Sächsischen Landtag

Seit Mittwochabend demonstrierten Landwirte vor dem Landtag gegen einen aus ihrer Sicht einseitigen Tierschutz zu Gunsten des Wolfes. Mit Kerzen erinnerten sie an gerissene Nutztiere. Im Landtag wurde am Donnerstag über den künftigen Schutzstatus des zurückgekehrten Raubtiers debattiert.

Demonstration von Bauern gegen Wölfe
Kerzen für tote Schafe: Mit dieser Aktion protestiert ein Teil der sächsischen Bauernschaft gegen aus ihrer Sicht zu starkem Schutz der Wölfe. Bildrechte: Roland Halkasch

Seit Mittwochabend haben Landwirte vor dem Landtag gegen einen aus ihrer Sicht einseitigen Tierschutz zu Gunsten des Wolfes demonstriert. Weil es immer wieder zu Attacken des Wolfes auf Schafe, Ziegen und andere Tiere komme, verlangten die Bauern eine Kontrolle und Regulierung des Wolfbestands. Nach Meinung der Vereinigung "Land schafft Verbindung Sachsen" können sich die Wölfe bisher ungehindert vermehren und stellen so eine Gefahr für Nutztiere dar. Mit 400 Kerzen machten die Bauern auf die Zahl der 2020 von Wölfen gerissenen Nutztiere aufmerksam. Auch im Sächsischen Landtag war der Wolf am Donnerstag umstrittenes Debattenthema.

Der Ausschuss für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft des Sächsischen Landtags befasste sich in einer öffentlichen Anhörung mit mehreren Anträgen von Fraktionen zum Thema Wolf. So sprach sich die AfD unter anderem für eine Bestandsregulierung aus. In einem anderen Antrag schlug die AfD-Fraktion ein grenzüberschreitendes Wolfsmonitoring mit Polen vor.

Kontroverse Diskussion über künftigen Status des Wolfs

Der CDU-Abgeordnete Andreas Heinz forderte die Landesregierung auf, konsequent gegen auffällige Wölfe vorzugehen. Weidetierhalter hätten ein Recht darauf, dass ihre Belange ernst genommen würden. Damit stieß er in die selbe Argumentationsrichtung wie die AfD, die keine "unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes" zulassen will. Der Abgeordnete René Hein plädierte für eine geordnete Bejagung, die dem Wolf nicht schade.

Linke: Unwissenheit und Populismus nicht gut für den Wolf

In der Debatte um den Umgang mit Wölfen sehen die Linken keinen Anlass für Hysterie. "Vor dem Wolf braucht nicht mal Rotkäppchen Angst haben", überschrieb die aus der Lausitz stammende Landtagsabgeordnete Antonia Mertsching eine Stellungnahme. Bisher habe kein Wolf in Deutschland einem Menschen etwas zuleide getan, "der Mensch dem Wolf hingegen schon", sagte die Politikerin. Populismus, gepaart mit Fehlinformationen durch mangelnden Faktencheck seien eine ungute Entwicklung für den Wolf und dessen gesellschaftliche Akzeptanz.

Die Koalition von CDU, Grünen und SPD sprach sich in ihrem Antrag für ein stärkeres Wolfsmanagement in Sachsen aus. Zugleich wollen die Koalitionäre erreichen, dass Halter von Weidetieren wie Schafe und Ziegen beim Kauf von Schutzzäunen und anderem Material und zum Ausgleich täglicher Mehraufwendungen auch über die aktuelle Förderperiode hinaus unterstützt werden.

Mehr als 20 Wolfsrudel in Sachsen heimisch

Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gibt es in Sachsen aktuell 25 Rudel, in denen eine Reproduktion nachgewiesen ist. Insgesamt wurden 78 Welpen gezählt. Drei sächsische Rudel überschreiten die Grenzen des Bundeslandes.

Quelle: MDR/lam/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 08. Juli 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

amoureux vor 19 Wochen

Waschbären 😜 oder die afrikanischen Honigbiene (Killerbiene) aus harmloses Experiment die Kreuzung der friedfertigen europäischen mit angriffslustige afrikanische. Auch die asiatische Hornisse breitet sich in Deutschland aus. Die Räuberin ist wesentlich gefährlicher als heimische Hornissenarten, denn sie frisst Honigbienen.

Sharis vor 20 Wochen

Ich habe nie behauptet, ein Wolfsriss sei ein schöner Anblick.
Das ist nun mal Natur & keine Supermarkt-Fleischtheke - sollte man gerade als Landkind eigentlich wissen.

Maria A. vor 20 Wochen

Meine Güte, was für Schlussfolgerungen. Na, schon anhand Nicknamen könnte man sich ein Urteil über die Denke bilden... Ich bin auf dem Dorf groß geworden und da überwog traditionelle Landwirtschaft. Dazu war viel Engagement erforderlich und es wurde sich tagtäglich um seinen Tierbestand gekümmert. Wer keine Empathie für Tiere hat, der wird sich auch heute so eine Arbeit kaum aufhalsen. Deshalb behaupte ich, dass jedem Tierhalter das Herz blutet, wenn er angefressene, durch Wolfsbisse elend verendete, Tiere auffinden muss. Glauben Sie, diese Bilder kriegt man leichter aus dem Kopf, wenn man nur genug Geld dafür bekommt?

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