Fragen beim Prozess Nach Einbruch ins Grüne Gewölbe: Gab ein Maulwurf geheime Akten an Clan weiter?

Im Prozess zum Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe müssen Beobachter stets mit Überraschungen leben. Zuletzt wurde ein Zuschauer verhaftet, der jetzt als Beschuldigter in U-Haft sitzt. Bei ihm in Berlin fanden Ermittler Daten, die neue Fragen aufwerfen. Mehrere Polizisten sprachen auch von Spuren, die im mutmaßlichen Fluchtauto gefunden wurden.

Die Angeklagten sitzen beim Prozess um den Juwelenraub im Grüne Gewölbe im Oberlandesgericht Dresden neben ihren Anwälten.
Blick auf die Anklagebank mit sechs Beschuldigten im aktuellen Prozess. 14 Anwälte (darunter vier Wahlverteidiger) verteidigen die Männer im Prozess um die Aufklärung des Diebstahls mit Millionenschaden. Bildrechte: dpa

Bei der Fortsetzung des Prozesses wegen des Juwelendiebstahls aus dem Grünen Gewölbe sind am Dienstag pikante Fragen aufgetaucht. Die Wichtigste: Wer hat umfangreiche Ermittlungsakten zum Fall und zum Prozess an einen Familienclan in Berlin weitergeleitet? Die vollständige Ermittlungsakte des Falles war nach einer Wohnungsdurchsuchung in Berlin-Kreuzberg auf dem Tablet eines 22 Jahre alten Mannes entdeckt worden, der am 10. Mai während des Prozesses im Gerichtssaal Dresden festgenommen wurde. Er sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird Beihilfe zum schweren Bandendiebstahl und zur Brandstiftung vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte nun, dass in dessen Wohnung in Berlin auch ein Tablet sichergestellt wurde, auf dem sich umfangreiche Ermittlungsakten zum Fall und zum Prozess befanden. Darauf hatten eigentlich nur Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht, Verteidigung und Angeklagte Zugriff. Letztere saßen schon zum Zeitpunkt dieser 7. Festnahme teils schon länger in Untersuchungshaft. Woher die Unterlagen stammen, ist unklar, sagte Staatsanwalt Christian Weber im Prozess.

Auto und Wohnung des 7. Tatverdächtigen durchsucht

Der unlängst festgenommen siebenter Tatverdächtige hatte am 10. Mai als Zuschauer im Saal gesessen. Ermittler untersuchten daraufhin das Auto und die Wohnung des Mannes in Berlin-Kreuzberg. Ein möglicher Prozess gegen den siebten Tatverdächtigen könnte gesondert stattfinden. In den bereits laufenden Juwelendiebstahls-Prozess wurde er nicht mit einbezogen.

DNA-Spuren der Angeklagten und Glassplitter im Auto

Am Dienstag wurden Sachverständige und Polizeibeamte der Spurensicherung als Zeugen gehört. Zwei Beamtinnen des Landeskriminalamtes (LKA) berichteten von Ergebnisse aus einem Auto, mit dem die Täter mehrfach nachts von Berlin nach Dresden und zurück gefahren sein sollen. Kameras hatten das Auto vor dem Einbruch und am Tattag gefilmt.

Demnach wurden in dem Mercedes DNA-Spuren von drei Angeklagter gefunden, zudem Lacksplitter, die von einem Schneidgerät stammten und neun winzige Glassplitter im Fußraum, auf dem Beifahrersitz und im Kofferraum des Autos. Diese Glasplitter seien identisch mit dem Glas der Vitrinen im Grünen Gewölbe, hieß es. Kriminaltechniker hätten in den Ritzen des Autos auch Reste von Folien entdeckt, die zur Tarnung des Wagens als Taxi genutzt wurde.

Weltweit Schlagzeilen wegen des Juwelendiebstahls

Nach dem spektakulären Einbruch im November 2019 sind bislang sechs Familienangehörige einer arabischstämmigen Großfamilie in Berlin die Angeklagten. Die Ermittler legen den 23 bis 28 Jahre alten Männern zur Last, aus dem Schatzkammermuseum im Residenzschloss 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von mehr als 113 Millionen Euro gestohlen zu haben. Außerdem sollen die Diebe Sachschäden in Höhe von mehr als einer Million Euro hinterlassen haben. Die Anklage lautet: schweren Bandendiebstahl, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung.

Ein Angeklagter bedeckt sein Gesicht, als er in Handschellen in den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Dresden geführt wird.
In Handschellen und unter Polizeibewachung werden die Angeklagten in den Gerichtssaal geführt, so auch am heutigen Dienstag. Bildrechte: dpa

MDR (kk,ik,hrm)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 31. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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